Auf der Königstraße sind Platanen von der Baumkrankheit Massaria betroffen. Dort und in Bad Cannstatt wurden 36 Bäume mit geringem und elf mit mittlerem und starkem Befall festgestellt. Foto: Peter Petsch

Inzwischen ist die Platane aus dem Straßenbild vieler Städte nicht mehr wegzudenken. Mit Recht. Denn diese Bäume verbreiten südländisches Flair und spenden in der Sommerhitze Schatten. Doch jetzt fällt auf die Platane selbst ein Schatten. Eine Pilzinfektion geht um und lässt starke Äste absterben.

Stuttgart - Selbst für Fachleute ist die Baumkrankheit Massaria, die aus dem Mittelmeerraum kommt und im Jahr 2003 erstmals in Deutschland nachgewiesen wurde, schwer zu erkennen. Hervorgerufen wird sie vom parasitischen Schlauchpilz Splanchnonema platani, der selbst armdicke Äste innerhalb weniger Monate absterben lässt. Brechen solche Äste ab, kann es für Passanten und Autofahrer gefährlich werden. Im Rathaus ist man alarmiert.

 

Wissenschaftler wie die Diplom-Ingenieurin Antje Lichtenauer aus Zürich halten Massaria nicht für eine neue Baumkrankheit. Der parasitische Pilz habe aber früher nur kleine Äste befallen, was unter Sicherheitsaspekten unproblematisch war. Das neue Krankheitsbild steht möglicherweise in Zusammenhang mit heißen Sommern und dem damit verbundenen Wassermangel. Dieser Trockenstress mache die Bäume anfällig für den winzigen Pilz.

Bei gesunden Platanen blättert die Borke in dünnen Platten ab und gibt Stamm und Ästen ein fleckiges Aussehen mit Farbtönen von Ocker über Braun zu Grau. Dagegen zeigten bei einem Befall mit dem Schlauchpilz die abgestorbenen Bereiche eine leicht rosa bis rötlich gefärbte Rinde, die sich später schwarz verfärbt.

Weil die Pilzinfektion vor allem auf der Astoberseite beginnt, wird sie bei Baumkontrollen oft erst spät entdeckt. Nach dem Absterben der Astrinde entwickelt sich eine Holzfäule, die bis ins Mark vordringt. Diese so genannte Weißfäule schreitet sehr rasch voran, befallene Äste können innerhalb weniger Wochen vollständig absterben. Übertragen werden die parasitischen Pilze von Vögeln, Insekten, dem Wind und möglicherweise sogar durch Schnittmaßnahmen. Besonders betroffen sind Bäume mittleren Alters zwischen 40 und 70 Jahren und dichte Bestände.

Bisher keine Astbrüche registriert

Laut einer Mitteilung des Technischen Referats im Rathaus kann im Platanenbestand der Stadt von etwa 5000 Bäumen „bei circa 4000 Exemplaren vom Alter und Standort her ein Astbruchrisiko entstehen“.

Bisher ist die Rate des Befalls durch Massaria aber noch deutlich geringer. Bei einer Untersuchung 2012 wurden in Bad Cannstatt und in der Königstraße 36 Platanen mit geringem Befall und elf mit mittlerem und starkem Befall festgestellt. Bei einer Nachkontrolle Ende Mai 2013, bei der Hubwagen eingesetzt wurde, war „eine weitere Ausbreitung im Bestand erkennbar“, heißt es in dem Bericht. Astbrüche seien aber noch nicht registriert worden, „weshalb derzeit noch nicht von einer akuten Gefährdung ausgegangen wird“.

Für die fachgerechte Beseitigung von Ästen, die von Massaria befallen sind, werden 2014 und in den Folgejahren in Stuttgart jeweils 308 000 Euro veranschlagt. Genauer Daten zum Umfang der Baumerkrankung soll eine systematische Kontrolle potenzieller Risikoplatanen liefern, die 377 000 Euro kostet. „Sollte festgestellt werden, dass sich der Pilzbefall im ganzen Stadtgebiet ausgebreitet hat, sind weitere Mittel erforderlich“, stellt das Technikreferat fest.

Eine Prognose kann jetzt schon gewagt werden: Durch die große Hitze der vergangene drei Wochen ist das Massaria-Risiko für die Platanen in Stuttgart sicherlich nicht geringer geworden.