Der Eingriff in die Natur stößt auf Ablehnung. Foto: Schwind

Zweifel an den Plänen für die Entwässerung, Skepsis bezüglich der ökologischen Aspekte und vermeintliche Versprechen des Bürgermeisters – im Bergfelder Ortschaftsrat hatte es zum Bebauungsplan "Auchtwiesen" zuletzt wilde Diskussionen gegeben (wir berichteten). Dazu nahm Bürgermeister Gerd Hieber nun im Gemeinderat Stellung.

Sulz - Nachdem in jüngster Vergangenheit immer wieder die Rede von nicht eingehaltenen Versprechen seinerseits gewesen sei, müsse er nun für Aufklärung sorgen, meinte Hieber. Ortschaftsrat Ernst Schmid hatte beispielsweise bemängelt, dass Hieber 2017 versprochen habe, Maßnahmen zum Hochwasserproblem in Bergfelden in die Wege zu leiten, bisher aber nichts passiert sei.

Dem sei nicht so, wie Hieber nun sagte. Hochwasser sei nie eine ortsbezogene Sache, sondern immer abschnittsweise zu sehen, erklärte er. Richtig sei, dass man zugesagt habe, den Hochwasserschutz in allen drei Tälern gleichwertig zu behandeln. Nach einer Flussgebietsuntersuchung am Mühlbach habe man den Bau eines Rückhaltebeckens bei Bergfelden geplant.

Aufgrund offener Finanzierungsfragen, die immer noch nicht alle geklärt seien, sei der Prozess dann ins Stocken geraten, so Hieber. Ein weiterer Grund sei die kritische personelle Situation beim Land und bei der Stadt Sulz.

Zudem hätten die Untersuchungsergebnisse durch das Büro "Wald + Corbe" in Bezug auf die Lage des Rückhaltebeckens nur wenig Zuspruch bei den Bergfeldern gefunden, weil diese sich an der geplanten Stelle Wohnbauentwicklung vorstellen.

Alles dauert zu lange

Generell dauere alles bis zur Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen viel zu lange, kritisierte Hieber. Das Land müsse die Genehmigungsprozesse beschleunigen. Am Ende sei aber auch eine gewisse Bereitschaft bei den Bergfelder Grundstückseigentümern nötig, um ein Rückhaltebecken realisieren zu können. Hieber betonte, dass insgesamt kein Stadtteil bevorzugt oder benachteiligt werde.

Anschließend stellten die Vertreter des Ingenieurbüros Gfrörer die Änderungen seit der Offenlage des Bebauungsplans Auchtwiesen vor. So wurde die Anzahl der Stellplätze reduziert, zwei E-Ladesäulen und eine Trafostation ergänzt, eine Retentionsfläche verschoben und ein Entwässerungsgraben ergänzt.

Zudem gibt es nun verbindliche Festsetzungen zur extensiven Dachbegrünung, zur Niederschlagswasserrückhaltung auf dem eigenen Grundstück in Form von Retentionsanlagen und eine Pflicht zur Installation von Photovoltaikanlagen – im Vorgriff auf die gesetzliche Pflicht ab 2022.

Im Bergfelder Ortschaftsrat hatten vor allem das geplante Fällen von Bäumen, um den vorgeschriebenen Abstand von 30 Metern vom Baugebiet zum Wald einhalten zu können, und die Entwässerung für Diskussionen gesorgt.

Um bei Starkregen Überschwemmungen zu vermeiden – das Baugebiet hat Hanglage – sollen Abfanggräben angelegt werden. Jana Walter vom Planungsbüro Gfrörer erklärte nun, dass mitnichten der ganze Wald gerodet werde, sondern lediglich einzelne Bäume "herausgenommen" würden. Zudem richte man Totholzbereiche ein, die einen Lebensraum für die Zauneidechse beispielsweise bilden. Es habe auch einen Vor-Ort-Termin mit dem Förster gegeben, so Walter.

"Wir zerstören Natur"

Und nun könne man einfach Bäume fällen, wenn der Abstand zum Wald nicht reiche und den Waldrand verlegen, wollte Gabriele Brucker (GAL) wissen. Stadtbauamtsleiter Reiner Wössner meinte, dass man es oberhalb der Stuttgarter Straße für die geplante Seniorenresidenz genauso gemacht habe.

Brucker fragte, ob die "Verlegung" Auswirkungen auf den Abfluss von Starkregen haben werde. Diese Sorge nahm ihr Wössner. Heidi Kuhring (GAL) kritisierte dennoch die gravierenden Eingriffe in die Natur und führte die Sturmgefahr an, der der hinter den zu fällenden Bäumen liegende Wald nun ausgesetzt werde. Natürlich könne man jeden Eingriff ausgleichen, bis der Ursprungszustand wieder hergestellt sei, dauere es jedoch Jahre. Nun müsse der Gemeinderat abwägen, ob es ihm das wert sei. "Wir werden später einen besseren Wald haben als aktuell", meinte Wössner dazu.

Kuhring erwähnte zudem die vom Ortschaftsrat Bergfelden befürchtete Überlastung des Kanalsystems. Reiner Wössner sagte, dass es auf keinen Fall zu einer Überlastung kommen werde, da lediglich ein wenig Schmutzwasser in den bestehenden Kanal einleite.

Bergfeldens Ortsvorsteher Martin Sackmann erklärte, dass der Ortschaftsrat nicht überwiegend gegen das Baugebiet sei. Die Planung sei durchdacht, und es werde zu einer Aufwertung und einer Verbesserung der Landschaft kommen.

Das Wort "Aufwertung" stieß André Amon (SPD) sauer auf. "Fakt ist: Wir zerstören die Natur", stellte er klar. Man könne natürlich auch überall Neubaugebiete einrichten und die Natur damit immer besser machen, meinte er sarkastisch. Wössner argumentierte mit dem InPark dagegen.

14 Stadträte sprachen sich für den Bebauungsplanentwurf und die erneute Auslegung aus. Sechs Gegenstimmen gab es von Amon und Traude Mangold (SPD) sowie den Vertretern der GAL.