Wie bei dieser historischen Nachstellung der Bauernschlacht aus Thüringen begehrten die Bauern des Kleinen Heubergs gegen die Obrigkeit auf. Foto: Matthias Bein/dpa

Vor 500 Jahren war der Südwesten zentraler Schauplatz des Bauernkriegs. Doch was wurde aus den Menschen aus Rosenfeld, die für ihre Freiheit rebelliert haben?

Der Bauernkrieg von 1525 schrieb Geschichte im Südwesten. Seine Spuren führen dank Urkunden des Hauptstaatsarchivs in Stuttgart auch auf den Kleinen Heuberg – und zu Menschen, deren Schicksal heute fast vergessen ist.

 

Man schrieb den 12. April 1526, als Jacob Frisch und Hans Glather aus Bickelsberg „Urfehde“ schwören. Es war eine der Bedingungen, damit sie wieder in ihre Heimat zurückkehren durften. Hinter dem martialischen Begriff verbirgt sich ein Instrument des vormodernen Rechts: ein beeideter Verzicht auf Fehde, auf Rache, auf Widerstand. Eine Art Bewährung – mit harten Auflagen.

Sie fliehen nach Rottweil

Dazu gehörte eine Geldstrafe: Glather muss 32 Gulden zahlen, Frisch sogar 55. Beiden war nicht erlaubt den Amtsbezirk zu verlassen. Ihre Waffen – „Wehr und Harnisch“ – lieferten sie beim Amt Rosenfeld ab. Künftig war ihnen jede Bewaffnung untersagt, „außer einem abgebrochenen Brotmesser“.

Was sie konkret getan hatten, bleibt im Dunkeln. Die Urkunde spricht nur davon, dass sie am „Aufruhr der Bauern“ in der Rosenfelder Vogtei beteiligt gewesen seien. Sie sollten sich dem „siegreichen Landesherrn auf Gnade und Ungnade“ ergeben. Doch dazu kam es zunächst nicht. Sie entzogen sich dem Zugriff – und flohen.

Zum Glück war damals die nächste Landesgrenze nicht allzu weit entfernt. In Rottweil – als freie Reichsstadt – endete die Macht des württembergischen Herzogs. Glather und Frisch waren nicht die Einzigen, die sich aus dem Staub machten. Insgesamt neun Namen halten die Akten fest. Männer aus Brittheim, Leidringen, Täbingen.

Vielleicht von Luther beeinflusst

Über ihre Motivation, sich gegen die bestehende Ordnung zu erheben, lässt sich nur spekulieren. Haben sie sich von Martin Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ aus dem Jahr 1520 beeinflussen lassen? Vielleicht griffen sie diese Idee auf. Vielleicht reichte auch die eigene Erfahrung von Abhängigkeit und Belastung.

Es war eine unruhige Zeit. Nicht weit entfernt, in Alpirsbach, formierte sich ein „Haufen“ von etwa 150 Bauern. Sie verweigerten die Kornsteuer, zwangen den Abt zur Flucht und nahmen sich, was sie brauchten: Korn, Wein, Vieh. Im weiteren Verlauf plünderten sie die Schlösser Neuneck und Glatt, besetzten das Kloster Reichenbach und eroberten die Stadt Sulz.

Der „Haufen vom Wald“ zählte bald rund 2000 Mann. Gemeinsam mit Gleichgesinnten kämpften sie am 12. Mai 1525 in Böblingen gegen das Heer des Schwäbischen Bundes. Die Schlacht endete in einem Blutbad für die Aufständischen.

Wer überlebte, steht vor den Folgen

Ob die Männer vom Kleinen Heuberg dort kämpften, bleibt ungewiss. Sicher ist nur: Wer überlebte, steht vor den Folgen. Die Strafen fielen unterschiedlich aus: Geldbußen, Auflagen, in manchen Fällen auch Turmhaft oder Rutenschläge.

Auffällig ist, wie oft Fürsprecher auftraten. Vögte, Bürgermeister – sie setzten sich für die Rückkehr der Männer ein. In den Urkunden ist von „untertäniger Bitte“ die Rede. Auch der Name des Obervogts Cunrat von Frowenberg fällt. Sein Einfluss könnte entscheidend sein.

Und so kehrten einige zurück. Was aus ihnen wurde, lässt sich kaum nachzeichnen. Die Quellen werden still. Nur ein Name taucht Jahre später noch einmal auf: Jakob Frischen, 1534 in Rottweil in einen Streit verwickelt. Sollte es derselbe Mann sein, hatte er seinen Schwur gebrochen. Denn er hatte gelobt, sich „von allen Aufruhr und Empörung zu enthalten“.