In der Vorstadt wird der Sanierungsbedarf der Straße sichtbar. Foto: Schneider

Die Kartographierung von 113 Kilometer Straße in Sulz soll die Priorisierung bei Sanierungsmaßnahmen leichter machen. Doch so einfach ist das nicht.

Wie gut sind die Sulzer Straßen in Schuss? Dank Eagle Eye, einer Firma für mobile Straßendatenerfassung und ihrem besonderen Fahrzeug, weiß die Verwaltung jetzt bestens Bescheid.

 

Die 2024 erfolgte Datenerfassung aus der Kernstadt und allen Teilorten ist im Ausschuss Technik und Umwelt den Stadträten von Alexander Beller, Werkhofbetriebsleiter sowie zuständig für Straßen- und Wegemanagement sowie Tiefbau, vorgestellt worden.

Es gibt acht Kategorien

„Das war im Prinzip so, wie wenn Google Maps durch die Straßen fährt“, veranschaulicht Beller das Verfahren. Ein Messfahrzeug mit zehn verschiedenen Kameras, die auf einer Metallkonstruktion auf dem Dach des Gefährts angebracht waren, fuhr 113,7 Kilometer Straße ab und machte alle fünf Meter ein Bild.

Die Aufnahmen der hochauflösenden digitalen Farbkameras machten es so möglich, den Straßenzustand in acht verschiedenen Kategorien einzuteilen. Die gedankliche Trennlinie verlaufe zwischen Kategorie fünf und sechs. „Bei einem Wert von sechs müssen wir uns Gedanken machen“, erklärt er. Das ist aktuell eine Fläche von 32 000 Quadratmeter.

Unebenheiten und Risse

Bei sieben sei der Warnwert aufgrund des schlechten Zustands bereits überschritten, in dem gesamten Sulzer Gebiet 115 0 Quadratmeter Straße. Doch nach welchen Kriterien wurden die so erfassten 617 030 Quadratmeter Straßenfläche beurteilt?

Die Liste ist lang: So sind Hauptmerkmale der Straßenbewertung allgemeine Unebenheiten, Spurrinnentiefe, aber auch Einzelrisse, Risshäufungen und Netzrisse. Ebenfalls erkannt werden sonstige Oberflächenschäden, Ausmagerungen, Abrieb und Splittverlust.

„Nirgends ganz schlecht“

Kommt es zu Abplatzungen, Ausbrüchen, Bindemittelanreicherungen, Flickstellen oder vergossenen Risse, wird das auch festgehalten. Schäden an Randeinfassungen, Längsrisse, Querrisse, Eckabbrüche und Kantenschäden sind weitere Anhaltspunkte.

„Wir habe keine Straßen der Kategorie acht, sind also nirgends ganz schlecht“, hebt Beller hervor. Anhand der so gewonnen Daten, die auch als Ergänzung zum digitalen Straßenkataster dienen, können Prioritätenlisten erstellt werden, um gezielte Straßensanierungsmaßnahmen genauer planen und budgetieren zu können.

Es gibt viele Variablen

Allerdings sei solch eine Priorisierung eine schwierige Abwägungssache mit zahlreichen Variablen, macht Beller deutlich. Neben dem Zustand des Straßenbelags sei es auch wichtig, ob im Untergrund – der von den Kameras ja nicht erfasst werde – Wasserleitungen erneuert oder Rohre zwecks Glasfaserausbau verlegt werden sollen.

Ein weiterer Faktor sei die Finanzierungsfrage, also ob bei einer Ortsdurchfahrt beispielsweise der Landkreis für die Kosten aufkommt oder ob diese von den Bürgern über deren Anliegerbeiträge mitbezahlt werden müssen.

Die Löwenbrücke ist top

Blickt man auf die Karte der Kernstadt, erscheinen die Straßen fast ausschließlich in blauen (Kategorie eins und zwei) sowie in grünen (Kategorie drei bis fünf) Farben. Einzig in der Vorstadt, wenn es von der Löwenbrücke stadtauswärts geht, ist eine gelbe Strecke (Kategorie sechs) vermerkt.

Die im Sommer 2024 sanierte Straßenoberfläche der Brücke ist noch blau hinterlegt, dann folgt das Stück der Vorstadt, das zu Gedanken anregen sollte.

Und wie sieht es in den einzelnen Ortsteilen aus? Beller versichert, er werde die jeweiligen Lagepläne an die Ortsvorsteher weiterleiten, damit die Daten bei künftigen Haushaltsmittelanmeldungen zur Rate gezogen werden können.