Der Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz tagt in Neulingen-Göbrichen. Die Redner – auch aus der Politik – sind sich dabei einig: Ohne Bauern geht’s nicht.
Zum zweiten Mal nach der Fusion von vier Landkreisen zum Bauernverband Nordschwarzwald-Gäu-Enz tagte dieser: Der Bauerntag 2024 fand in der Büchighalle im Neulinger Ortsteil Göbrichen statt.
Nach dem Auftakt mit Weißwurstfrühstück und Musik eröffnete Vorstandsvorsitzender Gerhard Fassnacht den offiziellen Teil, zu dem neben den zahlreichen Bauern Ehrengäste aus Politik und Verwaltung in den nördlichsten Teil des Enzkreises angereist waren. Darunter Rainer Wieland, der Vizepräsident des Europäischen Parlaments.
Ansprachen Der Neulinger Bürgermeister Michael Schmidt ging in seinem Grußwort auf das große Engagement der Bauern ein, die sich mit ihren Aktionen Gehör verschafften, entschlossen für ihre Anliegen eintreten und Verlässlichkeit seitens der Politik ebenso brauchen wie Zeit für ihre eigenen Aufgaben statt zu viel Bürokratie.
Sabine Kurtz (CDU), Staatssekretärin im baden-württembergischen Landwirtschaftsministerium, ging auf die Demonstrationen der Bauern, aber auch auf deren wichtige Aufgaben ein. Sie zollte der Entschlossenheit Respekt, mit der sich die Bauern Gehör verschafft haben wegen der Steuervergünstigungen für Agrardiesel, die ab 2026 entfallen sollen. Es sei noch bis 22. März Zeit für Kompromisse, da seitens der Ampel ein Gesprächsangebot vorgelegt wurde, sagte sie. Auch über die Nutzung der vorgeschriebenen vierprozentigen Brache müsse die Bundesregierung grünes Licht geben, so Kurtz.
Landrat Rosenau: Zeit für Veränderungen
Dem Landrat des Enzkreises Bastian Rosenau zeigen die Bauernproteste eindeutig, dass es Zeit sei für Veränderungen, nicht nur bei den Erzeugerpreisen, auch bezüglich der überbordenden und unverhältnismäßigen Bürokratie. Er ist sich sicher, dass durch Zusammenhalt und Gemeinschaft vieles erreicht werden könne, denn „ohne Bauern geht’s nicht“, sagte der Landrat.
Sicht des Verbands Gerhard Fassnacht berichtete über 25 626 Betriebe in Baden-Württemberg, die die Junglandwirteprämie – eine Förderung für junge Bauern – beantragt hatten. Eine für ihn überraschende Zahl von jungen Landwirten, die mutig in die Landwirtschaft einsteigen trotz Schwierigkeiten, Auflagen und Forderungen.
In der Rücknahme der Steuererstattungen bei Agrardiesel sieht er eine riesige Wettbewerbsverzerrung, die deutsche Bauern unter Druck setze. Urbane Mehrheiten haben die Politik in der Hand und der ländliche Raum zählt nicht, meint Fassnacht, der für gleiche Standards wie in anderen Ländern plädierte. Er sprach über die vierprozentigen Flächenstilllegungen, die unlösbaren Aufgaben der Erosionsschutz-Verordnung, über FFH-Gebiete (Flora, Fauna, Habitat) und über das Biotopverbund-Gutachten.
Ehrung langjähriger Ortsvorsteher
Fassnacht erntete Applaus für seine Idee, durch Pforzheim eine Hecke zu pflanzen, um den Biotopverbund zu gewährleisten. Er plädierte für den Wegfall von Ausgleichsflächen bei der Aufstellung von Windrädern und machte deutlich, dass ohne Tierhaltung negative Folgen zu erwarten seien, da dann die Kreislaufwirtschaft fehle. Im Rahmen des Bauerntages wurden darüber hinaus langjährige Ortsvorsteher des Verbands geehrt und frischgebackene Absolventen ausgezeichnet.
Podiumsdiskussion und mehr An den Vortrag von Professor für Tierernährung Wilhelm Windisch von der TU München schloss sich eine von Isabel Kling moderierte Podiumsdiskussion an.
Zu Themen wie Kreislaufwirtschaft, Gerechtigkeit für Landwirte bezüglich fairer Preise für landwirtschaftlich erzeugte Produkte, Verlässlichkeit und Stabilität durch Politik, Flächenstilllegungen und Bürokratieabbau wurde diskutiert. Diskussionsteilnehmer waren Staatssekretärin Sabine Kurtz, Horst Wenk, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes, der geschäftsführende Vorstand des Kreisbauernverbandes Hans-Georg Schwarz und David Gutjahr aus dem erweiterten Vorstand. Zahlreiche Aussteller aus dem Bereich Landwirtschaft boten an ihren Ständen in der Halle Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Der Bauerntag wurde musikalisch umrahmt von Jörg Langer am Akkordeon. Zum Ausklang sprach der stellvertretende Vorsitzende des Bauernverbandes Nordschwarzwald-Gäu-Enz, Daniel Dengler, das Schlusswort.