45 Prozent weniger Baugenehmigungen im Schwarzwald-Baar-Kreis – das Wohnen und Leben verändert sich.
Schlechte Chancen auf ein Wohnen in den eigenen vier Wänden gibt es derzeit offenbar – auch in der Region.
Vom Einfamilienhaus über das Reihenhaus bis zur Eigentumswohnung – im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es rund 53 600 Wohnungen, für die keine Miete bezahlt werden muss. Denn ihre Eigentümer nutzen sie selbst. Die Wohneigentumsquote im Schwarzwald-Baar-Kreis liegt damit bei rund 51,5 Prozent – doch das könnte sich jetzt ändern.
Nur 99 Genehmigungen
In einer aktuellen Regional-Analyse zum Wohnungsmarkt, die das Pestel-Institut aus Hannover gemacht hat, lässt sich dieser Trend ablesen.
Darin geben die Wissenschaftler eine eher düstere Prognose, wenn es um das Wohneigentum im Schwarzwald-Baar-Kreis geht: In den ersten sechs Monaten dieses Jahres gab es nach Angaben des Instituts im gesamten Landkreis lediglich 99 Baugenehmigungen für neue Ein- und Zweifamilienhäuser – trotz Wohnungsnot. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2022 waren es noch 180 Baugenehmigungen. „Damit ist der Eigenheimbau innerhalb von nur einem Jahr um 45 Prozent zurückgegangen“, sagt Matthias Günther. Der Leiter des Pestel-Instituts sieht „das Wohneigentum weiter auf der Rutschbahn“.
Daran scheitert es
Um eine Kehrtwende zu erreichen, müsse der Staat dringend ein effektives Wohneigentumsprogramm auf die Beine stellen. „Der Traum vom eigenen Haus, von der eigenen Wohnung – er platzt gerade in Serie. Wenn es um das Anschaffen von Wohneigentum geht, ist auch der Schwarzwald-Baar-Kreis quasi in eine Schockstarre verfallen“, sagt Katharina Metzger vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB), der die Wohnungsmarkt-Untersuchung beim Pestel-Institut in Auftrag gegeben hat.
Nur wenige Menschen könnten sich die eigenen vier Wände heute noch leisten.
Diesen Lösungsvorschlag gibt es
Das liege an hohen Zinsen, Baulandpreisen und Baukosten durch hohe Klimaschutz-Anforderungen. „Wohneigentum scheitert am Geld“, resümiert Metzger trocken. Die Wissenschaftler vom Pestel-Institut sprechen sich in ihrer Untersuchung deshalb für ein „Bundes-Baustartkapital“ aus.
„Wer heute neu bauen will, der braucht vor allem eines: günstiges Geld. Notwendig sei deshalb ein Bundes-Baudarlehen mit höchstens 1,5 Prozent Zinsen als Startkredit fürs Wohneigentum. Der Staat solle den Menschen den festen Niedrigzins für 20 Jahre bieten – und das für einen Kredit in Höhe von bis zu 4000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche“, fordert Wohnungsmarktforscher Matthias Günther.
Dadurch ließe sich der Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern, von Eigentumswohnungen und Reihenhäusern auch im Schwarzwald-Baar-Kreis wieder pushen.