Plötzlich war die Baustelle da: An der Grundschule in Nordstetten war am Anfang der Woche die Aufregung groß. Schulwege wurden plötzlich gefährlich. Busse erreichten ihre Haltepunkte nicht mehr.
Horb-Nordstetten - Das war eine böse Überraschung für viele Schulkinder am Dienstagmorgen. Verunsichert schauten sie auf ihren eigentlich üblichen Schulweg. Was nun? Straße wechseln? An welcher Stelle? Auslöser: die Verlegung von Fernwärmeleitungen inklusive Breitbandausbau im Bereich Ziegeleistraße bis zur Schule in der Weikersthalstraße, Schulstraße und Zeitenwiesenstraße. Das hatte die Stadtverwaltung auch in den Medien angekündigt. Die Ziegeleistraße werde in diesem Zeitraum voll gesperrt.
Auch der Schulbusverkehr wird plötzlich zum Problem
Schulleiterin Annekathrin Scharf war selbst von der Dimension der Baustelle überrascht worden, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion erklärt. "Wir haben sofort Kontakt mit der Stadtverwaltung aufgenommen, um Lösungen zu finden." Denn die Auswirkungen waren erheblich. Nicht nur, dass die Schulwege plötzlich deutlich heikler wurden. Auch der Schulbusverkehr wurde plötzlich ein Problem. Denn einige Schüler der Berthold-Auerbach-Schule in Nordstetten kommen aus anderen Orten wie beispielsweise Mühringen. "Dadurch hat ein Kind zum Beispiel den Bus nach Hause verpasst", berichtet Scharf. Und nicht nur die Grundschulkinder waren am Dienstag betroffen. "Auch Schüler der weiterführenden Schulen, die normalerweise an der Bushaltestelle in der Weikersthalstraße einsteigen, wussten plötzlich nicht, was sie machen sollten." Die Schüler standen teilweise weiterhin an der Haltestelle, die gar nicht mehr angefahren werden konnte.
Baumaßnahme im Kreuzungsbereich war erst für Ferien geplant
Hat die Stadtverwaltung diese wichtigen Fragen rund um die Schule verpennt? Nein! Das macht die Antwort von Pressesprecherin Inge Weber deutlich. Denn so, wie die Bauarbeiter loslegten, war das gar nicht geplant und erst mal auch gar nicht genehmigt: "Die Planung der Stadtwerke sah vor, dass die Baumaßnahmen im Kreuzungsbereich der Schulstraße erst in den Pfingstferien erfolgen sollen, da der Schulbetrieb dann nicht betroffen gewesen wäre. Die Baufirma hat jedoch vorzeitig mit der Maßnahme begonnen. Das hat sie zwar in guter Absicht getan, um auch rechtzeitig fertig zu werden. Zu Baubeginn lag aber noch keine verkehrsrechtliche Anordnung vor." Das habe verständlicherweise zu den geschilderten Irritationen geführt, "was wir sehr gut nachvollziehen können und was wir auch sehr bedauern", so die Stadtsprecherin.
Stadt kommt der Baufirma entgegen
Also Rolle rückwärts, Baustellen-Rückbau und so weitermachen, wie der ursprüngliche Plan war? Nein, die Stadt kommt der Baufirma entgegen, allerdings mit deutlichen Auflagen. "Die verkehrsrechtliche Anordnung wurde erst heute (also am Dienstag, Anm. d. Red.) im Laufe des Tages erteilt. In der Anordnung ist auch geregelt, was seitens der Baufirma alles zu beachten ist, zum Beispiel eine Information der Anwohner sowie die Abstimmung mit der Schule und das Einrichten einer Ersatzbushaltestelle vor der Schule während der Schulzeit." Auch ein Halteverbot im Schulbereich sei in der verkehrsrechtlichen Anordnung vorgesehen, sowie das erwähnte Achtungsschild Kinder. "Eltern-Taxis" direkt vor der Schule sind dann also nicht mehr erlaubt. Diesen Wunsch hatte Schulleiterin Scharf genannt.
Nur wenn diese Vorgaben auch alle erfüllt sind, können die Arbeiter loslegen. "Nach Bekanntwerden des vorzeitigen Baubeginns hat die Verkehrsbehörde zusammen mit dem Gemeindevollzugsdienst zunächst die Baustelle eingestellt", so Weber.
Gemeindevollzugsdienst half vor Ort
Auch mit der Schulleitung stehe die Stadtverwaltung in Kontakt. Der Gemeindevollzugsdienst war dann auch am Dienstagmittag "lenkend" vor Ort, genauso am Mittwochmorgen. Wobei die Stadtverwaltung am Dienstagnachmittag davon ausgeht, dass bis dahin die notwendigen Beschilderungen von der Baufirma beziehungsweise dem Busunternehmen aufgestellt worden sind. "Busse halten bis zu den Ferien an Ersatzhaltestellen im Bereich der Schule. Während der Pfingstferien wird die Schule nicht angefahren. Es muss eine Ersatzhaltestelle in der Scheibenbusstraße genutzt werden", so die Stadtverwaltung abschließend.