Bauholz ist momentan ein begehrtes Gut. Das schlägt sich auch in den Preisen nieder. (Archivfoto) Foto: Rath

Während am Weltmarkt Höchstpreise für Holz gezahlt werden, ist bei den Waldbesitzern davon noch nicht viel angekommen. Und auch die Baubranche in der Region ist von den Preisen betroffen.

Kreis Freudenstadt - Aktuell kauften vor allem China und die USA den Weltmarkt leer. Gerade größere Sägewerke würden diesen Markt bedienen, bei dem sie 200 Euro, wenn nicht noch um einiges mehr, für den Festmeter bekämen, erläutert Michael Hamm von der Holzverkaufsstelle am Landratsamt die Situation. Der Hintergrund ist vielschichtig. Uneinigkeiten zwischen Kanada und den USA, die noch aus der Zeit von Trump stammen, und eine Käferplage in der kanadischen Provinz British Columbia. Daher weichen die USA nun auf andere Märkte aus.

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Einige größere Sägewerke hätten wegen der höheren Preise auf dem Weltmarkt sogar schon Verträge fallen lassen, weil dort der Preis besser sei, berichtet Hamm. Bei den Waldbesitzern sei davon aber noch nichts angekommen. Aktuell liefen aber Verhandlungsrunden über die Holzverkaufspreise. Das sei aber nicht so einfach, sagt Hamm.

Jetzt einschlagen oder lieber bis Herbst warten?

Denn auf der einen Seite wollten die Waldbesitzer nach den vergangenen Kalamitätenjahren auch von den hohen Preisen profitieren, auf der anderen Seite hätten gerade die kleineren und mittleren Sägewerke in der Region in den schlechten Jahren zu den Waldbesitzern gestanden und deren Käfer- und Sturmholz abgenommen. Den kleineren und mittleren Betrieben wolle man nun nicht das Wasser abgraben. Denn die gesunde Sägestruktur in der Region sollte erhalten bleiben, so Hamm.

Einige Waldbesitzer stehen vor der Frage: Jetzt einschlagen, oder noch bis zum Herbst warten, bis die Preise noch höher sind? Aber dabei könnte es auch passieren, dass Käferbefall oder Trockenheit den Preis wieder sinken lässt, so Hamm. Es sei eine Risikoabwägung.

Dass die Waldbesitzer bisher noch am wenigsten von den hohen Holzpreisen haben, bestätigt auch Ernst Schleh, Geschäftsführer der Zimmerei Schleh und zweiter stellvertretender Obermeister der Zimmererinnung Freudenstadt. Der Mangel an Holz führe dazu, dass trotz voller Auftragsbücher nicht immer gebaut werden könne. Er selbst habe Mitarbeiter von anderen Zimmereien ausgeliehen, weil diese Lieferengpässe hätten, berichtet Schleh. Von Kurzarbeit in den Zimmereien oder Bauunternehmen im Kreis wisse er aber nichts.

Pflege der Lieferanten zahlt sich aus

Im Dezember habe es erste Ankündigungen gegeben, dass es Veränderungen beim Holzpreis geben könnte, so Schleh. Deswegen hätten einige Zimmereien auch die Lager aufgefüllt. Aber so etwas wie derzeit habe er in 30 Jahren in dem Geschäft noch nicht erlebt. Dachlatten beispielsweise seien nun 100 Prozent teurer.

Bei großen Projekten könnten die Kosten um 10.000 Euro im Vergleich zur Planung steigen. Wer als Häuslebauer eng kalkuliert habe, könne in Schwierigkeiten kommen. Außerdem gebe es Verzögerungen bei der Lieferung. Wartete man früher zwei Wochen, dauere es nun zwischen vier und sechs. Dazu komme die Angst der Kunden, bei diesen Preisdimensionen über den Tisch gezogen zu werden. Eine Option könne da auch sein, bei der Konstruktion umzuplanen oder andere Werkstoffe zu benutzen.

In dieser Situation zahle es sich aus, wenn man seine Lieferanten und Sägewerke gepflegt habe. Denn diese kämen ihren Stammkunden entgegen. Gegenüber den Kunden ließe sich bei den Preisen auch noch etwas machen, die Lohnkosten machten etwa 50 bis 60 Prozent aus. Bei Holzhäusern, die momentan boomten, sehe das aber wieder anders aus.

Nachdem die Bauholzpreise seit Jahren fast gleich geblieben seien, müssten die "kleinen Sägen" nun auffangen, was die großen Werke ins Ausland verkauften, so Schleh. Doch deren Kapazitäten seien begrenzt. Eine Schuld sieht er bei der Politik, die die großen Sägewerke unterstützt habe. Dabei sei Holz nie das Problem gewesen. Es habe ja genug Wald in der Region, da reiche ein Blick aus dem Fenster.

Inzwischen, so Schleh, seien auch Preisaufschläge für andere Baustoffe wie Ziegel und Dämmung für Juli angekündigt worden.

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