Strohballen brannten am Aschermittwoch vor der Biberacher Stadthalle. Foto: /Andy Reiner

Immer noch läuft die juristische Aufarbeitung der Ausschreitungen beim politischen Aschermittwoch der Grünen. Jetzt gibt es eine Benefizparty – nicht für Opfer, sondern für die damaligen Täter. Was hat der Bauernverband damit zu tun?

Mehr als 20 Strafbefehle sind schon rechtskräftig. Und auch bei dem 67-Jährigen, der am vergangenen Freitag vor dem Biberacher Amtsgericht gestanden hat, lässt sich die Richterin nicht aus dem Konzept bringen. Wegen seiner Beteiligung an der Randale im Umfeld des Politischen Aschermittwochs der Grünen muss der Mann 60 Tagessätze zu je 40 Euro bezahlen. Dann schließt die Richterin die Verhandlung. Noch vor Weihnachten soll der nächste Prozess zu dem Ereignis stattfinden, das für den Bauernprotest des vergangenen Jahres zum Kipppunkt wurde.

 

2400 Euro sind kein Pappenstiel. Doch der Rentner darf hoffen – Hilfe naht nicht auf juristischem Weg, aber in Form einer „Biberach-Party“. Sie soll am 5. Januar im Gewerbegebiet „Neue Welt“ in Laupheim stattfinden. Barbetrieb, Foodtrucks und eine beheizte Halle stellen die Veranstalter in Aussicht – Eintritt auf Spendenbasis.

Rabiat demonstrierten die Bauern vor der Halle. Foto: dpa/Silas Stein

Es geht darum, Geld zu sammeln, „um die Betroffenen zu entlasten und ihnen bei den Gerichtsverfahren finanziell unter die Arme zu greifen“, heißt es auf dem Veranstaltungsplakat, das schon eifrig auf einschlägigen Telegram-Kanälen geteilt wird. Bei der örtlichen VR-Bank ist ein Spendenkonto eingerichtet. „Jeder Beitrag hilft, die finanzielle Belastung der Betroffenen abzumildern.“ Und wer Unterstützung brauche, könne sich jederzeit per Email melden.

Der Bauernverband geht auf Distanz

Benefizveranstaltungen für Opfer von Straftaten sind eine prima Sache. Dass hier Geld für Täter gesammelt werden soll, sorgt aber doch für Kopfschütteln. „Völlig irre“ sei das, ein regelrechtes „Täterschutzprogramm“, schimpft Eugen Schlachter. Der Altgrüne, der den Politischen Aschermittwoch in Biberach einst aus der Taufe hob, sagt, dass er durchaus Verständnis für den Bauernprotest des vergangenen Winters gehabt habe. Doch was er als Besucher damals vor der Biberacher Stadthalle erlebt habe, sei „empörend“ gewesen. Strohballen anzuzünden, Autos an der Abfahrt zu hindern, junge Polizisten zu bedrohen – all das gehe entschieden zu weit. Für solche Straftäter nun Geld zu sammeln, sei in seinen Augen ein Unding. „Offensichtlich hat man sein Unrecht immer noch nicht eingesehen.“

Ansprechpartner für die Spendenparty ist kein Geringerer als Ernst Buck, der Vorsitzende des Kreisbauernverbands Ulm-Ehingen. Wie er es offenbar sieht, steht in der Ankündigung der Party: Viele seien bei den Protesten am Politischen Aschermittwoch in Situationen gebracht worden, die nicht beabsichtigt gewesen seien – „zur falschen Zeit am falschen Ort.“ Auf Anfrage will er sich nicht äußern. Nur so viel lässt er ausrichten: In dieser Angelegenheit handele er als Privatperson, nicht als Kreisvorsitzender und auch nicht als Vorstandsmitglied des Landesbauernverbands (LBV). Auch die Stuttgarter Zentrale wiegelt ab. Die Party im Januar sei keine LBV-Veranstaltung. Man werde sich deshalb nicht dazu äußern.

Veganes Essen bei der Bauernparty?

Die landwirtschaftliche Versteigerungshalle in Bad Waldsee wollte die Soliveranstaltung nicht aufnehmen. Doch Buck hat andere Mitstreiter gefunden. So soll die Party auf dem Gelände einer großen Spedition stattfinden, deren Chef Markus Barth sich in Querdenker-Kreisen einen Namen gemacht hat. Seine Sattelauflieger wurden in den vergangenen Jahren bei Großdemonstrationen in Berlin oder Stuttgart gesehen. Zuletzt war Barth im September Mitveranstalter einer Kundgebung vor dem SWR, bei der auch AfD-Landeschef Markus Frohnmaier auftrat. Wer in Biberach Täter und Opfer gewesen sei, sei ja wohl Ansichtssache, meint eine Sprecherin der Spedition. Barth selbst antwortet nicht auf eine Anfrage.

Unklar ist, wer bei der Party in Laupheim für Stimmung sorgen wird. Die zunächst gebuchte Alpenrock-Partyband „Rockspitz“ zog ihre Zusage kurzfristig wieder zurück. Offenbar war ihr der Charakter der Veranstaltung nicht bewusst gewesen. „Den Auftritt wird es nicht geben“, sagt ein Bandmitglied. Unklar ist auch, was es an den Foodtrucks zu essen geben wird. Der Logistikunternehmer gilt als „eingefleischter“ Veganer. Mancher Landwirt könnte sich auch hier „zur falschen Zeit am falschen Ort“ wähnen.