Eine gelungene Aufnahme des Bächlen aus dem Jahr 1968 zeigt das Areal der Landespflanzschule. Foto: Hermann Weber

"Nagold – die Baumschulstadt" – ein altes der Redaktion zugesandtes Foto von der Landespflanzschule im Bächlen erinnert auch an diese Zeit.

Nagold - Von "recht kleinparzelligen Ackerflächen" und "großen Baumwiesen" berichteten wir in einem Beitrag über die Entwicklung des Wohngebiets im Bächlen. Die Auswertung einer Luftfotografie aus dem Jahr 1968 lag dieser Betrachtung zugrunde. Nun erreichte die Redaktion ein weiteres interessantes Foto aus dem Jahr 1968 von dem Areal – und dazu auch einige weiterführende Informationen.

Einzelne Saatquartiere

"Wieder ein sehr schöner Artikel", fand Hermann Weber aus Bad Liebenzell. Und der Beitrag unserer Serie "BW von oben" über die Entwicklung des Wohngebiets im Bächlen weckte in ihm Erinnerungen. "Ich war 1968 als Praktikant in der Staatsklenge und bei der Landespflanzschule beschäftigt. Die kleinparzellierten Flächen sind eine große Fläche der Landesforstverwaltung." Was den Anschein kleinparzelliger Ackerflächen erweckt, sind demnach einzelne "Saatquartiere". Die große Fläche sei in kleinere Flächen aufgeteilt worden – je nach Bedarf an Forstpflanzen und vorhandenem Saatgut. "Da wurden noch sehr aufwendige Saattechniken durchgeführt, um gutes Pflanzmaterial für den Wald zu erhalten, heute so in der Form nur noch für das Museum", berichtet unser Leser. Damals aber sei das "ein fast heiliger Akt" gewesen.

Wohnungen für die Beschäftigten

Besonders schön: Hermann Weber hat ein altes Bild aus dem Jahr 1968 mitgeschickt, das von der Burgruine Hohennagold aus aufgenommen wurde und die ganze Pflanzschulanlage im Nagolder Bächlen zeigt. Zusätzlich habe es auch noch außerhalb des Areals Nachzuchtflächen gegeben. Oben rechts auf dem Foto, das seien Wohnungen für die Beschäftigten. In der Nachkriegszeit sollen an der Staatsklenge – die legendären Zapfenpflücker einberechnet – rund 150 Mitarbeiter tätig gewesen sein. Auch das Haus der Familie Ißleib ist auf dem Foto zu sehen – zur Abrundung: ab 1954 war Gustav Ißleib Leiter der Staatsklenge Nagold.

Damit erinnert das Foto auch an vergangene Zeiten, in denen Nagold den Ruf einer "Baumschulstadt" genoss. Natürlich nicht nur wegen der Staatsklenge und der Landespflanzschule. Bereits 1832 hat sich in Nagold ein Verein zur Obstbaumzucht gegründet – übrigens unter Engagement von Nagolds berühmtesten Bürger, dem Apotheker Heinrich Zeller. 1863 gründete sich Nagolds erste eigenständige Gärtnerei und Baumschule, aus der die "Raafschen Baumschulen" hervorgingen, die bis 1970 bestanden haben.

Verschiedene Baumschulen in der Stadt

Weitere Baumschulen sind ebenfalls heute noch gut bekannt: Die Firma Renz wirkte zum Beispiel in Emmingen bereits ab 1823, und ab 1865 war die Firma Geigle in Nagold tätig. Wie in einem Beitrag rund um den 2012 eingeweihten Nagolder Obstbaumpfad zu erfahren ist, kam es 1911 zur Gründung der Baumschule Reule/Julius Bühler. Und ab 1947 gab es in Nagold dann die Staatsklenge mit ihrer Landespflanzschule.

Bis 1947 war die Klenge noch privat geführt worden, doch Umsatzeinbußen als Folge der Kriegswirren führten zu der Übernahme der Einrichtung durch das Land Württemberg. 1950 schließlich erstellte die Forstverwaltung im Wohngebiet Bächlen ein "Lehrgebäude für die angeschlossene rund 14 Hektar große Landespflanzschule", wie die Staatsklenge selbst in einem Beitrag zur eigenen Geschichte informiert. In dem Internatbetrieb mit 36 Betten wurden die jungen Forstanwärter in sechswöchigen Lehrgängen in der "Pflanzenanzucht und der Kompostbereitung" geschult.

Aufforstung der heimischen Wälder

Hauptaufgabe der Klenge und der Pflanzschule, die dieser Tage ihr 75-jähriges Bestehen feierten, war damals, den Landeswald mit hochwertigem Saatgut und Pflanzen zu versorgen – es galt schließlich nach den so genannten "Franzosenhieben" – also Reparationshieben nach dem Zweiten Weltkrieg, die heimischen Wälder wieder aufzuforsten.

Auch der heute noch existierende auffällige Obstbaum-Bestand zwischen dem Lemberg und dem Bächlen erinnert noch an jene Zeiten der "Baumschulstadt" Nagold. Diese Flächen waren Teil des "Sortenspendergartens" der Firma Julius Raaf & Söhne. Die Info zum Obstbaumpfad ist zwar schon zehn Jahre alt. Doch heißt es darin: "Hier (...) befinden sich 60 Apfel- und Birnenbäume mit 80- bis 100-jährigem Baumbestand." Darunter seien Bäume, die bis zu fünf Sorten tragen.

Info: "Franzosenhiebe"

Der Begriff "Franzosenhiebe" bezeichnete umgangssprachlich die Waldabholzung während der Besatzungszeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Französischen Besatzungszone, zu der auch Nagold gehörte. Zu den von Frankreich besetzten Gebieten zählten überwiegend strukturschwache, ländliche Gegenden. Daher wurden die französischen Reparationsforderungen auch durch Holz aus dem Schwarzwald beglichen.