Weitgehend autark wird die neue Sprachheilschule in zwei Jahren zwischen den kommunalen Einrichtungen Hallenbad und Mehrzweckhalle stehen.
Finanzielle Abwägungen haben den Gemeinderat dazu bewogen, im Zuge des Neubaus des Landkreises sowohl auf weitere Stellplätze für die Gemeinde als auch auf die spätere Möglichkeit einer Verbindung der vorhandenen Parkflächen in diesem Bereich zu verzichten. Der Landkreis wiederum sieht aus wirtschaftlichen Gründen von einer Anbindung des Schulgebäudes an das lokale Nahwärmenetz ab.
Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat einen von der Verwaltung erarbeiteten Kompromissvorschlag abgelehnt. Lediglich Kurt Greiner (FW) sprach sich zusammen mit der Bürgermeisterin Jessica Lang für diese, wie er sagte, „zukunftsweisende Lösung“ aus.
Aber der Reihe nach: Die Idee, den Neubau der Sprachheilschule zu nutzen, um die mitunter angespannte Parksituation im Bereich um Hallenbad, Sportplatz und Alemannenhalle zu entschärfen, kam vor gut einem Jahr im Gemeinderat auf. Ute Bobert, Fachbereichsleiterin Planen & Bau beim Landratsamt, hatte ein Modell des Neubaus mitgebracht und die Pläne erstmals ausführlich vorgestellt.
Landratsamt steht unter Zeitdruck
Seinerzeit wollte die Gemeinde von der ohnehin notwendigen Erschließung des zwischen zwei Gebäuden „gefangenen Grundstücks“ profitieren. Diese sollte über eine Stichstraße von der Alemannenstraße her rechts am Hallenbad vorbei erfolgen. „Wäre es nicht praktisch, diese Straße gleich bis zum Parkplatz der Halle durchzubinden?“, fragten einige Ratsmitglieder. Der Gedanke stand seither im Raum, wurde jüngst jedoch aus Kostengründen wieder verworfen.
Weil das Landratsamt mit dem Neubau der Sprachheilschule unter Zeitdruck steht, musste nun schnell eine andere Lösung her. Die Verwaltung hatte zwei Varianten erarbeitet und zur Abstimmung gestellt. Die Entscheidung fiel auf die für alle kostengünstigere Lösung, die nun allerdings keine Synergieeffekte mit sich bringt, beispielsweise auch für Teile der einst geplanten Wohnbebauung in diesem Gebiet, hieß es im Gemeinderat.
Was die ursprüngliche Variante vorgesehen hat
Die erste, nun abgelehnte Variante sah anstelle der zuvor schon abgelehnten Durchbindung eine Erschließungsstraße mit Wendehammer vor. Auch die notwendigen Leitungen wären über diese Straße in das Gebäude geführt worden. Im Zuge dieser Maßnahme wären 30 zusätzliche Stellplätze entstanden, davon an Werktagen 15 exklusiv für die Sprachheilschule. Von den Kosten hierfür hätte der Landkreis 416.000 Euro übernommen, auf die Gemeinde Maulburg, die nur von den Parkplätzen profitiert hätte, wären 371.000 Euro entfallen.
Erschließung über bestehendes Grundstück
Stattdessen wird in der neuen Variante die gesamte Erschließung nun über das bestehende Grundstück geführt. Die sieben für den Neubau unbedingt erforderlichen Stellplätze werden auf der bestehenden Asphaltfläche des Hallenbadparkplatzes vom Landkreis angemietet und entsprechend markiert, was den Parkdruck zu bestimmten Zeiten erhöhen könnte. Nun müssen gute Lösungen für die Anbindung des gefangenen Grundstücks gefunden werden, das betrifft zum einen die Leitungsanschlüsse, aber auch das Geh- und Fahrrecht, das vertragliche Regelungen erfordert. Denn der Weg, auf dem später die Mensa beliefert werden soll, ist gleichzeitig die Feuerwehrzufahrt.
Das Landratsamt Lörrach war mit drei Mitarbeitern vor Ort, um aufkommende Fragen zu beantworten. Von Seiten des Landkreises hätte man sich eine Mitnutzung der Hebeanlage des Hallenbades für das Abwasser unter finanzieller Beteiligung gut vorstellen können. Von Seiten der Gemeindeverwaltung jedoch gab es in dieser Hinsicht Bedenken. Befürchtet wurden Schäden durch einen Rückstau beim Ausfall der Anlage sowie komplizierte Haftungsfragen. Außerdem, so wurde betont, werde durch den Betrieb der Mensa ein Fettabscheider erforderlich. Den Verzicht des Neubaus auf einen Nahwärmeanschluss begründete Ute Bobert in der Sitzung des Maulburger Gemeinderats damit, dass es sich bei der Sprachheilschule um ein Niedrigenergiegebäude mit Photovoltaik-Anlage (PV) auf dem Dach handele. Eine autarke Lösung mit Wärmepumpen sei in diesem Fall schlicht wirtschaftlicher.
Was die Räte zur Sprachheilschule sagen
„Es ist nicht klar, ob wir die Erschließungsstraße jemals brauchen werden“, argumentierte Rainer Sänger (FW) als einer der vielen Kritiker der ersten Variante. Julian Phillipp (WfM) führte den Verzicht auf eine zusätzliche Versiegelung als Vorteil an. Und Christian Leszkowski (SPD) fand die Kosten pro Stellplatz schlicht zu hoch.
Greiner fragte abschließend Bobert nach ihrer Meinung. „Die Kosten standen einer gemeinsamen Lösung im Interesse aller im Weg“, konstatierte die Planerin nüchtern. „Alleine können wir die Straße nicht bauen.“