Ein Antrag für eine zeitlich begrenzte Stelle am Bauhof sorgt im Gemeinderat Sulz für Unmut. Nach emotionalen Meinungsaustausch gibt es eine mehrheitsfähige Entscheidung.
Werkhofbetriebsleiter Alexander Beller findet klare Worte: „Uns fehlt laut dem Organisationsgutachten eine Stelle – und die fordern wir seit 1997.“
Doch da es die nicht gebe, müssten fünf Personen einen Stellenumfang von 6,5 Stellen bewältigen. „Wir bekommen jeden Tag drei bis vier Nachrichten über den digitalen Mängel-Melder“, beschreibt er den Alltag.
Stelle „kann wegfallen“
Darüber hinaus gelte es noch – neben Grünanlagenpflege im Sommer und Schneeräumen im Winter – Hundekot-Aufsteller zu installieren und Geschwindigkeitstafeln aufzustellen: „In aller Deutlichkeit – es braucht Personal!“
Grund für den regen Austausch im Gemeinderat ist ein Antrag der SPD/GAL-Fraktion, eine zusätzliche Stelle für den Bauhof zu bewilligen – aber nur unter der Voraussetzung eines „KW-Vermerks“. Das bedeutet: Ist die Aufgabe nach einer gewissen Zeit erledigt, kann die Stelle wieder wegfallen.
Ortsvorsteher machen Winterdienst
Auch der Mühlheimer Ortsvorsteher Guiseppe Mastragostino hat etwas zu sagen: „Bei uns ist der Fronmeister seit vier Wochen krank, die Mitarbeiter des Bauhofs sind voll und ganz beschäftigt.“ Und wenn nachts über Schnee fällt, gehe eben er morgens raus, um zu schippen.
Dem pflichtet Jürgen Huber (FWV), Mastragostinos Amtskollege aus Fischingen, bei. „An unserer Halle war ein großes Geschrei, weil ein Schüler wegen der Eisglätte ausgerutscht ist“, kommt er auf ein Ereignis aus jüngster Zeit zu sprechen. Der Hausmeister sei krank, Ersatz gebe es nicht. „Da hole ich dann das Salz und streue die Stelle“, erklärt er.
Es gibt einfach mehr zu tun
Axel Anger aus Glatt fasst es so zusammen: „Die Fronmeister sind bei uns die eierlegenden Wollmilch-Sauen.“ Und Barbara Klaussner (CDU) ergänzt: „Wir haben an den Grundschulen gar keine Hausmeister, das machen alles die Fronmeister.“
Bürgermeister Jens Keucher kommt auf die Hintergründe der Thematik zu sprechen. Die Stadt sei in den vergangenen Jahren schlichtweg gewachsen. „Wir haben deshalb 8,2 Stellen im sozialen Bereich einstellen müssen“, erläutert er.
Verwaltung spart Kosten
Doch das Wachstum beschränke sich eben nicht nur Kindergartengruppen, sondern auch auf neue Baugebiete, Grünflächen und Liegenschaften. „Im letzten Jahr sind zwischen 2,5 und 3,5 Stellen nicht besetzt worden“, umreißt er den Personalmangel.
Und hebt hervor: „Wir haben es seit 2022 durch interne Lösungen geschafft, 274 000 Euro an Personalausgaben einzusparen.“ Die Verwaltung schreie nicht sofort nach neuem Personal, sondern melde sich nur, wenn es um den laufenden Betrieb gehe.
Gut für Außenwirkung
„Ich sehe die Stelle beim Bauhof nicht als temporäres Problem“, erklärt Keucher. Und auch für krankheitsbedingte Ausfälle hat er vollstes Verständnis. „Bei der harten Arbeit im Freien kann es eben zu Krankheiten kommen, die man bei einer Schreibtischtätigkeit nicht hat“, stellt er klar.
Darüber hinaus sorge der städtische Bauhof für ein sauberes Stadtbild – „dass wir als Sulz gut dastehen“, bringt er die Außenwirkung auf den Punkt.
„Gute Investition“
Dürrenmettstettens Ortsvorsteher Siegfried Dölker (CDU) bringt schließlich den weitergehenden Antrag ein, die Stelle ohne besagten KW-Vermerk zu beschließen. Dieser wird bei sechs Nein-Stimmen und einer Enthaltung mit großer Mehrheit angenommen.
„Das ist eine gut investierte Arbeitskraft“, ist sich der Bürgermeister sicher.