Aus Brandruine wird modernes Verwaltungsgebäude: Die Generalsanierung der Alten Hofapotheke in Hechingen ist abgeschlossen. Wir haben die Bilder zur feierlichen Einweihung.
Die Alte Hofapotheke ist nach der jüngst abgeschlossenen Generalsanierung – oder: „Revitalisierung“, wie Bürgermeister Philipp Hahn bei der feierlichen Eröffnung zu pflegen sagte – nicht mehr wiederzuerkennen. Besonders groß dürfte das Staunen bei jenen Gästen gewesen sein, die selbst früher in dem historischen Gebäude gelebt oder praktiziert haben. So beispielsweise der frühere Hechinger Kinderarzt Jurij Ciokan, der seine Praxis im zweiten Stock hatte und der feierlichen Einweihung am Samstag beiwohnte.
In den vergangenen knapp drei Jahren Bauzeit hat sich die ehemalige Brandruine zu einem modernen Verwaltungsgebäude gewandelt. Im Erdgeschoss ist das Bürgerbüro untergebracht, in den darüber liegenden Stockwerken Büros von Rathausmitarbeitern sowie im Dachgeschoss ein Sitzungssaal, der sogar für Krisenfälle, Stichwort: Notstromversorgung, ausgestattet ist. Bürgermeister Philipp Hahn sprach nicht umsonst von einem „Leuchtturmprojekt“ für den Hechinger Marktplatz. Unter anderem soll das Bürgerbüro dem zentralen Platz vor dem Rathaus mehr Publikumsfrequenz bescheren.
Teil eines frischen Bandes
Doch für Hahn ist die generalsanierte Hofapotheke in Kombination mit dem neu gestalteten Obertorplatz und der wohl Ende 2026 sanierten Zollernstraße noch mehr: Sie sei Teil eines „frischen Bandes“ durch die Zollernstadt, dass die Innenstadt attraktiver mache und zu Investitionen im Stadtkern anrege. Mitinbegriffen sei dabei selbstredend auch der Neubau der Lebenshilfe Zollernalb, der über ein gemeinsames Treppenhaus mit der Hofapotheke barrierefrei erschlossen ist. In elf Wohnungen auf drei Voll- und einem Dachgeschoss hat die Lebenshilfe investiert.
Die Hofapotheke stand indes vor über einem Jahrzehnt noch unter keinem guten Stern, wie Bürgermeister Hahn weiter ausführte. 2012 brannte das Nachbargebäude vollends ab – mit verheerenden Auswirkungen auf die Hofapotheke, 2015 wurde die Hofapotheke selbst Opfer der Flammen. Zurück blieben eine Brache und eine demolierte Hofapotheke, die die Stadt Hechingen mit der Teilnahme an der Zwangsversteigerung des Gebäudes erwarb. 2021 folgte der Grundsatzbeschluss im Gemeinderat zur Sanierung des historischen Gebäudes.
5,5 Millionen Euro Kosten
5,5 Millionen Euro wurden in der Hofapotheke seither verbaut, fristgerecht wurde sie im November fertiggestellt. Dank einer Förderquote von 47 Prozent – rund 2,6 Millionen Euro aus der Städtebauförderung – hört sich die Summe für das angeschlagene Stadtsäckel versöhnlich an. Bei der Verkündigung dieser Zahl brandete unter den Gästen der Einweihung Applaus auf.
Dabei sei die Generalsanierung des denkmalgeschützten Gebäudes „kein Schleckhafen“ gewesen, wie das Stadtoberhaupt weiter betonte. Doch: Dank der reibungslosen Zusammenarbeit mit dem hauptverantwortlichen Architekten Lukas Gäbele vom Architekturbüro Gäbele und Raufer sowie der zahlreich beteiligten regionalen Handwerksfirmen seien auch „Überraschungen“ in der Bauphase gemeistert worden.
Fördermittel bei 47 Prozent
Michael Werner, Hoch- und Tiefbauchef im Rathaus, wies auf finanzielle Herausforderungen während der Planungen hin. „Die Hofapotheke ist das erste Bauwerk, das vollends in der neuen Zeitrechnung der Baukostenpreise realisiert wurde.“ Die Folgen von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg hätten die Kosten in die Höhe getrieben – seither stagnieren diese auf hohem Niveau. Die Fördermittel seien daher umso wichtiger – und auch nur deshalb so hoch ausgefallen, weil die Stadt nicht neu gebaut, sondern in historische Bausubstanz investiert habe. Das honoriere die Städtebauförderung. Oder wie Werner betonte: „Wir bewahren unsere geerbte Bausubstanz für weitere Generationen.“
Hohe Energie-Standards
Übrigens: Der energetische Standard der Alten Hofapotheke muss sich nicht verstecken. Ein beachtliches KfW-70-Niveau sei erreicht worden – und das, obwohl wegen der denkmalgeschützten Fassade das Gebäude nicht von außen gedämmt werden darf. Geheizt wird nachhaltig mit Geothermie durch eine Flächenheizung in Fußböden und Wänden. Eine in das Dach integrierte PV-Anlage liefert den Strom.
Trotz der Umgestaltung ist der historische Charme erhalten geblieben. Mauerwerk schaut an einigen Stellen hervor. Im Dachgeschoss wurde das sehr seltene historische Thermenfenster – auch „Fenster in die Vergangenheit“ genannt – erhalten. Das alte Treppenhaus besteht weiter, auch wenn es für den Besucher nicht zugänglich ist.
Details stechen hervor
Fest steht: Bei der Sanierung wurde auf Details geachtet: Im Raum vor dem Sitzungssaal sind in ein Glasfenster die Wappen der acht Stadtteile Hechingens eingelassen, die Räume sind je nach Stockwerk farblich aufeinander abgestimmt. Michael Werner sagte nicht umsonst: „Perfektion im Altbau ist unmöglich, dieses Projekt aber ist vollkommen.“
600 Besucher
Großes Interesse rief der Tag der offenen Tür in der Hofapotheke auch in der Bevölkerung hervor. Rund 600 Besucher hat die Stadtverwaltung am Samstagabend durch das generalsanierte Gebäude geführt. „Eine überwältigende Resonanz“, wie Werner am Montag Bilanz zog.