110 Bewerbungen gab es im Jahr 2021 für die 19 Bauplätze im Mauchener Baugebiet „Haldengässle Ried“ – zwei davon wurden in der Folgezeit wieder an die Gemeinde zurückgegeben. Der Knackpunkt: die Finanzierung. Foto: Claudia Bötsch

Wenn das Bauen zu teuer wird: Teils gingen Bauplätze wieder an die Gemeinde zurück, weil die Finanzierung nicht mehr möglich war.

Hohe Baukosten und steigende Zinsen, gepaart mit einer generell unsicheren Lage in Wirtschaft und Politik: Diese Gemengelage wirkt sich auch in Schliengen auf das private Bauen aus.

 

„Die Nachfrage ist eher verhalten“, kommentiert der Schliengener Bürgermeister Christian Renkert auf Nachfrage die aktuelle Situation. Es sei relativ ruhig geworden, meint er im Gespräch mit unserer Zeitung und verweist auf die Baukonjunktur.

Nach der Corona-Pandemie sei es zu einem deutlichen Einbruch gekommen, führt der Rathauschef weiter aus. Durch gestiegene Baupreise und Zinsen sei der Traum vom Haus inzwischen für viele schlicht nicht mehr finanzierbar, weshalb auch Grundstücke wieder an die Gemeinde zurückgegeben wurden. Bei den beiden zuletzt von der Gemeinde erschlossenen Baugebieten „Gärtnerei Liel“ (acht Bauplätze) und „Haldengässle Ried“ (19) in Mauchen war das bei insgesamt drei Grundstücken der Fall. Begründet wurde dies unter anderem mit den veränderten Zinskonditionen.

Mancher Traum geplatzt

Renkert verweist auf den Fall einer Familie, die bei ihrer Bewerbung um den Bauplatz noch mit Zinsen von 0,5 Prozent kalkuliert hatte. Als es dann aber 4,5 Prozent waren, hätten die Leute am Ende feststellen müssen: „Das schaffen wir nicht mehr.“ Diese Entwicklungen hätten einige Träume zerstört, hält der Bürgermeister fest.

Im zweiten Anlauf

Aktuell sind noch zwei Bauplätze in Liel und Mauchen im Besitz der Gemeinde, die nun im zweiten Anlauf vermarktet werden. Wobei der Verkauf des Grundstücks im Baugebiet „Gärtnerei Liel“ so gut wie in trockenen Tüchern sei. „Wir sind uns handelseinig, der Notartermin ist noch im Juli geplant“, informiert dazu der Rathauschef. Und auch beim letzten noch unbebauten Grundstück im Mauchener „Haldengässle Ried“, das ebenso ein zweites Mal in die Vermarktung ging, ist die Gemeinde in Gesprächen mit Interessenten. „Wir haben die Warteliste mit Bauinteressenten abgearbeitet“, erläutert Renkert das Prozedere. Viele, die noch auf der Liste standen, hätten indes abgewunken – aus verschiedenen Gründen. Mit jenen, die nach wie vor Interesse gezeigt hatten, sei die Gemeinde dann in weitere Gespräche gegangen.

Früher die Bude eingerannt

Die Zeiten, in denen potenzielle Häuslebauer der Gemeinde die Bude einrannten, sind damit vorbei. Im Jahr 2018 hatte der damalige Bauamtsleiter Gerhard Sommerhalter unserer Zeitung noch von „täglichen Anfragen“ im Rathaus berichtet. Und auch im Jahr 2021, bei der Ausschreibung der 19 Bauplätze im „Haldengässle Ried“ in Mauchen, manifestierte sich die „ungebrochen große Nachfrage nach Bauland“, wie es damals hieß. 110 Bewerbungen waren damals eingegangen.

Einige Baugebiete erschlossen

In der Gemeinde Schliengen wurden in den vergangenen Jahren einige – kleinere und größere – Baugebiete erschlossen. Dies habe sich natürlich ebenfalls auf die Nachfrage ausgewirkt. Renkert verweist neben den Baugebieten „Unterm Dorf“ in Mauchen und „Ochsenmatt“ in Obereggenen auf das „Wasengärtle“ in Schliengen – das größte in der Geschichte der Gemeinde. In dem 2018/2019 erschlossenen Baugebiet am Ortsausgang Richtung Bad Bellingen sind neben Einfamilien- und Doppelhäusern auch zahlreiche Wohnungen entstanden, was laut Renkert auch eine gewisse Umverteilung mit sich gebracht habe. Einige ältere Schliengener Bürger hätten die Gelegenheit genutzt, sich zu verkleinern – im Gegenzug seien einige Bestandshäuser auf den Markt gekommen.

Angrenzend an den Rewe-Markt sollen auf einer noch freien landwirtschaftlichen Fläche Räumlichkeiten für Gewerbe und Wohnen entstehen. Foto: Claudia Bötsch

Weiterer Wohnungsbau

Mit einem ähnlichen Effekt rechne die Gemeinde bei dem Bauprojekt, das zwischen der ehemaligen Winzergenossenschaft und Rewe geplant ist. Dort soll auf einer noch freien landwirtschaftlichen Fläche Platz für Gewerbe und Wohnen entstehen. „Wir beobachten das und werden sehen, ob das den Markt sättigt“, meinte Renkert in diesem Zusammenhang. Pläne für ein neues Baugebiet im Kernort Schliengen oder in einem der Ortsteile gebe es jedenfalls nicht, so Renkert.