Wohnungen auf Garagen: Dies plant die Baugenossenschaft in der Rietheimer Straße in Villingen. Foto: Eich

Ein interessantes Projekt der Baugenossenschaft Villingen könnte in VS auch bei anderen Bauherren Schule machen: Wohnen auf dem Garagendach.

Villingen-Schwenningen - Es ist eine unscheinbare, sogar eher unschöne Garagenzeile aus den Siebzigern in der Rietheimer Straße in Villingen.

In diesem Bereich des Bebauungsplans Warenberg aber sollen bald nicht mehr nur Autos, sondern auch Menschen unterkommen. Ein- und Zweizimmerwohnungen sind geplant und zwar nicht irgendwo, sondern auf dem Garagendach.

Modulare Bauweise heißt das Zauberwort

Modulare Bauweise heißt das Zauberwort, das auch die Stadträte im Technischen Ausschuss am Dienstagabend aufhorchen ließ. Etwa zehn Wohneinheiten könnten dort entstehen – die Vorgehensweise wäre denkbar einfach: Die Garagenzeilen würden mit einer Stahlkonstruktion überbaut und darauf dann eine Art Container gesetzt, eingeschossige Wohnmodule, fix und fertig möbliert und ausgestattet. "Man muss nur noch mit dem Koffer kommen und einziehen", stellte Baubürgermeister Detlev Bührer fest. Dabei soll es klassische Ein-Raum-Module mit Küche, Sanitär- sowie Wohn-Schlaf-Bereich geben, aber auch Einheiten für zwei Personen, die entsprechend großzügiger gestaltet sein sollen. Oben drüber ist eine Dachbegrünung vorgesehen, "sodass hinsichtlich Kleinklima und Regenrückhaltung eine Verbesserung erzielt werden kann", heißt es in der Sitzungsvorlage des Technischen Ausschusses.

Eine pragmatische Art zu wohnen

Beifall im Gremium. Die Grünen freuen sich "sehr" über diese "pragmatische Art und Weise, Wohnraum zu schaffen", lobte Cornelia Kunkis. Natürlich würden auch die Freien Wähler zustimmen, betonte Andreas Flöß für diese. Doch, selbst Architekt und damit sehr aufs ästhetische Stadtbild bedacht, gab Flöß auch zu bedenken: Möglicherweise mache so etwas bald Schule "in unserer Stadt" – und da sei es vielleicht hilfreich, eventuellen Investoren "eine Art Leitfaden an die Hand zu geben, damit das dann auch schön aussieht". Ein Ensemble aus Garage und draufgesetztem Wohncontainer, das "mehr aus einem Guss wirkt" sei wünschenswert. Damit drückte er nobel aus, was AfD-Stadtrat Olaf Barth dachte und gänzlich ungeniert auf seinen Standpunkt brachte: "Ich finde das potthässlich!"

Eine Mehrheit aber gab es für das, so CDU-Stadtrat Dietmar Wildi "interessante und auf jeden Fall neue" Wohnraumkonzept trotzdem. Die Baugenossenschaft Villingen darf weiterplanen und soll den Pionier dafür mimen.

Kostengünstiger Wohnraum schwer zu realisieren

"Da es für uns immer schwieriger wird bezahlbare Bauplätze beziehungsweise Bauland zu erwerben und zu generieren, beschäftigen wir uns schon seit geraumer Zeit mit der Nachverdichtung von Flächen, welche sich bereits in unserem Besitz befinden", informieren die Vorstände Harald Maier und Andreas Scherer auf Anfrage unserer Redaktion. Anders sei die Schaffung von kostengünstigem Wohnraum momentan nicht mehr realisierbar. In diesem Zusammenhang könne man nicht von Tiny-Häusern sprechen. Tiny-Häuser seien ideologisch anders angesiedelt. "Bei unserem Projekt handelt es sich kleine Wohnhäuser." Und es gebe im Bestand der Baugenossenschaft weiteres Potenzial, "zur Lage können wir im Moment noch keine Aussage machen".

Die Gestaltung dieser Häuser sei noch völlig offen und sollte, auch aus Kostengründen, in Folge im Baugenehmigungsverfahren geklärt werden, so Maier und Scheerer. Selbstverständlich seien Gestaltungsvarianten möglich.