Bei der Vertreterversammlung der Baugenossenschaft Familienheim sprach Geschäftsführer Sebastian Merkle von schweren Zeiten für die Wohnungswirtschaft. Foto: Heinig

„Wir wissen gerade nicht, wie uns geschieht“. Der Geschäftsführer der Baugenossenschaft Familienheim führte den Vertretern im Münsterzentrum in Villingen die aktuelle Lage vor Augen.

Dabei ging Sebastian Merkle noch einen Schritt weiter: „Wir kommen uns vor wie die Sündenböcke der Nation“. Die Wohnungswirtschaft solle „Wohnungen bauen, den Klimawandel wuppen und muss dabei auch noch Geld verdienen“.

Hinzu kommen weitere bürokratische Auflagen. Fakt sei, dass die Familienheim derzeit – abgesehen von einem gerade begonnenen Wohnprojekt in Tübingen – nichts neu baue.

„Wir würden alles dafür tun, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen“, sagte auch der an diesem Abend wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Walter Klumpp und beklagte die „nicht einfache Lage“ mit hoher Inflation, steigenden Preisen, Lieferengpässen, Fachkräftemangel, Klimakrise und Regulierungsdschungel. Momentan befasse man sich intensiv mit neuen Heiz-, Gebäude- und Sanierungskonzepten, um auch in Zukunft „hochwertiges Wohnen zu bezahlbaren Mieten“ zu ermöglichen. In rund 300 Häusern stehen millionenschwere Sanierungen an.

Erhöhung im Jubiläumsjahr

Beide, Merkle und Klumpp, warben vor diesem Hintergrund um Verständnis für die deutliche Mieterhöhung für die 2660 Wohn- und Gewerbeeinheiten zum 1. Januar 2024. Mit der „unabdingbaren“ Verteuerung nach drei preisstabilen Jahren von durchschnittlich 14,6 Prozent liege man immerhin deutlich unter dem Anstieg der Verbraucherpreise (17,5) und der Baukosten (36,3). Weh tue, so Merkle, dass die Mieterhöhung in ein Jubiläumsjahr falle. 2024 wird die Familienheim 75 Jahre alt.

Die Zahlen

Vorstandsmitglied Martin Renner präsentierte die Zahlen. 2022 endete mit einem Jahresüberschuss von 1,27 Millionen Euro, die Eigenkapitalquote lag bei 40,5 Prozent und demnächst erhalten die Mitglieder vom Bilanzgewinn (249 345 Euro) eine vierprozentige Dividende in Höhe von zusammen knapp 223 000 Euro.

Hauptbüro wird modernisiert

Die Vertreter stimmten dem positiven Ergebnis der gesetzlichen Prüfung zu und entlasteten Vorstand und Aufsichtsrat mit einer Enthaltung. Die Genossenschaft in eine gute Zukunft führen, Probleme anpacken, der gesetzlich geforderten Bürokratie nachkommen und Ansprechpartner für soziale Fragen bleiben – „dafür braucht es Personal“. Darum wird das Hauptbüro der Familienheim in der Pontarlierstraße 2024 vergrößert und modernisiert, das Interimsbüro befindet sich im Haus der Firma Reinhardt in der Güterbahnhofstraße. 13 neue Mitarbeiter wurden bereits gewonnen.

Großes Lob zollte Bürgermeister Detlev Bührer den „Heimatmachern“ und versprach auch weiterhin Unterstützung.