Die "Flair"-Kreuzung ist kein wirkliches Schmuckstück – und deren Umgestaltung bleibt weiter Thema für die Talheimer Bevölkerung. Foto: Morlok

Wie geht es mit der städtebaulichen Maßnahme rund um das "Flair-Areal" in Talheim weiter? Mit dieser Frage beschäftigen sich nicht nur die Bewohner von Horbs größtem Stadtteil, sondern auch die Verkehrsteilnehmer, die täglich an dieser Engstelle vorbeifahren. Doch seit nahezu einem Jahr ist diesbezüglich Sendepause.

Horb-Talheim - Im November 2018 hat die Stadtverwaltung Horb das Haus, in dem die ehemalige Disco "Flair" betrieben wurde, im Zuge einer kuriosen Versteigerung aufgekauft und im Ort hoffte man, dass schnell mit dem Abbruch, auch vom Nebengebäude, dem sogenannten "Walz-Haus" samt hinterer Scheune, begonnen werden kann.

In der Novembersitzung 2020 stellte das Büro Gansloser ein Konzept zur Neugestaltung und der möglichen Verkehrsführung in öffentlicher Ortschaftsratssitzung vor. Wenige Tage später fand ein Vor-Ort-Termin des Ortschaftsrats statt. Dabei bot sich dem Gremium die Möglichkeit, sich direkt am Objekt mit den vier Varianten, die vom Planungsbüro als machbar erachtet wurden, zu beschäftigen.

Stützmauer entpuppt sich als Haupthindernisgrund

Insbesondere galt es zu beachten, dass die Entscheidung über die Verkehrsführung Auswirkungen auf die spätere bauliche Nutzbarkeit der Fläche haben wird, da die Größe und die Lage der bebaubaren Wohnbauflächen direkt von der Verkehrsflächenvariante abhängen. Weiter galt es zu berücksichtigen, dass eine Stützmauer nach Abriss der Gebäude Haiterbacher Steige zwei und drei erforderlich ist. Und gerade diese Stützmauer entpuppte sich jetzt als der Haupthindernisgrund, warum bislang noch nichts passiert ist.

Peter Klein, Chef vom Stadtplanungsamt, stellte in der Novembersitzung 2020 klipp und klar fest, dass die Stadt Horb diese Mauer, deren Kosten damals nur geschätzt werden konnte, nicht bezahlt.

Stadtsprecherin Inge Weber schrieb auf unsere diesbezügliche Anfrage dazu am 12. Januar 2022: "Bautechnisch kann ein Abbruch der Gebäude erst erfolgen, wenn im gleichen Zug die Sicherung der Straße ›Haiterbacher Steige‹ durch eine neue Stützmauer erfolgt. Die bisherige Außenwand des ehemaligen ›Flair‹ sichert auch die Straße. Gleichzeitig sind im Planbereich auch Erneuerungen von Kanälen und Leitungen beabsichtigt, die planerisch berücksichtigt werden müssen."

Vorarbeit des Ortschaftsrates scheint Makulatur zu sein

Im Talheimer Ortschaftsrat ist man sich hier mit der Stadtverwaltung einig, dass erst der Untergrund, also die Kanalerneuerung, stimmen muss, bevor man die Fläche neu bebaut. Doch stellt sich auch hier die Frage, warum man mit dieser Planung nicht schon lange angefangen hat, zumal man in der Februarsitzung 2021, nach Auswertung aller Parameter, den Beschluss fasste, die "Talheimer-Runde" als die ideale Variante für dieses städtebaulich so wichtige Projekt zu beauftragen.

Dies steht im Widerspruch mit den weiteren Ausführungen von Inge Weber, die in ihrer Stellungnahme schrieb: "Daher sind unterschiedliche Varianten in Erarbeitung, ob und wie die Lage der Straße beziehungsweise die Verkehrsführung verändert werden kann, um einerseits eine städtebaulich attraktive Innenentwicklung zu ermöglichen und andererseits die Verkehrssicherheit, vor allem für Fußgänger, zu erhöhen. Je nach Variante unterscheiden sich Kosten und Zuschussmöglichkeiten erheblich. Wir gehen davon aus, dass entsprechende Beratungen zu den Varianten in den zuständigen Gremien im ersten Quartal 2022 erfolgen können."

Ist die Vorarbeit des Ortschaftsrats, mit Ortsbegehung und Einbeziehung der Bevölkerung in die Entscheidungsfindung, die per Beschluss an die Stadtverwaltung ging, Makulatur und fängt man wieder bei Null an?

Ein Jahr ist ohne sichtbares Ergebnis vergangen

Auch zum Thema Hang- und Straßensicherung (Stützmauer) wurde die Zwischenfrage laut, warum man es nicht wie beim Abriss des Leuco-Gebäudes macht? Bei diesem Abriss wurden alle Betonteile geschreddert und als provisorische Hangsicherung genutzt.

"Es ist nach wie vor Ziel, die Innenentwicklung im Bereich des ›Flair-Areals‹ innerhalb der Laufzeit des Sanierungsgebietes Talheim durch Gebäudeabbruch und Gestaltung der öffentlichen Freiflächen zu unterstützen", teilte die Stadtsprecherin zudem mit.

Da inzwischen ein Jahr ohne sichtbares Ergebnis vergangen ist, sorgt man sich in der Talheimer Bevölkerung natürlich auch darum, ob man die Maßnahme tatsächlich in einem Zeitrahmen schafft, der bis Ende März 2024, dem allerletzten Abrechnungszeitraum für das Sanierungsgebiet, die Fördergelder garantiert.

In Talheim ist man skeptisch, ob das alles noch so klappt wie vorgesehen. "Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht – jetzt ist die Stadtverwaltung und der Gemeinderat dran. Denn erst wenn die tatsächliche Straßenvariante festgelegt ist und die Zuschüsse klar sind, dann kann man Tacheles reden", so die Meinung eines Mitglieds des Talheimer Ortschaftsrates, der an dieser Stelle nicht genannt werden möchte.

Insgesamt darf man also festhalten, dass die Planung für die Sanierung dieses Areals in Angriff genommen wurde. Mehr aber nicht. Es bleibt also spannend, wie lange die beiden Bauruinen noch als Verkehrshindernis und optischer Schandfleck für Anwohner und Verkehrsteilnehmer herhalten müssen.