Im Rathaus können nun alle vier Vorschläge für eine mögliche Bebauung des Strasser-Areals eingesehen werden. Die jeweiligen Konzepte werden genau vorgestellt.
Ende Januar haben Bewerber ihre Konzepte zur Bebauung des Strasser-Areals einer Bewertungsjury nicht öffentlich präsentiert. Diese präferierten den Vorschlag der Balinger Wohnbaugenossenschaft. Seit diesem Mittwoch können Bürger auch die Pläne dreier weiterer Bewerber anschauen.
Im Foyer des Rathauses werden die Konzepte auf Stellwänden präsentiert, dazu können die Ideen online auf der Homepage der Stadt Balingen eingesehen werden. Den Entwurf der Wohnbaugenossenschaft Balingen haben wir bereits vorgestellt. Nun konzentrieren wir uns auf die Konzepte, die bislang noch nicht im Fokus standen. Vorgestellt wurden alle Konzepte am Mittwochabend von Annette Stiehle und Nadine Wißmann vom Amt für Stadtentwicklung.
Bauprojekta GmbH aus Geislingen-Binsdorf, gemeinsam mit KBK Architekten aus Stuttgart, Arge Fink Schnider aus Zürich und Landschaftsarchitekt Möhrle + Partner aus Stuttgart
Dieses Konzept sieht ein Ensemble aus zwei Hauptbaukörpern vor, „die durch subtile Höhenunterschiede und volumetrische Verschneidungen voneinander getrennt sind“, heißt es seitens der Bewerber.
Mit einem würfelförmigen Kopfbau, der sich leicht abdreht und sich parallel zur Stingstraße positioniert will der Bewerber eine Beziehung zur gegenüberliegenden Agentur für Arbeit herstellen. Eine Passage zwischen den Baukörpern ermöglicht eine Durchlässigkeit des Areals und öffnet den Stadtplatz nach Osten.
Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten
Von zwei entstehenden Plätzen auf unterschiedlichem Höhenniveau soll der eine das gastronomische Angebot beherbergen. Der zweite Platz soll vielfältige Nutzungsmöglichkeiten bieten. „Die leicht erhöhten Plätze orientieren sich gestalterisch am vorhandenen Thema der Terrassierungen und Sitztreppen, das während der Gartenschau entlang der Eyach realisiert wurde“, heißt es. Während die Wege entlang der Gebäude gepflastert sind, will man auf den Platzflächen mit wassergebundenen Deckschichten arbeiten, die Regenwasser versickern lassen und Verdunstung fördern.
Die Tiefgarage wird laut Konzept über die bestehende südlich gelegene Zufahrtsrampe erschlossen. Durch die Höhenentwicklung des gewachsenen Terrains Richtung Osten wird die Tiefgarage als eineinhalbgeschossige Splitlevel-Tiefgarage konzipiert.
Das aktuelle Nutzungskonzept sieht eine Aufteilung von rund 70 Prozent Gewerbeflächen und 30 Prozent Wohnflächen vor, wobei die Architektur erlauben soll, dass diese Anteile bei Bedarf angepasst und umgeplant werden können.
Beim Fachvortrag am Mittwoch war zu erfahren, dass das Konzept am zweitbesten abgeschnitten hatte und eine Überarbeitung zur weiteren Verbesserung gewünscht war. Kritikpunkte an dem Konzept waren unter anderem die Unterteilung des Platzes in verschiedene Höhen, „da hierdurch eine Einschränkung der Flexibilität entsteht“, sagte Wißmann. Auch das Nutzungskonzept mit Fitnessstudio und Eventagentur konnte die Jury am Ende nicht überzeugen, weshalb der Entwurf letztlich auf Platz 2 hinter dem der Wohnbaugenossenschaft landete.
Denkinger Gmbh aus Jungingen, mit Architektin Bettina Lehmann aus Jungingen und Landschaftsarchitektur Uwe Bauer aus Balingen
Der Entwurf sieht das geringste Maß der Bebauung vor, wie am Mittwochabend hervorging. Man will mit zwei Gebäuden überzeugen, die aus einem Mix aus Holz- und Massivbau entstehen sollen. „Während der Gebäudekern und das Treppenhaus aus Stahlbeton gefertigt sind, sorgt der Einsatz von Holz in der Fassade und den Decken für eine hochwertige Wohnatmosphäre und einen reduzierten ökologischen Fußabdruck“, heißt es in der Beschreibung.
Gastro und Gewerbe im Erdgeschoss
Im Erdgeschoss sollen sich einmal Gewerbe ansiedeln, im anderen Gebäude soll auf der Ebene die Gastronomie Platz finden. In den darüberliegenden Stockwerken sollen Wohnungen entstehen.
Richtung Eyach und zwischen den beiden Gebäuden entstehen die Grünflächen. In den Unterlagen ist von der „neuen grünen Mitte von Balingen“ die Rede. Offene, biodiverse, klimaaktive und multicodierte Flächen sollen geschaffen werden. „Die Beläge der Eyach-Promenade werden aufgenommen und fortgeführt, so dass eine Einheit zwischen dem Bestand und dem neu Gebauten entsteht. Alle Grünflächen und Baumquartiere werden so gestaltet, dass eine maximale Klimawirkung durch Verdunstung und Beschattung entsteht. Das Niederschlagswasser des gesamten Geländes wird dem natürlichen Wasserkreislauf zugeführt“, verspricht der Bewerber.
Eine Tiefgarage soll Platz für 43 Stellplätze sowie mindestens 50 Fahrräder bieten. 20 Wohnungen sollen entstehen.
Auch hier sah die Jury das Modell der Terrassierung kritisch, „da man die Flexibilität der Nutzungsszenarien einschränke“, so Stiehle.
Jetter Gebäudebau GmbH aus Rosenfeld, mit Architekturbüro archisphäre GmbH aus Rosenfeld und Büro für Landschaftsarchitektur Isabel David aus Haigerloch
Dieser Bewerber beschreibt seinen Entwurf als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft – aufgrund der geplanten Bezugnahme zur historischen Bebauung. Die Rosenfelder setzen auf eine rundförmige Balkonkonstruktion, wie eine Art Arena. Zwei Gebäude in L-Form bilden einen Komplex, der Richtung Eyach offen ist und dort eine größere Freifläche in Form eines Halbkreises bietet.
Auch hier sind Gewerbe und Gastronomie im Erdgeschoss vorgesehen, darüber sollen 41 Wohneinheiten untergebracht werden. „Ziel ist es, ein urbanes Habitat zu schaffen, das sowohl den Lebensstil der Bewohner bereichert als auch die lokale Wirtschaft unterstützt und im Allgemeinen zu einem lebendigem Stadtbild beiträgt“, wirbt der Bewerber.
Barrierefreier Zugang
Der öffentliche Platz soll laut diesem Konzept von der Stingstraße sowie von der Straße am Roßnägele barrierefrei zugänglich sein. Ein Zusammenspiel aus Pflanzbeeten, Kletterpflanzen, Blühpfaden und Lederhülsenbäumen wird für die Begrünung des Geländes sorgen. Entlang der Stingstraße ist eine Baumreihe sowie Längsparkplätze für Kurzparker vorgesehen. Laut Konzept wird der Platz fast vollständig mit einer Tiefgarage unterbaut.
Dieser Entwurf überzeugte die Fachjury am wenigsten. Kritisiert wurde unter anderem, dass keine konkrete Nutzungsabsicht hinterlegt wurde. „Das Konzept sieht eine vergleichsweise intensive Bebauung vor, was die kleinste Freifläche bedeuten würde“, gab Wißmann an. Zwar können hier 41 Wohnungen untergebracht werden, diese würden allerdings jeweils nur sehr wenig Wohnfläche bieten, was ebenfalls bei den Experten nicht gut ankam.
Ausstellung der Entwürfe
Arbeiten
Bis zum 12. März werden die vier eingereichten Arbeiten im Foyer des Balinger Rathauses öffentlich ausgestellt sein. Zu den üblichen Öffnungszeiten der Infothek können alle Interessierten die Arbeiten begutachten.
Umfrage
Wie soll die zukünftige Plaza aussehen? Hierzu kann jeder Bürger Stellung nehmen. Die Stadt Balingen hat auf ihrer Homepage eine Umfrage eingestellt, in der Bürger ihre Sichtweisen und Vorschläge kommunizieren können.