Nur, wenn es um Neubaugebiete geht, sind Ortschaftsratssitzungen so gut besucht wie hier in Talheim. Foto: Morlok

Baugebiete: Mittelfristige Vermarktung von Gebiet "Barbel West Erweiterung" kommt nicht gut an / Viele Baulücken bleiben leer

Meistens sind die Sitzungssäle bei den öffentlichen Ortschaftsratssitzungen nur dann richtig voll, wenn es um Neubaugebiete geht. So auch in Talheim, als bei der ersten Sitzung nach der Sommerpause der Tagesordnungspunkt "Barbel-West-Erweiterung – Bildung von Bauabschnitten und Vermarktungstranchen" auf der Agenda stand.

Horb-Talheim. Knapp 20 Personen wollten wissen, wie es denn jetzt mit der Erweiterung des Baugebiets weitergeht.

Glaubte man sich bereits vor zwei Jahren so weit, dass die Bagger anrücken konnten, machten damals zwei brütende Feldlerchenpaare den Interessenten einen Strich durch die Rechnung. Und nun legt sich die Stadt Horb mit ihrer innovativen Baulandentwicklungs-Strategie quer.

Aufteilung in Abschnitte

Wie in Grünmettstetten, Nordstetten und Altheim schlägt die Stadtverwaltung über den Fachbereich 3/ Stadtentwicklung vor, dass die aktuellen Neubaugebiete nur in einzelnen Bauabschnitten entwickelt und vermarktet werden sollen.

Hierzu hieß es in den Sitzungsunterlagen: "In verschiedenen Beratungen des Gemeinderats wurde deutlich, dass die Erschließung und Vermarktung von Bauplätzen einerseits nachfragegerecht aber auch andererseits mit der gebotenen Zurückhaltung zur Minimierung des Flächenverbrauchs für Siedlungszwecke erfolgen soll. Ziel ist es, die aktuell planerisch geschaffenen Kapazitäten in Baugebieten Zug um Zug zu realisieren."

Hierzu ist die Bildung von Bauabschnitten und Vermarktungstranchen vorgesehen.

Bauabschnitte ergeben sich aus einem zusammenhängend erschlossenen Teil des Baugebiets. In größeren Baugebieten können meistens mehrere Bauabschnitte entstehen. In kleineren Baugebieten kann es sein, dass nur ein Bauabschnitt gebildet werden kann. Die Möglichkeiten, Bauabschnitte zu bilden, hängt vor allem von technischen und verkehrlichen Gegebenheiten ab. Daher ist es nicht möglich, Bauabschnitte weiter zu verkleinern. Es wäre aber denkbar, mehrere Bauabschnitte gleichzeitig zu erschließen.

Vermarktung

Vermarktungschancen sind gedachte Vermarktungsschritte innerhalb eines Bauabschnitts. So kann es bei größeren Bauabschnitten sinnvoll sein, nicht alle Bauplätze in einem Jahr zu vermarkten, sondern regelmäßig wiederkehrend (zum Beispiel alle zwei Jahre) jeweils einen Anteil. Da die Erschließung bereits fertiggestellt ist, kann hier flexibel reagiert werden. Die bereits erschlossenen, aber nicht vermarkteten Bauplätze sind jedoch zu pflegen.

Drei Abschnitte

Für die Erweiterung von Barbel-West schlägt das Bauamt vor, dass man die Erschließung in drei Bauabschnitte und vier Vermarktungstranchen aufteilt.

Dies bedeutet: In Bauabschnitt eins wird zunächst nur die Barbelstraße mit Gehweg und die beiden kurzen nördlichen Stichstraßen gebaut. Damit wären die Bauplätze für Vermarktungsschritt eins und zwei anfahrbar.

In Bauabschnitt zwei wird die Stichstraße nordöstlich erschlossen: Dadurch werden die Bauplätze für Vermarktungsschritt Drei anfahrbar.

In Bauabschnitt drei wird die südliche Straße gebaut und anschließend die dort liegenden (restlichen) Bauplätze vermarktet.

Mehr Aufwand?

Für Ortsvorsteher Anton Ade steht fest, dass sich aus dieser Vorgehensweise mehrere Nachteile ergeben würden.

Die Straßen würden in drei, zeitlich auseinanderliegenden Bau-Maßnahmen hergestellt und es müsste jeweils ein eigenes Ausschreibungsverfahren laufen. Dadurch würden sich die Herstellungskosten erhöhen beziehungsweise würde dies zu erheblichen Mehraufwendungen gegenüber einer einmaligen Gesamterschließung führen. Dies durch einen höheren organisatorischen Aufwand innerhalb der Verwaltung, die zu erwartenden Preissteigerungen im Baugewerbe und die mehrfachen Baustelleneinrichtung.

Enttäuschte Familien?

Weiter würde die Trennung in die dargestellten Vermarktungstranchen bedeuten, dass im Jahr 2022 lediglich zwölf Bauplätze vermarktet werden. Im Folgejahr 2023 dann vier Bauplätze. Sofern keine zeitliche Verzögerung im 2. Bauabschnitt erfolgt, könnten im Jahr 2024 weitere sechs Bauplätze vermarktet werden. Die letzten elf Bauplätze wären dann erst nach Abschluss des zweiten Bauabschnitts ab dem Jahr 2026 vermarktbar.

Für den stellvertretenden Ortsvorsteher Edwin Joachim bedeutet dies im Umkehrschluss: "Hier sitzen junge Leute, die fühlten sich fast am Ziel und jetzt sagte man ›ätschegebele‹, es klappt nicht und ihr könnt doch nicht bauen. Dass diese jungen Familien sich woanders nach einem Bauplatz umschauen, ist dann irgendwie nachvollziehbar." "Davon auszugehen, dass junge Familien bis zum Jahr 2024 beziehungsweise 2026 abwarten, ob sie vielleicht einen Platz in Talheim zugeteilt bekommen, ist schlicht weltfremd", ergänzte Anton Ade die Überlegungen seines Stellvertreters.

Reichlich Interessenten

Auch Ortschaftsrat und Gemeinderat Hermann Walz stieß ins gleiche Horn: "Man entwickelt Baugebiete deshalb, weil man dafür Interessenten hat. Wir sollten schon lange mit einem weiteren Baugebiet am Start sein, bevor uns die Jungen davonlaufen." Und Interessenten gibt es in Talheim reichlich. Die Interessenten der Abfrage 2018 wurden Ende des Jahres 2020 von Ortsvorsteher Ade persönlich nochmals angefragt, ob noch eine konkrete Kaufabsicht vorliegt. 34 Interessenten haben damals mitgeteilt, sie würden gerne zeitnah einen Bauplatz erwerben. Seither haben sich bereits weitere 22 neue Interessenten bei Ade gemeldet, die hohes Interesse an einem Bauplatz in Talheim haben. "Bei den genannten 22 Interessenten handelt es sich fast ausschließlich um junge Talheimer", teile Ade seinem Gremium auf Nachfrage mit.

Ade betonte zwar, dass man aus der Interessenbekundung keinen Rechtsanspruch ableiten kann. Er versprach aber, dass er die Leute, die sich persönlich bei ihm gemeldet haben, vor der Ausschreibung anruft und sie auf mögliche Ausschreibungstermin hinweist, damit sie keine Frist versäumen.

Baulücken kaum verfügbar

In diesem Zusammenhang machte Ade darauf aufmerksam, dass man auch das Thema "Baulücken" in Talheim geprüft habe. Von den im Jahr 2020 laut Plan vorhandenen 38 Baulücken wurden im vergangenen Jahr acht Stück bebaut. Nach Kenntnisstand des Ortsvorstehers sind die anderen örtlichen Baulücken überwiegend in privater Hand und nicht verfügbar. Deshalb bleibt Bauwilligen nur das Warten auf ein neues Baugebiet, in dem sie vielleicht einen Platz kaufen können.

Für den Ortschaftsrat war der Beschlussvorschlag an den Gemeinderat klar. Die Räte entscheiden sich einstimmig für folgende Forderung: Das Baugebiet Barbel-West-Erweiterung soll in einem Bauabschnitt erschlossen werden. Die Vermarktung soll zeitnah erfolgen und ein weiterer Interessentenaufruf wird erbeten."

Und nun ist der Gemeinderat bei seiner Sitzung am 28. September dran, wie es in den insgesamt sieben Neubaugebieten von Horb weitergeht.