Die Baustelle im Traufweg: So hat sich die Stadt Burladingen die Arbeiten nicht vorgestellt. Foto: Reich

Im Bereich des Traufwegs hatte die Firma, die „Backbone“-Rohrverbände für den Breitbandausbau verlegen sollte, unsauber gearbeitet. Nun musste die Straße Stück für Stück wieder neu aufgerissen werden, um die Rohre neu zu verlegen.

„Backbones“ sind kleine leere Rohre mit dem Durchmesser von ein bis zwei Zentimeter, die als passive Infrastruktur für ein Glasfasernetz dienen. In Burladingen kümmere sich die Netze BW GmbH um den Backbone-Ausbau für die zukünftige Breitbandversorgung, sagt eine Pressesprecherin der Netze BW: „Das Backbonenetz ist dabei das übergeordnete Netz, das auch die Breitbandnetze der Kommunen miteinander verbindet. Von dort kann das Glasfasernetz in der jeweiligen Kommune weiter ausgebaut werden bis zu den einzelnen Haushalten.“ Die diesbezüglichen Tiefbauarbeiten im Traufweg, in der Ringelsteinhalde, Blumenstetterstraße, Zollernstraße und der Hirschaustraße sind allerdings schief gelaufen.

Was ist bei den Bauarbeiten schief gelaufen?

Die leeren Rohre seien „zu scharfkantig verlegt worden“, so dass man die Glasfasern nicht hineinblasen könne, sagt der Breitbandkoordinator der Stadt Burladingen. Einige Abschnitte seien auch nicht in der richtigen Tiefe verlegt worden. Die Asphalt- und Pflasteroberflächen, die die Firma nach den Arbeiten aufgetragen hatten, seien ebenfalls mangelhaft gewesen, sagt die Pressesprecherin der Netze BW.

„Augen zu, alles raus, noch mal neu“, sei daher das Motto gewesen, führt der Burladinger Koordinator fort: „Man hat alles wieder aufreißen müssen.“

Wer trägt die Kosten?

Das deutsche Unternehmen, das die mangelhaften Arbeiten durchführte, komme nicht aus der Region, sagt der Breitbandkoordinator. Für die Stadt seien keine Mehrkosten entstanden, auch die Förderungen von Bund und Land gebe es unabhängig vom Gelingen oder Misslingen der baulichen Maßnahmen nur einmal. Das ursprüngliche Subunternehmen, das für die fehlerhaften Arbeiten verantwortlich sei, müsse die Kostenfrage mit der Netze BW klären.

Warum wurden die Baumängel erst bemerkt, als die Straßen schon wieder asphaltiert waren?

Dass die Mängel nicht behoben worden sind, bevor die Straßen wieder asphaltiert wurden, habe nach dem Breitbandkoordinator mehrere Gründe. Zum einen habe das beauftragte Unternehmen im Spätherbst vergangenen Jahres im Traufweg und auch teilweise in der Ringelsteinhalde die Straße einfach wieder zugedeckt, obwohl die Arbeit noch gar nicht abgenommen worden sei.

Die Zollernstraße dagegen sei zwar schon zugeschüttet, bis in den Spätherbst hinein aber noch nicht asphaltiert gewesen. Laut dem Koordinator der Stadt drohte hier ein Schneechaos: „Wie will man auf Schotter Schnee räumen?“ Zu diesem Zeitpunkt sei deutlich geworden, dass etwas mit den Arbeiten des Unternehmens nicht stimme. Durch einen Test, indem die Rohre mithilfe von Luftdruck getestet wurden, seien weitere Mängel zu Tage getreten. Ende vergangenen Jahres habe die Netze BW dem Unternehmen schließlich den Auftrag entzogen und zwei andere Firmen aus der Umgebung engagiert.

Für die Kontrolle von Tiefbauarbeiten gebe es eigentlich wöchentliche Fixtermine, da deren Zeitpunkte aber lange davor feststehen, könne ein Unternehmen, um Mangelarbeiten zu vertuschen, für diese Termine die Baustelle entsprechend vorbereiten, so der Burladinger Koordinator. Zudem sei an den Bauarbeiten schließlich auch nicht alles falsch gewesen – an einigen Stellen sei die richtige Tiefe der Rohre eingehalten worden, an anderen nicht.

Bis wann dauern nun die Sanierungsarbeiten?

„Die Netze BW rechnet damit, dass der Tiefbau im Herbst 2023 abgeschlossen werden kann. Danach erfolgt nur noch das Einziehen der Glasfaserkabel“, sagt die Pressesprecherin der Netze BW: „Baubedingt kann es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Die Bauausführenden bitten hierfür um Verständnis.“ Es sei die erste Zusammenarbeit mit dem mangelhaft arbeitenden Dienstleister gewesen.

Die Stadtverwaltung sei „nicht wirklich erfreut über die erneuten Baumaßnahmen. Wir sehen aber auch, dass es ohne diese Arbeiten kein funktionierendes Backbone geben wird und somit auch keine flächendeckende Breitbandversorgung im Stadtgebiet“, sagt der Koordinator.

Wie groß ist die Gefahr, dass beim Breitbandausbau an anderen Stellen Ähnliches passiert?

Für den Breitbandkoordinator endet das Problem nicht, wenn die Sanierungsarbeiten beim Traufweg beendet sein werden: „Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden wir an anderen Stellen die gleiche Problematik haben“, sagt er. Aufgrund des Fachkräftemangels gebe es zu wenig Tiefbauer, um den „Hype um Glasfaser“ in die Tat umzusetzen. Die wenigen guten Fachkräfte seien teuer.