Wo von außen nur ein hölzernes Tor mit einem dunklen Loch zu sehen ist, verbirgt sich eine Welt aus Staub, Hitze und Maschinen. Die Bauarbeiter bringen mit schweren Geräten den alten Tunnel auf der B 463 in Albstadt-Laufen auf den neuesten Stand.
Dumpfes Poltern und Hämmern, ein Motor brummt, die Sonne blitzt über der offenen Tür des Tunnels. Kalte Luft strömt in Richtung Tor. Ein gelber Bagger hebt Aushub auf die Ladefläche eines Lastwagens. Von außen wirkt der Tunnel dunkel und verlassen, doch ein Schritt durch die Tür führt in eine andere Welt.
Drinnen ist es warm. In der Luft liegt Staub, und große gelbe Schläuche blasen warme Luft entlang der grauen Betonwände. Das Dröhnen der Maschinen und das Poltern von herabfallenden Betonbrocken wird lauter. Der Boden ist mit Geröll bedeckt, die Wände links und rechts sind drei Meter hoch mit rauen, kraterförmigen Kerben übersät. Schmale Lampen, in der Mitte der Decke wie ein Band angeordnet, tauchen den Tunnel in gelbes Licht.
Bei der Länge des Tunnels wird das große Paket benötigt
„Vor mehr als 20 Jahren wurde dieser Tunnel erbaut,“ erklärt Projektleiter Jürgen Grauer. „Die Technik hat sich verändert, und jetzt ist der Tunnel sanierungsbedürftig.“ Bei einer Länge von über 400 Metern müsse man umfassende Maßnahmen ergreifen. „Dieser Tunnel ist 540 Meter lang, also wird das große Paket benötigt mit Löschwasser- und Havariebecken.“ Etwa 20 bis 25 Mitarbeiter seien hier im Einsatz, erklärt Grauer weiter. Einer von ihnen radelt auf einem Fahrrad vorbei, während die Scheinwerfer eines Baggers die kraterförmigen Rillen an der Wand beleuchten.
Überreste eines alten Gehwegs liegen verstreut auf der Fahrbahn, eine tiefe Rinne klafft im Boden unterhalb der Tunnelwand – dort, wo der Bagger gerade gräbt. Wenige Meter weiter steht ein Arbeiter in einem Graben, vor ihm liegen neun schwarze Rohre. Ein Radlader rollt heran und beginnt, die Rinne wieder zuzuschütten.
„Aktuell werden die Leerrohre verlegt“, sagt Grauer. „Bisher läuft alles noch nach Plan, und es gibt keinen Grund, den zeitlichen Rahmen oder die geplanten Kosten des Auftrags zu überschreiten.“
Der Sommer könnte Probleme bereiten
Die Luft im Tunnel wird indes immer wärmer. Fahrzeuge mit laufenden Motoren verstärken die Wärme, während Bauarbeiter in leuchtend orangefarbener Schutzkleidung und Helmen ihre Arbeit verrichten.
„Schnee und Eis können bei den Arbeiten im Außenbereich ein Problem sein, aber im Tunnel haben wir ein Tor an beiden Enden und eine Heizung“, erklärt Grauer. „Kritisch kann es höchstens bei der Beschichtung werden, da müssen Temperatur und Luftfeuchtigkeit stimmen. Aber notfalls können wir da nachhelfen.“
Die alte Fassade bröckelt
Ein lautes Rauschen durchbricht die Geräuschkulisse. Ein Teil der Lampen an der Decke funktioniert nicht. Eine dichte Wolke aus Wasserdampf, durch die hin und wieder eine orangefarbene Gestalt durchblitzt, füllt einen Abschnitt des Tunnels. Betonbrocken fliegen explosionsartig von der Wand, während ein Arbeiter, komplett in einen Schutzanzug und Helm gehüllt, gegen den Druck eines Hochdruckreinigers ankämpft.
„Es sieht aus wie ein Hochdruckreiniger, es ist aber ein Höchstdruckreiniger, mit dem die Tunnelschale abgetragen wird,“ erklärt Grauer.
Ein paar Meter weiter spritzt ein anderer Arbeiter auf die südliche Tunnelwand. Aus dem Schlauch kommt heller Beton, der den neuen Auftrag für die Innenschale des Tunnels bildet.
„Diese Wände sind, bis auf die Beschichtung, schon fertig“, sagt Grauer, und deutet auf eine abgehängte, trocknende Wand.
Zurück in die Außenwelt
Sonnenstrahlen dringen in das Innere des Tunnels. Mit einem Schritt durch das Tor nach draußen verstummt der Lärm, und die warme staubige Luft weicht der kühlen Luft des Januartages. Draußen ist es ruhig, nur vereinzelt hört man Autos auf der Umleitungsstrecke vorbeirauschen.