Lehmanns Bauernhof hat eine jahrhundertealte Tradition. Foto: Endrik Baublies

Die Firma BPD Immobilien unternimmt einen neuen Anlauf, auf dem früheren Gelände von Lehmanns Bauernhof Wohnhäuser zu errichten.

Es geht um ein 700 Quadratmeter großes Areal an der Ecke Schwarzwaldstraße/Martin-Luther-Straße, auf dem Fritz und Olga Lehmann ihren Bauernhof hatten. Das Gelände haben sie freilich bereits im Sommer 2022 verkauft, ihren 1996 dort eröffneten Bauernladen gibt es entsprechend längst nicht mehr.

 

Das Besondere an dem Hof war, dass er nicht auf dem Land oder in einem Dorf lag, sondern mitten in der Stadt. Der Standort war letztlich auch mit ausschlaggebend dafür, dass die Lehmanns ihn veräußerten, um an einer anderen Stelle einen Neuanfang zu machen. Denn ihren landwirtschaftlichen Betrieb führen sie nach wie vor, mittlerweile von Hugsweier aus (siehe Info-Kasten).

Käufer des Areals war die Firma BPD Immobilien mit Sitz in Freiburg, nachdem es zuvor laut der Stadt „eine intensive Investorensuche mit einer Vielzahl an Interessenten“ gegeben hatte. 2022 unternahm BPD Immobilien einen ersten Anlauf, dort Wohnhäuser zu bauen, wobei bereits damals von 70 Wohnungen die Rede war. Die Stadt wünschte eine „kompakte Bebauung mit hoher gestalterischer und ökologischer Qualität“.

Letztlich war der Technische Ausschuss (TA) mit dem ersten Entwurf des Investors dann aber nicht gänzlich einverstanden und meldete in seiner Sitzung im November 2022 Änderungswünsche an. Unter anderem soll es beim Hochwasserschutz Nachbesserungsbedarf gegeben haben.

Nun unternimmt der Investor einen neuen Anlauf mit modifizierter Planung. Vorgestellt wird sie in der TA-Sitzung am Mittwoch, 21. Januar, ab 17.30 Uhr. Laut den Sitzungsunterlagen, die auf der städtischen Homepage einzusehen sind, ist entlang der Schwarzwaldstraße und an der Ecke zur Martin-Luther-Straße eine viergeschossige, „hofartige“ Bebauung geplant, die aus drei Gebäuderiegeln bestehen soll.

Verbunden werden die Gebäude durch einen Hof, der einen zentralen Aufenthalts- und Spielbereich für die Bewohner bieten soll. Dahinter sollen zwei dreigeschossige Häuser entstehen, die durch viel Grün umgeben sind, aber auch den direkten Blick auf die Schutter bieten sollen.

Wohnungen sollen zwei bis fünf Zimmer haben

Geplant sind insgesamt 72 Wohnungen unterschiedlicher Größe – von zwei- bis fünf Zimmern. Dabei sollen in dem Gebäude entlang der Schwarzwaldstraße Mietwohnungen entstehen, mit denen die Sozialwohnungsquote der Stadt Lahr erfüllt wird. Die anderen vier Gebäude sind dagegen Eigentumswohnungen vorbehalten. 90 Parkplätze sind vorgesehen, die nach Wohnungsgröße vergeben werden sollen – wer eine größere Wohnung kauft, erhält zwei Parkplätze. Geplant sind sowohl eine Tiefgarage als auch oberirdische Parkplätze.

Südlich des Areals fließt die Schutter vorbei, weshalb sich das Baugebiet in einem festgesetzten Überschwemmungsgebiet befindet. Fledermäuse werden dort ebenso vermutet wie geschützte Käferarten. Parallel zur baulichen Entwicklung des Grundstücks sind deshalb auch eine spezielle artenschutzrechtliche Prüfung sowie ein Fachgutachten zum Hochwasserschutz erarbeitet worden, wie den Sitzungsunterlagen zu entnehmen ist. Demnach will der Investor auf Grundlage der vorliegenden Gutachten und der städtebaulichen Konzeption den Bebauungsplanentwurf erstellen.

„Die Stadtverwaltung wird das Verfahren in fortlaufender fachlicher Abstimmung begleiten und den weiteren Ablauf im Rahmen ihrer Zuständigkeiten betreuen“, heißt es in der Vorlage, ohne dass ein konkreter Termin für den möglichen Baustart genannt wird. Zunächst soll nun das Bebauungsplanverfahren wieder aufgenommen werden.

Das ist Lehmanns Bauernhof

Als der Bauernhof vor Hunderten Jahren in Lahr errichtet wurde, war er eines der ersten Gebäude in der Umgebung. Das änderte sich im Lauf der Zeit, die Bebauung drumherum wurde immer dichter, der Platz für die Hofbetreiber damit immer kleiner. Eine enge Einfahrt führte in eine noch engere Zufahrt in den Innenhof. Fritz und Olga Lehmann entschieden sich letztlich für den Verkauf, um an einer anderen Stelle einen Neuanfang zu machen – in Hugsweier.

Ihren Hofladen in der Martin-Luther-Straße betreiben sie nun nicht mehr, mit ihren Produkten sind sie aber nach wie vor auf dem Lahrer Wochenmarkt vertreten. Der landwirtschaftliche Familienbetrieb, bei dem die Übergabe an die nächste Generation gesichert ist, bietet dort jeden Donnerstag und Samstag frisches Obst und Gemüse und weitere Produkte aus eigenem Anbau an.