Am Tisch der Grußwortredner: Für Andreas Junt (Dritter von links) war es der erste Bauerntag als Landrat. Foto: Monika Schwarz

Der fachliche Austausch, der Wandel in der Landwirtschaft und aktuelle Themen standen im Mittelpunkt des Bauerntags des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz in Spielberg.

Landwirte aus dem gesamtem Verbandsgebiet, Vertreter der Kommunen und der Politik – in Anbetracht der bevorstehenden Landtagswahl war deren Zahl noch etwas höher als sonst – kamen in die Brömbachhalle.

 

Der Tag begann mit einem musikalisch umrahmten Weißwurstfrühstück, Betriebe mit besonderen Anstrengungen im Bereich der gläsernen Produktion wurden gewürdigt. Zentrales Thema des Bauerntags war jedoch der „Wandel der Landwirtschaft“ und die damit einhergehende Notwendigkeit, sich Themen wie der zunehmenden Digitalisierung, aber auch dem nicht einfachen Generationenwechsel rechtzeitig zu widmen, um die Zukunft des eigenen Betriebs auch dauerhaft zu sichern.

Zunächst sprach der Vorstandsvorsitzende Gerhard Fassnacht aber über ein aktuelles Thema, nämlich die am Vortag getroffene Entscheidung des Verwaltungsgerichts Stuttgart, den Abschuss des Hornisgrinde-Wolfs bis zu einer Entscheidung im gerichtlichen Eilverfahren nun doch zu untersagen. Den Antrag hatte eine Umweltorganisation gestellt.

Gerhard Fassnacht: Wolf hat in einer besiedelten Region nichts zu suchen

„Da kann man nur noch mit den Achseln zucken, für mich ist das völlig unverständlich und realitätsfremd“, sagte Fassnacht. Der Wolf habe in einer besiedelten Region schlichtweg nichts zu suchen.

Der Bauernverband hatte das Thema Wolf auch auf der Gartenschau „Tal X“ aufgegriffen, an die Fassnacht mit einigen Bildern erinnerte. Sein Dank galt Ralf Beilharz aus Baiersbronn, der diesen Auftritt auf der Gartenschau maßgeblich begleitet hatte.

„So noch nie dagewesen“

In seiner Rede bezeichnete Fassnacht die Umstände für die Landwirte aktuell als „dramatisch“ und „so noch nie dagewesen“. Überall sei von Preis-und Lohnerhöhungen die Rede, während Landwirte immer mehr Verluste verzeichneten. „Ich fordere keine Direktzahlungen von der Politik, aber wir brauchen endlich einen Rahmen, der es uns ermöglicht, die Preise für unsere Produkte selbst zu gestalten“, so Fassnacht. Die aktuelle Preispolitik sei in Anbetracht der Kosten „beschämend“.

Beispielhaft erwähnte Fassnacht den gesenkten Butterpreis, mit dem man anschließend bewusst auch die Milchwerke unter Druck gesetzt habe, die Milch billig abzugeben. „Wie lange lässt man diese Brutalität des Lebensmitteleinzelhandels uns gegenüber eigentlich noch zu?“, fasste Fassnacht die Kritik zusammen. Auch das geringe Angebot an regionalen Produkten im Supermarktregal sei in Anbetracht der großen Zahl sonstiger Produkte, die nur die Hälfte kosteten, im Grunde ein Witz.

Fassnacht fordert Bürokratieabbau

Mit deutlichen Worten forderte Fassnacht weiteren Bürokratieabbau. Als Negativbeispiel erwähnte er die „absurde“ Verschärfung der Pflanzenschutzmitteldokumentation. Man brauche nicht immer noch mehr Überwachung, sondern Unterstützung.

Auch die Vorschriften im Biogasbereich seien „ ein Wahnsinn“ und forderten Investitionen, die sich die allermeisten gar nicht leisten könnten. Fernab jeglicher Realität seien auch die Vorgaben der Politik beim Tierschutz. Landratsämter forderte er dazu auf, Betriebe zu unterstützen, anstatt immer gleich zu strafen. Arten-, Natur- und Tierschutz dürfe nicht dazu führen, dass alles andere konterkariert werde. Solaranlagen bezeichnete Fassnacht als „volkswirtschaftlichen Irrsinn“.

Positiv bewertete Fassnacht hingegen Überlegungen der Politik, den Zugang von Jugendlichen und Kindern zu den sozialen Medien einzuschränken. Auch vor dem Hintergrund der Unwahrheiten, die dort gestreut würden.

Grußworte beim Bauerntag des Bauernverbands Nordschwarzwald-Gäu-Enz in Spielberg

Oliver Valha
 Altensteigs Bürgermeister Oliver Valha stellte klar, dass der Bauernverband auch bei künftigen Veranstaltungen in Spielberg jederzeit willkommen sei. Gerade in Zeiten des Strukturwandels sei der Dialog beim Bauerntag wichtiger denn je. Er wünschte den Mut, die Zukunft der Landwirtschaft auch weiterhin aktiv mitzugestalten.

Andreas Junt
Der Freudenstädter Landrat forderte dazu auf, sich von der depressiven Stimmung im Lande nicht anstecken zu lassen, die Ärmel hochzukrempeln und die Situation mutig anzugehen. Landwirte verkörperten eine solche Haltung bereits sehr gut. Menschlich schätzten er und Fassnacht einander, auch wenn man inhaltlich nicht immer einer Meinung sei. „Aber Sie sind ein absoluter Verfechter für die Landwirtschaft.“  

Isabel Kling
Die Ministerialdirektorin vom Ministerium für Ländlichen Raum kritisierte das „Hineinreden“ bei der Landwirtschaft, auch ohne das jeweils erforderliche Hintergrundwissen. Die Verwaltung habe Dienstleister für die Landwirtschaft zu sein und diese zu ermöglichen, nicht zu verhindern. Nötig seien Rahmenbedingungen, „in denen Sie einfach Bauer sein können“. Positiv erwähnte sie den nach langem Kampf möglichen Bau eines tierwohlgerechten Schlachthofs in Gärtringen und die Kampagne „Das ganze Land zu Tisch“, mit der regionale Lieferketten, Bildungsangebote, aber auch das Miteinander gestärkt würden. Wenn jemand mit hoch erhobenem Haupt durch das Land schreiten könne und es nicht nötig habe, sich von Miesepetern reinreden zu lassen, seien es die Landwirte, so Kling.  

Ulrich Kraft
Der Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe nannte „niedrige Preise, Klimawandel, Anspruchsdenken, Mindestlohn und sinkende Selbstversorgungsgrade“ als Herausforderungen, denen man in erster Linie mit einer fundierten Aus-und Weiterbildung begegnen müsse.