Die Luftaufnahme zeigt die Erschließungsarbeiten im vergangenen Herbst. Foto: Thomas Fritsch

Die Gemeinde Mötzingen bietet ihre Bauplätze in den Gebieten Röte II und III jetzt niederschwelliger und zugleich direkter an. Damit sollen Investitionen schneller refinanziert werden.

Erst in seiner jüngsten Sitzung hatte der Mötzinger Gemeinderat seine Bauvergaberichtlinien angepasst – und zwar an die veränderte Marktsituation. Diese zeigte, dass die Nachfrage nach Baugrundstücken hinter den Erwartungen und auch dem im Vorfeld erkennbaren Interesse bleibt.

 

In den Röte-Erweiterungen stehen circa 170 Bauplätze zur Verfügung. Die Hälfte davon seien kommunale Plätze, erklärt Bürgermeister Benjamin Finis im Pressegespräch. Im ersten Schritt sei man mit zehn Plätzen an den Markt gegangen. Sechs davon seien vergeben worden.

Von Bewerbung zu Reservierung

Bislang wurden Einfamilien- und Doppelhausbauplätze nach sozialen und ortsbezogenen Kriterien, Reihenhausbauplätze über ein Bieterverfahren und Mehrfamilienhausbauplätze per Losverfahren vergeben. Nach veränderten Richtlinien gilt nun das „Windhundprinzip“: Wer zuerst kommt und reserviert, bekommt in der Regel den Platz.

Das ist im Kern auch eine der größten Änderungen im Ablauf: Aus einer Bewerbung um einen Bauplatz wurde ein Reservierungsverfahren. Seit wenigen Tagen ist nach Worten von Finis das neue Verfahren „scharfgestellt“.

Interessenten können so auf der Internetseite www.baupilot.com/moetzingen nun ein ganz konkretes Grundstück auswählen. Vorher sei es für Bewerber nicht klar gewesen, welches Grundstück sie am Ende genau bekommen würden.

Gebühr von 1000 Euro

Nach dem neuen Verfahren gelte die Reservierung für drei Monate. Dafür werde eine Gebühr von 1000 Euro erhoben, die beim Kauf angerechnet werde. Diese Gebühr sieht Finis als angemessen an. Dadurch werde das ernsthafte Interesse dokumentiert und Bauplätze nicht einfach nur so blockiert.

Ebenso angemessen sieht der Bürgermeister den Bauplatzpreis von 450 Euro je Quadratmeter.

Dass das Interesse an Bauplätzen im Vergleich zu vor zwei oder drei Jahren spürbar nachgelassen habe, macht Finis an der veränderten Wirtschaftslage und sonstigen Rahmenbedingungen fest. Die Menschen seien mit dieser Entscheidung vorsichtiger geworden. Manchem Interessenten sei es von der Interessensbekundung bis zu dem Punkt, dass sie bauen könnten, zu schnell gegangen – auch wenn das natürlich grundsätzlich aus bürokratischer Sicht als positiv zu bewerten ist.

Investition muss sich refinanzieren

Dass man die Vermarktung der Grundstücke anpasste, hat freilich auch einen finanziellen Aspekt, wie Finis einräumt. Die Gemeinde Mötzingen sei mit der Erschließung der Baugebiete stark in Vorleistung gegangen. Natürlich müsse man diese Investitionen auch wieder refinanzieren.

Während zunächst der Grundgedanke vorherrschte, dass man insbesondere Mötzinger Einwohnern die Chance bieten wollte, im Heimatort zu bauen, öffnet man sich nun bewusst. Und da sieht Firnis Mötzingen durchaus in einer guten Lage – sowohl geografisch als auch von der Infrastruktur. Mötzingen könne alles bieten. Dazu komme die Nähe zu Nagold und auch Tübingen.

Auch eine Chance für Vereine

„Auch Unternehmen im Ort freuen sich, dass potenzieller Wohnraum für Arbeitnehmer entsteht“, sagt Finis.

Und letztlich sei dies auch eine Chance für die Dorfgemeinschaft und die Vereine, so Finis. Jeder, der nach Mötzingen zuziehe, sei auch ein potenzielles Vereinsmitglied. Und die ersten Vereine hätten sich in ihren Versammlungen bereits mit diesem Aspekt befasst, weiß der Bürgermeister.