Die Baulandpreise in Emmingen sind kräftig gestiegen. Foto: Thomas Fritsch

Leicht hat sich der Nagolder Gemeinderat diese Entscheidung nicht gemacht: 275 Euro je Quadratmeter wird der Verkaufspreis für Grundstücke im Neubaugebiet Obere Kirchenäcker in Emmingen betragen.

Nagold - "Wir kommen von 180 Euro", so Ortsvorsteher Uwe Müller. Was sicher verdeutlichen sollte, wie immens der Preissprung für Bauwillige im nordöstlichsten Ortsteil von Nagold – also nah an Herrenberg und den "Rennstrecken" nach Sindelfingen, Böblingen und Stuttgart – sein wird. Allerdings waren auch noch deutlich höhere Grundstückspreise in der Diskussion, bis zu 290 Euro je Quadratmeter. Diesen hatte zum Beispiel ursprünglich der Technische Ausschuss (TA) des Gemeinderats als Quadratmeterpreis für die Oberen Kirchenäcker favorisiert.

Entsprechend gab es zur abschließenden Diskussion samt Entscheid im Gemeinderat nicht weniger als drei verschiedene Sitzungsvorlagen zu diesem Tagesordnungspunkt. Mit denen die verschiedenen Preisalternativen und ihre jeweiligen Auswirkungen – sprich: Kostendeckung, beziehungsweise eventuelle Überschüsse – minutiös von der Verwaltung vorgerechnet wurden. Der diskutierte Maximalpreis von zum Beispiel 290 Euro je Quadratmeter hätte einen Überschuss von über 160 000 Euro gebracht, in Bezug auf die insgesamt 11 285 Quadratmeter Nettobauland, über die das Emminger Neubaugebiet einmal verfügen soll.

Verluste drohten

Allerdings: Vom gesamten Bauland gehen nur exakt 9 389 Quadratmeter später in den freien Verkauf, der Rest in Höhe von 1896 Quadratmetern sind als Rückkaufflächen für die Altbesitzer der Grundstücke zu einem Preis von 162 Euro je Quadratmeter reserviert. Eines der Rechenbeispiele in den Sitzungsvorlagen: Bei einem theoretischen Verkaufspreis von wie zuletzt in Emmingen 180 Euro je Quadratmeter für die frei verkäuflichen Flächen, würde die Kommune einen Verlust in Bezug auf die Erschließungskosten des inklusive Verkehrsflächen insgesamt 16 707 Quadratmeter großen Baugebiets, die insgesamt mit knapp 2,6 Millionen Euro beziffert werden, von über 870 000 Euro einfahren.

Beim schließlich zuerst vom Emminger Ortschaftsrat favorisierten Grundstückpreis von 275 Euro je Quadratmeter ist immer noch ein kleiner, rechnerischer Überschuss von rund 21 000 Euro einkalkuliert. Man wolle der Kommune damit "keinen Zuschuss und keine Subventionen" zumuten, sondern "eine Kostendeckung" erreichen – was einer Bitte des gesamten Ortschaftsrates entspräche.

"Schwieriger Spagat"

Wie schwierig dazu die Abwägungen der Gemeinderäte – nach ihrem Empfehlungsbeschluss im TA aus der Oktober-Sitzung von 290 Euro je Quadratmeter – tatsächlich waren, verdeutlichten die Erläuterungen, die Wolfgang Schäfer als CDU-Fraktionssprecher dazu abgab: Seine Fraktion sei grundsätzlich eben für die "Erzielung von Überschüssen" aus Grundstücksverkäufen, weil man eigentlich eben nicht nur die reine Erschließung des Baugebiets, sondern auch "Infrastrukturfolgekosten" in die Gesamtkalkulation mit einbeziehen müsse. Das da erhebliche Aufwendungen von der Stadt geleistet werden müssten, hätte die Präsentation des städtischen Haushalts 2023 zuvor in der Gemeinderatssitzung gezeigt.

Daher sei es "ein sehr schwieriger Spagat", herauszufinden, "welcher Preis hier wirklich angemessen" sein könnte. Der TA habe sich eben für eine Empfehlung von 290 Euro je Quadratmeter ausgesprochen, was ein "maßvoller" Preis in der Gesamtbetrachtung sei. Aber man habe nach dem Votum des Emminger Ortschaftsrates "auch in der Fraktion" das Thema noch einmal diskutiert – und wolle nun doch der Empfehlung und der Bitte aus Emmingen folgen, und den Preis von 275 Euro ja Quadratmeter mittragen – gerade auch "mit Blick auf den Rückkaufswert für die Alteigentümer".

Kostendeckung wichtig

Dem folgten in ihren Statements schließlich auch Brigitte Loyal für die Grünen, Eberhard Haizmann für die Freien Wähler – der noch darauf hinwies, dass es für Nagold entscheidend sein müsse, dass mit dem realisierten Grundstückspreis wirklich "eine Kostendeckung erreicht" werde und der Preis "für die Stadt einheitlich" sei. Wie auch Günther Schöttle für die AfD, der sich jedoch "nicht ganz glücklich mit der Baupreisentwicklung" in Nagold zeigte. Die 275 Euro könne man mittragen, auch wenn er darum bat, die damit verbundene, erhebliche "Belastung der Steuerzahler nicht aus dem Blick zu verlieren".