Die EnBW gab jüngst eine Kostenschätzung für das Energiekonzept auf dem Maute-Areal ab. Bekannt wurde auch, wann Teile des Quartiers bezogen werden sollen.
Verschiedene Konzepte für die Bebauung des Maute-Areals sind bekannt. In der vergangenen Gemeinderatssitzung hat das Gremium der Reservierung weiterer Flächen für Bauprojekte zugestimmt. Bürgermeister Roman Waizenegger und Bauamtsleiter Holger Maier informierten in der Sitzung, dass der nördliche Bereich des Quartiers zum Jahresende 2026 bezugsfertig sein soll beziehungsweise muss, da die Vorhabensträger loslegen wollen.
Heißt: Bis dahin muss das Maute-Areal großteils erschlossen sein. Das bedeutet, dass Straßen zu bauen, Ver- und Entsorgungsleitungen zu legen sowie die Energiekonzeption abzustimmen sind. Dies sei ein „enormer Aufwand“ in der Projektsteuerung, den die Gemeinde Bisingen alleine nicht stemmen könne, erläuterte Bauamtsleiter Maier den Gemeinderäten. Daher schlug die Verwaltung vor, die Projektsteuerung für die Gesamterschließung an die STEG Stadtentwicklung aus Stuttgart zu vergeben, was das Gremium auch mehrheitlich billigte. Jenes Unternehmen begleitet die Gemeinde auch in den Verfahren zur Baukonzeptvergabe.
Pufferbecken unter Tage
Wie komplex die Erschließung des Maute-Areals tatsächlich ist, zeigte auch der weitere Verlauf der Gemeinderatssitzung. Bob Rikken vom Ingenieurbüro Gfrörer – zuständig für die Planung des Gesamtkonzepts der inneren und äußeren Erschließung – informierte über die Herausforderungen. Es müsse beispielsweise ein unterirdisches Pufferbecken im Bereich der Eichgasse gebaut werden, damit der Klingenbach nicht überlastet wird. Zudem sollen Regen- und Abwasserkanäle getrennt werden. In Rikkens Worten: „Unter der Straße wird es kompliziert.“
Dazu komme die Problematik von Höhenunterschieden auf dem Quartiersareal. Und ein großer Abstimmungsbedarf mit der EnBW, die die Machbarkeit des Energiekonzeptes prüft und ebenfalls in der Sitzung über ihre Ergebnisse informierte.
Technisch umsetzbar
Das Energiekonzept sieht eine Kombination aus Geothermie, Aerothermie und Photovoltaik vor. Die wichtigste Botschaft, die Jonas Giese und Simon Marx von der EnBW dem Gremium berichteten: Das Konzept ist sowohl technisch, ökologisch und langfristig betrachtet auch wirtschaftlich sinnvoll. Die EnBW stellte hierfür eine Planung mit einer frei stehenden Energiezentrale vor. Darin untergebracht werden soll unter anderem eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, zwei Luft-Wasser-Wärmepumpen, Hydraulikkomponenten und Elektrotechnik. Mit dem Eigentümer des Grundstücks, auf dem die Heizzentrale mit einer stattlichen Höhe von sechs Metern gebaut werden soll, sei sich die Gemeinde weitgehend einigt, warf Bürgermeister Waizenegger ein.
Konzept ist förderfähig
Von einer Gesamtinvestition von fünf Millionen Euro in das Quartierskonzept war die Rede, davon müssten zwei Millionen Euro von den Bauherren und drei Millionen Euro vom Quartiersversorger getragen werden. Dieser bekomme die Investition auf lange Sicht durch den Energieverkauf aber zurück. Hinzu seien Fördermittel einzukalkulieren; das Konzept sei zuschussfähig. Ihr Credo: Über 20 Jahre sei die Quartierslösung günstiger als Eigenlösungen, da bei Eigenlösungen wie Wärmepumpen nach 15 Jahren eine Ersatzinvestition anstünde.
Für die Stromversorgung sind Photovoltaik-Anlagen auf den Gebäudedächern vorgesehen. Laut Marx und Giese biete das Maute-Areal ein Potenzial von 400 Kilowatt-Peak. Für größere Gebäudeeinheiten wird ein Mieterstromkonzept empfohlen.
EnBW prüft Bewerbung
Und welche Kosten kommen schließlich auf den Endverbraucher zu? Die EnBW habe konkrete Zahlen berechnet, hätte sich mit einer öffentlichen Präsentation dieser Zahlen aber einen Wettbewerbsnachteil verschafft. Denn: Das Unternehmen prüft selbst eine Bewerbung als Betreiber des Wärmekonzeptes. Letztlich hatte der Gemeinderat aber noch die Grundsatzentscheidung zu treffen, ob die Betreibersuche überhaupt weiter verfolgt. Das Gremium gab bei drei Enthaltungen letztlich grünes Licht.
Die Entscheidung über einen Quartiersbetreiber soll in der Gemeinderatssitzung am 16. September getroffen werden. Der nötige „Turbo für das Maute-Areal“, wie Waizenegger ihn fordert, wurde bei der jüngsten Gemeinderatssitzung jedenfalls gezündet.