Experten und Firmen sagen, dass die neuen gesetzlichen Maßnahmen zur Beschleunigung im Wohnungsbau bislang nur wenig spürbare Veränderungen bringen.
Eine Fachmesse wie die Haus-Bau-Energie neigt dazu, sich bei der Vielfalt des Angebots in Details zu verlieren. Deshalb durchstreift die Redaktion die Veranstaltung mit einer klaren Fragestellung: Greift es denn schon, das Gesetz zur Beschleunigung des Wohnungsbaus und der Wohnraumsicherung – besser bekannt als „Bau-Turbo“?
Politikern verbinden das Gesetz bei jeder passenden Gelegenheit mit dem Ziel Bürokratieabbau. Schnell stellt sich jedoch heraus, dass der Bau-Turbo noch ein zartes Pflänzchen ist. Und der viel gerühmte Bürokratieabbau? Na ja!
Steffen Hinse von der Donaueschinger beziehungsweise Mundelfinger Firma Retec Merz lobt, dass es seit Kurzem möglich ist, mit wenig Aufwand Photovoltaikanlagen (PV-Anlagen) elektronisch anzumelden. Die Anerkennung elektronischer Unterschriften ermöglicht, was zuvor das Ausfüllen von acht Formularen erforderte.
In Bezug auf den Bau-Turbo äußert er sich verhalten, wenngleich er aufgrund des Abbaus bürokratischer Hemmnisse einen Mehrbedarf an PV-Anlagen auf Mehrfamilienhäusern feststellt. Unterstützt wird er in seinen Erkenntnissen durch das Nicken seiner Kollegen.
Leon Fluck von der gleichnamigen Holzhausbau-GmbH in Blumberg-Riedböhringen erwartet zeitverzögert positive Auswirkungen aufgrund des Bau-Turbos. „Wir hoffen, dass die Nachfrage in den nächsten Monaten anzieht.“
Bei der Frage nach dem Bürokratieabbau verkneift er sich ein Lachen. „Was nutzt es, wenn ich Formulare elektronisch einreichen kann und vom Amt die Aufforderung erhalte, sie in Papierform nachzureichen?“
Turbulenzen und Unsicherheiten dominieren noch das Geschehen. Marjan Kokolanski von den Energieexperten in Villingen hofft auf eine Beruhigung im zweiten Halbjahr. „Man darf gespannt sein, was in Richtung Förderung, Heizungsgesetz und Wärmepumpen passiert.“ Und er hofft, dass die Deutschen den Wohnungsbau in Zukunft ein wenig gelassener und vorsichtig optimistisch angehen.
Konzept muss stimmen
„Das Gesamtkonzept muss stimmen. Wohnraum, Miete, Finanzierung, Zinsen und Ähnliches geben den Ausschlag zum Kauf von Wohneigentum“, ergänzt Niklas Werbig von der Finanzkanzlei am See.
Bei Axel Schmall, Insektenschutz, Türen- und Fensterbau aus Hausen vor Wald, ist der Bau-Turbo noch nicht angekommen. „Wann soll dieses Gesetz kommen und seit wann existiert es?“, erkundigt er sich mit einem Lächeln. Bezüglich des Bürokratieabbaus macht er sich Gedanken. Wirklich fündig ist er noch nicht geworden.
Alfred Schmidt von der gleichnamigen Fassadeninstandsetzung und -reinigung aus Brigachtal sieht es ähnlich. „Von den in der Politik kolportierten 400 000 Wohnungen pro Jahr merke ich überhaupt nichts“, lacht er. „Meine 50 Jahre Erfahrung mit dem Bürokratieabbau sagen mir, dass mit jedem Vorhaben, ein Gesetz abzubauen, mehrere neue hinzugekommen sind.“
Marc Neininger und Elizabeth Osipyan von der Schreinerei Huber aus Geisingen-Gutmadingen sehen derweil dem Bürokratieabbau gelassen entgegen. „Der überwiegende Teil unserer Geschäfte, Verträge und Abmachungen läuft über Social Media ab“, erläutert Neininger. „Sobald es konkret wird, kommen die Kunden vor Ort, um in unseren neuen Ausstellungsräumen die Einzelheiten zu besprechen. Vom Bau-Turbo als solchem spüren wir ohnehin nur sehr wenig.“
Noch zwei Öffnungstage
Die Fachmesse Haus-Bau-Energie
in den Donauhallen Donaueschingen ist am Samstag, 17. Januar, von 10 bis 17 Uhr und am Sonntag, 18. Januar, von 11 bis 17 Uhr, geöffnet. Der Eintritt zur Messe kostet sechs Euro, ermäßigt vier Euro, Kinder bis 15 Jahre haben freien Eintritt. Die Vorträge und Expertenrunde der Fachmesse sind im Eintrittspreis inbegriffen.