Sie sind noch nicht fertig: Am kommenden Montag werden Landwirte in Hausach in drei Zeitblöcken von je einer Stunde mit ihren Traktoren durchs Städtle fahren. Eigentlich war geplant gewesen, von 4 bis 22 Uhr den Verkehr komplett zum Erliegen zu bringen.
Nach dem Mahnfeuer im Mühlenbach, mit dem die hiesigen Landwirte am 27. Dezember ihren Widerstand gegen die Pläne der Regierung zum Ausdruck brachten (siehe Info), ist für den kommenden Montag beim Landratsamt eine ähnliche Demonstration in Hausach angemeldet worden: In den Zeiten von 9 bis 10, 14 bis 15 und 18 bis 19 Uhr wollen die Bauern mit ihren Schleppern durch Hausach fahren. Da aufgrund der momentanen Tunnelsperrung der Verkehr ohnehin schon zäh fließt, müssen Autofahrer in diesen drei Zeitblöcken mit noch mehr Staus und Wartezeiten rechnen.
Doch sie haben noch Glück: Eigentlich hatten die Landwirte nämlich vorgehabt, den Verkehr in Hausach komplett zum Erliegen zu bringen. Von Hausach aus in Richtung Wolfach und Gutach wollten die Bauern mit so vielen Traktoren wie sie zusammen bekommen von 4 bis 22 Uhr „im Kreis“ und „so langsam wie es geht den Verkehr so arg wie möglich lahm legen“ wollen, beschrieb Demo-Organisator Florian Wöhrle in einem Video, das in den sozialen Medien kursiert, das ursprüngliche Vorhaben. Dazu wären die Protest-Teilnehmer in einen Schichtbetrieb eingeteilt worden.
„Wir sind da bewusst hoch eingestiegen“, erklärt der Landwirt aus Gutach im Gespräch mit unserer Redaktion. Er ist Sprecher des Orga-Teams, das den Protest am Montag organisiert. Ziel sei es, dass die Anliegen der Landwirte gehört werden.
Organisatoren sind „bewusst hoch“ eingestiegen
„Wir wollen darauf aufmerksam machen, was in der Landwirtschaft derzeit abgeht“, erklärt er und spricht darüber, wie Bauern teils deutlich unter Mindestlohn produzieren und die ganze Branche abhängig sei von großen Betrieben. Aber: „Es ist uns wichtig, dass es fair abläuft“, sagt er.
Aktionen, wie die Blockade der Fähre mit Wirtschaftsminister Robert Habeck an Bord verurteile er – unter anderem darum wurde das vierköpfige Orga-Team, bestehend aus jungen Kinzigtäler Landwirten, gegründet. „Wir haben gesehen, was sich bei den Protesten und in den Medien aufbaut – und befürchten, dass es eskalieren und am Ende gegen die Landwirte laufen könnte“, erklärt er. Anliegen des Teams sei es, die Proteste in eine für alle faire Bahn zu lenken, in der die Landwirte trotzdem auf ihre Sache aufmerksam machen können.
Und dazu gehöre es auch, sich mit allen Beteiligten an einen Tisch zu setzen – so geschehen am vergangenen Freitagmorgen in einer gemeinsamen Sitzung mit Polizei, Landratsamt und Bürgermeistern im Revier Haslach. Lang und hart sei diskutiert worden, so der Gutacher. „Aber wir haben gemeinsam eine Lösung gefunden, die alle Seiten mitgehen.“
Die drei genannten Zeitfenster stünden fest, zwischendurch wollen die Bauern sich zurückziehen. Wöhrle rechnet mit etwa 30 bis 40 Teilnehmern pro Fahrt. Während dieser wollen die Landwirte mit Blinken und Hupen auf sich aufmerksam machen. Im Anschluss an die letzte Fahrt findet zudem ein Mahnfeuer im Kinzigvorland zwischen Städtle und Hegerfeld statt. „Da ist auch die Bevölkerung gerne willkommen, um uns zu unterstützen“, so Florian Wöhrle.
Für den Fall, dass sich in dieser Zeit ein Notfall ereigne, seien die Bauern mit den lokalen Rettungsorganisationen vernetzt. „Sollte es dazu kommen, schicken wir einen Alarm an alle Schlepper und machen sofort die Straße frei“, so Wöhrle.
Es sei ordentlich Druck auf dem Kessel, sagt Wöhrle, der mit der entschärften Version zufrieden ist. „Am Ende haften wir ja dafür, sollte dabei jemand zu Schaden kommen“, betont er und appelliert an die Vernunft der Teilnehmer. „Am wichtigsten ist uns, dass es eine für alle faire Veranstaltung ist und am Schluss alle zufrieden in den Alltag zurück gehen können.“
Natürlich könne nicht ausgeschlossen werden, dass andere Bauern darüber hinausgehende Aktionen planen. „Aber die Schlepper, die über uns an dem Protest teilnehmen, sind mit einer Nummer versehen“, erklärt er. „Schlepper ohne Nummer sind nicht von uns.“
BLHV hat die Aktion beim Landratsamt angemeldet
Florian Wöhrle und der BLHV stehen in Absprache miteinander, berichtet Ulrich Müller als Vorsitzender des Bauernverbands auf Anfrage unserer Redaktion. „Der BLHV hat die Demo angemeldet und die Verantwortung in großen Bereichen“, so Müller.
Er selbst stehe mit seinem Namen für die Aktion. „Wir sind verantwortlich für den Ablauf der Veranstaltung, dafür, dass es keine Störungen gibt und die Sicherheit gewährleistet ist. Außerdem stehen wir im Austausch mit der Stadt Hausach und der Polizei“ , führt er weiter aus. Es habe am Freitag einen fairen Dialog zwischen den Beteiligten gegeben und man sei gemeinsam zu dem Schluss gekommen, dass der ursprüngliche Plan zu gefährlich gewesen sei, berichtet auch Müller. Es gehe zum einem um die Unzumutbarkeit, zum anderen um die Sicherheit. „Es ist unabdingbar, dass Einsatzkräfte immer noch durchkommen. Es wäre furchtbar, wenn wegen des Protests jemand zu Schaden kommt“, betont Müller.
Unter anderem aus diesem Grund und weil am Protesttag mit Verkehrsbehinderungen zu rechnen ist, hat die Hausacher Feuerwehr auch in enger Abstimmung mit der Stadt eine Bereitschaft von 7.30 bis Ende der Aktion eingerichtet, berichtet Feuerwehrkommandant Adrian Stirm auf Anfrage unserer Redaktion.
Auch für die kommenden Tage sind im Kinzigtal weitere Aktionen geplant: am Dienstag und Mittwoch folgen Protestaktionen in Zell und Wolfach, am Donnerstag ist eine Mahnfahrt nach Offenburg geplant. Die Protestwoche endet bundesweit mit einer Aktion am 15. Januar in Berlin.
Hintergrund
Hintergrund für die derzeitigen bundesweiten Proteste sind geplante Haushaltskürzungen, von denen die Landwirte unmittelbar betroffen wären. Im Dezember 2023 hatte die Ampelkoalition angekündigt, Steuervergünstigungen für Agrardiesel abzuschaffen. Ebenfalls vereinbarte sie, land- und forstwirtschaftliche Fahrzeuge nicht mehr von der KFZ-Steuer zu befreien.