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Baupfusch in Horb Überwachungsvideo zeigt: So kaputt ist das Neckarbad

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Massive Schäden an verschiedenen Stellen wurden im Horber Neckarbad von den Stuttgarter Architekten entdeckt - die Ergebnisse präsentierten sie jetzt dem Gemeinderat. Foto: Screenshot

Es ist ein dramatisches Video aus der Überwachungskamera des Neckarbades. Es ist kurz nach 16 Uhr. Fischaugen-Objektiv auf das Kinderschwimmbecken. Plötzlich sieht man, wie die Fliesen weggesprengt werden. Keine Explosion, sondern Baupfusch!

Horb - Der Stuttgarter Architekt Wolfram Völlger sagt: "Das Video ist ein echter Hingucker!" Im Gemeinderat klickt sein Kollege Daniel Feil auf das Video – doch es spielt nicht. Feil erläutert: "Man sieht, wie hier die gesamte Überlaufrinne bricht. Die Überlaufrinne stellt sich so dar, als ob sie weggesprengt wurde!" Ein Video, welches auch die beiden Facharchitekten, die sich seit mehr als 30 Jahren auf den Bau und die Sanierung von Bädern spezialisiert haben, nicht so oft zu sehen bekommen.

Fliesen brechen teilweise ein

Es zeigt, wie dramatisch der Baupfusch bei der letzten Sanierung im Jahr 2010 ist. Feil analysiert, was alles marode ist am einzigen Hallenbad der Stadt. Feil zeigt erst die Beckenköpfe mit den Überlaufrinnen, schwenkt dann auf den Boden. Er sagt: "Unter den Fliesen ist es hohl – vier bis fünf Zentimeter. Die Fliesen brechen teilweise ein, ohne dass man etwas macht."

Die Ursache, so der Experte: "Es gab sichtlich Spannungen aus dem Ursprungsbau, die nicht abgebaut waren bei der Estrichlegung und den Fliesenarbeiten. Diese Spannungen haben dazu geführt, dass sich die Materialien ablösen und aufgesprengt wurden. Normalerweise lässt man den Beton sechs Monate liegen, ehe man dort weiter arbeitet. Dann sind die Spannungen in der Regel abgebaut."

Zum Legen der Fliesen gezwungen

Wie dem Schwarzwälder Boten aus gewöhnlich zuverlässiger Quelle zugetragen wurde, soll sich der damalige Fliesenleger geweigert haben, zu verlegen. Doch die damalige Stadt-Architektin Stephanie Faiß-Langheinz und der Horber Architekt Bernhard Eberhardt – den das Rathaus jetzt verklagen will – sollen ihn dazu gezwungen haben.

Auch die Lüftungskanäle die sich unter den Gittern am rund geformten Fensterbereich befinden, sind marode. Facharchitekt Daniel Feil: "Der Schacht ist verrostet. Das sind Schäden, die man erst sieht, wenn man abgerissen hat."

Unabhängig vom arbeitenden Beton – auch die Fliesenlegung an sich war für das Kinderbecken nicht optimal. Feil: "Der Beton ist durch das Chlor, welches eindringen konnte, in seiner Struktur vorbelastet. Dort muss ein hochwertiges Abdichtungssystem eingebaut werden. Mit einem mehrschichtigen Aufbau mit einer Dichtfolie aus Buthyl."

Putz rieselt ins Wasser und landet im Filter

Auch die Bodengestaltung im Kinderbereich ist nicht optimal, so Feil: "An einigen Stellen bilden sich Pfützen. Das Reinigungswasser fließt in des Beckenwasser und verunreinigt das Badewasser."

Der weiße Deckenbehang rieselt ebenfalls. Der Bad-Experte: "Dort wurde ein Putz verwendet, der durch die Wärme, das Wasser und das Chlor gelöst wird. Er rieselt so nach und nach in das Wasser, verunreinigt es und landet im Filter!" Glück für die Badegäste: Obwohl die Wasseraufbereitung nach heutigem Stand eine zu geringe Filterfläche hat, haben die Prüfungen des Gesundheitsamtes die Wasserqualität während der Betriebszeit nie bemängelt.

Auch das Dach ist undicht. Feil: "In letzter Zeit gab es im Neckarbad sichtlich Probleme mit dem Wasser von oben. Wir haben jetzt festgestellt: Es gibt ein strukturelles Problem im Dachaufbau – an den Rändern. Dort wurde die Dampfsperre an der Attika nicht fachgerecht angeschlossen." Die Folge: Das Wasser kriecht durch die Ritzen und kondensiert. Feil: "Das Kondensat sammelt sich im Gesamtaufbau, gibt literweise Wasser ab. Dann rosten Teile der Unterkonstruktion und Kondensat fließt zurück ins Gebäude."

Unten am Fassadenfußpunkt dasselbe Problem. Feil: "Das liegt an einem nicht fachgerechten Anschluss. Dort schwimmt alles, die Feuchtigkeit kriecht in die Dämmung." Die gute Nachricht: Das Flachdach an sich ist völlig in Ordnung, so die Fachleute.

Ausschreibungen werden vorbereitet

Das sind alles Details, denen die Facharchitekten aus Stuttgart seit dem Sommer, als die Kernpunkte wirklich im Neckarbad freigelegt wurden, entdeckt haben. OB Peter Rosenberger: "Die Großbaustelle innen ist doch komplexer, als wir es uns am Anfang vorstellen konnten. Eine Frage will ich vorab beantworten: Sind wir bei den jetzt vor uns liegenden Sanierungsschritten noch im Bereich der finanziellen Mittel, die wir über die Klage gegen den verantwortlichen Architekten vorstellen können? Ja. Das sind wir derzeit noch."

Der Gemeinderat hatte für die Sanierung 1,1 Millionen Euro vorgeschossen. Klar, dass die Gemeinderäte jetzt wissen wollten, ob die neuen Architekten sicherstellen können, dass die neue Sanierung auf Dauer hält. Michael Keßler (CDU): "Wir haben schon die dritte Sanierung hinter uns." FD/FW-Fraktionschefin Margarethe Rebholz: "Wir sind gebrannte Kinder." Architekt Daniel Feil: "Wir gehen davon aus, dass wir die Sanierung so korrekt und fachgerecht hinbekommen, dass es dauerhaft ist."

Die ersten Ausschreibungen werden jetzt vorbereitet. OB Rosenberger: "Wir hoffen, dass von den Fachleuten Qualität ausgewählt wird. Dabei kommt es uns auf eine Woche früher oder später nicht an." Wolf Hoffmann (OGL): "Wir konnten die Überzeugung gewinnen, dass die Fachleute die Schäden im Griff haben. Da bleibt nur die Hoffnung, dass wir das auch bezahlen können."

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