Das Mahnfeuer in Obernheim war der Abschluss der Protestfahrt am Samstag. Foto: Hoffmann

Der Protest der Landwirte gegen die Streichung der Agrar-Subventionen reißt nicht ab: Am Samstag führte ein Konvoi durch einige Städte im Zollernalbkreis. Mahnfeuer loderten in Obernheim und am Sonntagabend bei Weilstetten.

Seit einer Woche sind die Straßen des Zollernalbkreises fest in Bauernhand. Zum Ende der Aktionswoche der Bauernproteste waren am Samstag zahlreiche Landwirte und weitere Unterstützer ihrer Forderungen laut hupend fast im gesamten Zollernalbkreis unterwegs, um ein Zeichen zu setzen gegen die Pläne der Bundesregierung, Subventionen im Agrarbereich zu streichen.

 

Viele von ihnen sind seit Montag beinahe täglich mit ihren Traktoren und Baufahrzeugen, meist mit Bannern versehen, im Zollernalbkreis und den Nachbarlandkreisen auf Protestzügen unterwegs.

Ampeln waren abgeschaltet

Am Samstag führte ein Konvoi mit hunderten Traktoren, Baufahrzeugen, Lastwägen und Pkw von Weilstetten über die Balinger Innenstadt, weiter parallel zur B27 nach Engstlatt und von dort über Bisingen nach Albstadt und schließlich über Meßstetten nach Obernheim. In Albstadt und Balingen, Ebingen und Meßstetten waren die Ampeln und Fußgängerampeln für die Zeit der Demonstration abgeschaltet.

Auf der Strecke – auf Einmündungen entlang der Aufzugstrecke sowie an einzelnen Auf- und Abfahrten der B27 – kam es zu verkehrlichen Einschränkungen oder Sperrungen. Die Polizei sicherte die Strecke ab.

433 Fahrzeuge unterwegs

Ihre Unterstützung signalisierten die Meßstetter am Samstagnachmittag am Straßenrand und jubelten den Landwirten zu. Direkt vor dem Rathaus hatten sich Unterstützer mit ihrem Familienangehörigen versammelt. Kinder hatten ihre Spielzeugtraktoren dabei. In Obernheim, wo sonst die Moto-Cross-Rennen des MSC stattfinden, kamen die Protestierenden zur Mahnwache zusammen: mit blinkenden, ratternden Traktoren, unterstützt von großen Lastwagen, einem Viehtransporter, Recyclingfahrzeugen und Handwerksfirmen.

Sie demonstrierten gegen die Sparpläne der Bundesregierung, die Kürzung der Agrarsubventionen, die Kfz-Steuer, Mautgebühren und Beiträge, die letztendlich die Verbraucher träfen. Laut Polizei waren 433 Fahrzeuge zum Eschentalring unterwegs, und die zuständigen Beamten des Ordnungsamtes waren mit dem reibungslosen Ablauf zufrieden.

„Es macht kein Spaß mehr unter diesen Bedingungen einen Betrieb zu führen.“

Am MSC-Haus entzündeten die Teilnehmer, darunter viele Nebenerwerbslandwirte, einen großen Holzstoß als Mahnfeuer, nachdem sie sich mit roter Wurst und Getränken, die Mitglieder des MSC vorbereitet hatten, gestärkt hatten.

Laut Organisator Kuno Moser geht es nicht nur um die Bauern, sondern auch um Handwerker, Logistiker und letztlich um alle Verbraucher: „Wir sind mit den Entscheidungen der Regierung nicht einverstanden“, sagte er und nannte als Beispiel die Mantelverordnung für Bauunternehmer, die seit dem 1. August gilt und die der Baubranche ein Wiederaufbereiten von Abbruchmaterial unmöglich mache. Das sei nun sehr teuer, mit weiten Fahrwegen zur Entsorgung verbunden und nur noch durch den Einsatz von Großunternehmen möglich. Zudem sei der bürokratische Aufwand sei enorm und für einen Kleinbetrieb kaum noch umsetzbar. „Es macht kein Spaß mehr unter diesen Bedingungen einen Betrieb zu führen.“ Am Ende sang der Rapper „Dizzepticon“, Robin Gerhardt, den Song „Genug ist genug“.

Spediteure beklagen die Lkw-Maut

Am Sonntagabend kamen nochmals rund 150 Menschen bei Weilstetten zusammen, um ein Mahnfeuer zu entzünden. Dort überstieg die Zahl der Autos, die der rund 50 Traktoren, die sich entlang der L 422 positioniert haben.

Von einer Lastwagenbühne herab kritisierten Organisator Tobias Moser und Spediteure aus der Region vor allem die Lkw-Maut, die nicht nur Mehrkosten für die Speditionen verursacht, sondern sich schließlich auch auf die Verbraucherpreise auswirkt.