Die Anwohner fürchten Probleme am Hang. Foto: Nagel

Die Anwohner der Rochus-Merz-Straße und des Burgwegs gehen in die Offensive, nachdem dort mittlerweile großflächig gerodet wurde.

Sie wenden sich mit einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr sowie die Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat.

 

In dem Schreiben heißt es: „Vorweg möchten wir sagen, dass wir nicht grundsätzlich gegen eine Bebauung an dieser Stelle sind und auch dass wir uns der Tatsache bewusst sind, dass Wohnraum in Schramberg benötigt wird“.

Der Bebauungsplan der Stadt aus dem Jahr 1986 sehe an diesem Hang drei Baufenster vor – und zwar auf einer Fläche von 122 auf 30 Meter. Weiter heißt es: „Wir befürchten nun, dass der Hang von der Rochus-Merz-Straße bis zum Burgweg in zwei Reihen zugebaut werden soll, so wie bereits von einem anderen Investor im Januar 2022 geplant. Dafür müssten aus dem Hang mehrere 1000 Kubikmeter Erde abgetragen werden. Damals war der Neubau von 13 Reihenhäusern und acht Doppelhaushälften mit 16 Garagen und 16 Stellplätzen geplant. Nach Berechnung des Bauamts waren bei der Bauvoranfrage vom 7. Februar 2022 etwa 8000 Kubikmeter vorgesehen. Dies würde einen tiefen Eingriff in den Hang bedeuten. Wenn man sich 8000 Kubikmeter Erdaushub als Würfel vorstellt, dann hätte dieser einer allseitige Kantenlänge von 20 Metern“.

Allerdings seien die Anwohner gegen eine solche Bebauung und führen dafür mehrere Gründe an.

Hangsicherheit

„Das besagte Grundstück“, schreiben die Anwohner, „liegt laut einer Beurteilung des Landesingenieurgeologen Clemens Ruch, Regierungsdirektor beim Regierungspräsidium Freiburg, zu einem kleinen Teil in einer geologischen Gefahrenzone, beziehungsweise tangiert zum großen Teil eine geologische Gefahrenzone. Nach Süden greift das Hanggrundstück in eine in der Gefahrenhinweiskarte ausgewiesenen Verdachtsfläche für Massenbewegungen über. Dem Tiefbauamt der Stadt liegt die ingenieurgeologische Beurteilung des Hanggrundstücks vor. Wir befürchten nun, dass während der Bautätigkeit der Hang ins Rutschen kommt oder dass mit der Zeit eine schleichende Hangbewegung entstehen kann, was eine Gefahr nicht nur für die Gebäude, sondern auch für die Anwohner bedeuten würde“.

Am Hang wurden mit der Rodung Fakten geschaffen. Foto: Nagel

Verwiesen wird auf mehrere Hangrutsche: 2012 und 2015 beim Gasthaus „Schöne Aussicht“, 2018 an der Ecke Burgweg/Rochus-Merz-Straße, 2019 bei Thomas Philipps sowie zu Beginn der 1990er-Jahre nach dem Bau der Häuser Rochus-Merz-Straße 34 und 22. „Die Anwohner wissen also, wovon sie sprechen, wenn sie sich Sorgen um die Hangsicherheit machen“, so die Folgerung.

Verkehr

Die Rochus-Merz-Straße und der Burgweg seien in großen Teilen nur einspurig befahrbar und bereits heute verkehrstechnisch an der Grenze, da eine Seite an einigen Stellen zugeparkt sei mangels anderer Parkmöglichkeiten für die Bewohner.

Eine massive Bebauung bedeute vermehrtes Aufkommen an Fahrzeugen aufgrund von weiteren Anwohnern, Besuchern oder Lieferdienste, was auch nach der Bauphase für alle Anwohner eine erhebliche verkehrstechnische Belastung zur Folge habe. Die Rochus-Merz-Straße sei auch der Schulweg zahlreicher Kinder und müsse sicher bleiben, fordern die Anwohner.

Artenschutz und Biotop

Das zu bebauende Grundstück befinde sich in unmittelbarer Nähe eines FFH-Schutzgebietes. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich auf diesem Grundstück ein

Biotop entwickelt. „Wir fragen uns, ob die artenschutzrechtlichen Bestimmungen durch die Baumaßnahme eingehalten werden können. Wir befürchten eine Gefährdung der Lebensräume von Tieren und Pflanzen, einige davon sind bereits jetzt gemäß Nabu gefährdet oder vom Aussterben bedroht. „Wir bitten Sie, unsere Bedenken ernst zu nehmen und das Bauvorhaben gründlich zu prüfen und gegebenenfalls zu hinterfragen“, lautet die Forderung.

Oberbürgermeisterin Eisenlohr sei am 28. Februar eine Liste mit 111 Unterschriften übergeben worden, die sich gegen eine massive Bebauung auf dem Grundstück richten. Die Unterschriftenliste könne bei Eisenlohr eingesehen werden.

Gegen die massive Bebauung des Hanges haben laut Angaben der Anwohner unterschrieben: 80 Personen aus der Rochus-Merz-Straße, 26 Personen vom Burgweg und dem Hasenhäusle, fünf Personen von der Höflestraße und der Stadt Schramberg mit Bezug zur Rochus-Merz-Straße und dem Burgweg. Insgesamt seien es 111 Unterschriften.