Der Frühling kommt und mit ihm die Erdbeersaison in der Ortenau. Wie sieht die Ernte in dieser Saison aus, und wird sich der Preis für das Schälchen erhöhen?
Wenn Thomas Streif über die Felder seines Erdbeerhofs läuft, ist er zufrieden. Das sagt der Inhaber des Lautenbacher Paradieshofs im Gespräch mit unserer Redaktion. „Bis zum 15. Mai weiß keiner genau, wie es mit der Ernte in diesem Jahr aussieht, aber es wirkt auf jeden Fall vielversprechend, wenn ich mir die Pflanzen so anschaue“, erzählt er.
Der Winter sei nicht zu nass gewesen und die Pflanzen blieben vor großen Schäden verschont. Der Erdbeerbauer geht bei den roten Früchte auf Nummer sicher: Er schützt seine Pflanzen mit Vlies die Erdbeerpflanzen vor Frost, Wind, Hagel und Schädlingen schützt. Das könne die Ernte um bis zu zwei Wochen verfrühen.
Die Qualität des Endprodukts sei ihm den Aufwand wert, sagt er, und berichtet vom Kaufverhalten seiner Kundschaft der vergangenen Jahre. Die seien kritischer geworden: „Wir beobachten immer wieder ein bestimmtes Muster – die erste Schale, die der Kunde kauft, kauft er aus Neugier. Die muss Liebe auf den ersten Biss sein. Die zweite und dritte Schale werden dann wegen der Qualität des Produkts gekauft.“
Preis wird dieses Jahr wohl leicht steigen
Die Preise müsse er in diesem Jahr leicht anheben, erklärt Streif. Es werde wohl nicht so extrem wie beim Spritpreis, aber der Kunde müsse sich auf eine Erhöhung von grob zehn bis 20 Cent pro Schälchen im Vergleich zum Vorjahr einstellen, sagt er.
So kosten 250 Gramm bei ihm im Verkauf tagesaktuell drei Euro. Als Grund für die Preiserhöhung nennt er vor allem zwei Faktoren: Da sei etwa der gestiegene Mindestlohn. Er arbeite mit einer Stammmannschaft aus vor allem rumänischen Erntehelfern.
„Wenn die in den Bus steigen und während der Saison zwei oder drei Monate von ihren Familien entfernt sind, ist es das Mindeste, das ich als regionaler Landwirt tun kann, ihnen anständige Löhne zu zahlen“, sagt er und betont, dass er auch bereit sei, noch mehr zu zahlen. Man könne die Preise aber auch nicht überstrapazieren – Qualität müsse bezahlbar bleiben. „Unsere Standards sind natürlich andere als die bei den Produkten aus dem Supermarkt.“ Heimische Qualität koste nun einmal mehr.
Immer weniger Pflanzenschutzmittel zugelassen
Der zweite Faktor sei vor allem die Behandlung der Jungblüten mit Pflanzenschutzmitteln. „Behandelt werden die Früchte nur in ihrer Blütezeit, um der Fäulnis und dem Schädlingsbefall vorzubeugen“, schränkt Streif jedoch direkt ein. Er erklärt weiter, dass laut geltendem EU-Recht seit dem Jahr 2019 keine neuen Spritzmittel mehr zugelassen würden und auf der anderen Seite die alten Mittel immer mehr eingeschränkt würden.
„Wenn etwas potenziell schädlich ist, wollen wir das nicht auf unseren Erdbeeren“, sagt Streif, führt aber weiter aus, dass auch die Auswahl an Bio-Behandlungsmitteln mau aussehe. Dennoch ist Spengler überzeugt von seinem Produkt – für ihn seien Erdbeeren auch weiterhin „die schönste Frucht überhaupt“.
Auch David Mild vom Obst- und Beerenhof aus Neuried blickt zuversichtlich auf die kommende Saison. „Freilanderdbeeren können wir ab Mitte Mai erwarten“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Verfrüht können sich Erdbeerfans auf Erdbeeren aus dem Gewächstunnel freuen.
Lediglich der Anfang des kommenden Monats könne eventuell noch einmal kritisch für die Reifung der Früchte werden: Nächtliche Kälte könne nach wie vor zu Schäden führen, aber Mild gibt sich auch hier zuversichtlich.
Kunden vermitteln Wertschätzung für Früchte
Die Kunden vermittelten ihm ihre Wertschätzung für sein Produkt, so Mild – das zeige der Kontakt an den Verkaufsständen. Er selbst sehe sich derweil nicht als Konkurrenz Supermärkten mit teils sehr niedrigen Preisen. „Wenn man die Frucht unreif erntet, dann ist sie für den Transportweg länger haltbar, das ist klar – aber feldfrisch sind die Früchte süßer“, erzählt er.
Auch Mild muss in diesem Jahr die Preise seiner Früchte anheben. Die Produktionskosten pro Schale seien um knapp acht Prozent gestiegen. Wie viel die Schale genau kosten wird, könne er jedoch noch nicht sagen. Trotz allem bemühe er sich, so günstig wie möglich zu bleiben.
Auch Mild greift auf Erntehelfer aus dem Ausland zurück. Seine „Stammmannschaft“ komme eigentlich aus Polen, in diesem Jahr seien aber auch Rumänen dabei. Immer beliebter hingegen wird das Selbstpflücken, erzählt er.
Erdbeerlust ist groß
Die Deutschen haben im vergangenen Jahr drei Kilo Erdbeeren pro Kopf verzehrt. Das sagen die Zahlen des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer. Fast die Hälfte baute ihre Erdbeeren selber an. Das sind etwas weniger als noch 2024. Was laut der Agrarmarkt-Informationsgesellschaft auf höhere Importe um gut zehn Prozent sowie auf die witterungsbedingt niedrigere Erdbeerernte aus dem Freiland im Vorjahr zurückzuführen ist.