Die Referentinnen Juliane Vees und Stefanie Sabet mit Jungbauer David Gutjahr, Jungbäuerin Miriam Knapp und Gerhard Fassnacht (von links) beim Kreisbauerntag Foto: Schwarz

Das internationale Jahr der Frauen in der Landwirtschaft und deren Wandel waren Themen zweier Vorträge beim Bauerntag.

Die Kreisvorsitzende der Landfrauen, Juliane Vees, kritisierte in ihrem Vortrag zum „internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026“ die benachteiligte Rolle der Bäuerin in vielen Betrieben.

 

Diese zeige sich unter anderem daran, dass gut ausgebildete Bäuerinnen nach wie vor nur selten als Betriebsleiterinnen oder Mitunternehmerinnen eingetragen seien. Auch die Rechtsform der GbR mit dem eigenen Ehegatten werde in der Praxis nur selten auf Augenhöhe realisiert, weil Besitz auf den Mann eingetragen und Gewinne hauptsächlich bei ihm verbucht würden.

Dringend warnte Vees die Frauen wegen der Rentennachteile auch vor dem Minijob. Was Landwirtinnen bräuchten, seien gezielte Förderung und faire Rahmenbedingungen. Wollten Frauen nach der Familienphase richtig durchstarten, seien sie etwa für Junglandwirteprämien oft schon zu alt. Auch einen angepassten Mutterschutz für selbstständige Landwirtinnen gebe es nach wie vor nicht. Lobend erwähnte Vees Programme zur Stärkung der Frauen, die man weiterentwickeln müsse. Abschließend äußerte sie aber auch Kritik an der oft fehlenden sozialen Absicherung ihrer Berufskolleginnen aufgrund der Befreiung von der Bäuerinnen-Rente in der Alterskasse. Nicht wenige hätten deshalb mit Altersarmut zu kämpfen und gingen im Falle einer Scheidung mit leeren Händen vom Hof.

Chancen und Herausforderungen

Dem Wandel in der Landwirtschaft und den Chancen und Herausforderungen, die dieser mit sich bringt, widmete sich Generalsekretärin Stefanie Sabet vom Deutschen Bauernverband. Man müsse die Politik immer wieder daran erinnern, dass in diesem Land kein Wachstum, keine Reform und auch keine Sicherheit ohne Landwirtschaft möglich sei, sagte sie unter Applaus. Zu langsamen Bürokratieabbau und unfaire Handelsabkommen akzeptiere man nicht. Beim Mercosur-Abkommen habe der Verband deshalb auch vieles nachverhandelt. Ohne Handel gehe es aber nicht. Politik müsse der Landwirtschaft wieder mehr vertrauen, forderte sie.

Auch Sabet kritisierte die Macht der großen Handelsunternehmen auf dem Markt. Die entschieden nicht nur über Preise, sondern auch über Bedingungen und Erträge der Zulieferer. Wirksame Beschwerdemechanismen dagegen gebe es noch immer nicht. Junge Landwirte bräuchten Perspektiven im Hinblick auf den Generationenwechsel.

Ganz praktisch wurde das Thema anschließend von den beiden Jungbauern Miriam Knapp aus Obersulm und David Gutjahr aus Diefenbach aufgegriffen. Beide berichteten im Gespräch mit Sabet über ihre berufliche und familiäre Entwicklung, die Herausforderungen auf dem Weg in die Nachfolge und Selbstständigkeit und die aktuelle Situation.