Bauen im Bestand bietet allerlei Vorteile. Matthias und Kristin Kunz haben im Lorenzort zwei denkmalgeschützte Gebäude erworben, denen sie neues Leben einhauchen.
„Wir lieben es mitten in der Stadt zu wohnen und kurze Wege zu haben“, schwärmen Kristin und Matthias Kunz.
Vor vier Jahren hatte der Rottweiler Geschäftsmann die ehemalige Synagoge in der Kameralamtsgasse erworben, den ehemaligen Betsaal restaurieren lassen und in den oberen Geschossen kleine Appartements und eine Wohnung für sich und seine Frau einbauen lassen. Damals zogen die beiden aus einem modernen Haus mit Garten am Stadtrand mitten in die Stadt. „Und es ist klasse. Ich konnte mir das Leben ohne Garten erst nicht vorstellen, aber mittlerweile bin ich begeistert und möchte es nicht mehr anders haben“, schwärmt Kristin Kunz.
Zwei „neue“ Objekte mit Herausforderungen
Jetzt haben die beiden zwei „neue“ Objekte erworben. Zum einen die einstige Schreinerei Leopold in der Präsenzgasse und das Gebäude in der Lorenzgasse 2. Beide bergen so manche Herausforderung.
„Herausforderungen sind dazu da, um sie zu meistern und wir haben Spaß am Bauen“, sagen die beiden unisono.
Die alte Bausubstanz zu erhalten und den Häusern, neues Leben einzuhauchen, damit das Leben in der Innenstadt auch in den nächsten 100 Jahren und darüber hinaus möglich ist, und die Häuser nicht nur reine Fassaden längst vergangener Tage sind, das ist ein Herzensanliegen von Kristin von Matthias Kunz. „Die historischen Gebäude müssen modern nutzbar sein, wir leben im 21. Jahrhundert, und nicht mehr im Mittelalter“, macht Matthias Kunz deutlich. und deswegen ist es ihm ein Anliegen, modernes Wohnen in historischem Gemäuer zu ermöglichen.
Und damit das beim Bauen im Bestand optimal gelingt, ist jede Menge Abstimmungsbedarf vonnöten. Matthias Kunz ist mehrmals am Tag persönlich auf den Baustellen anzutreffen, schaut nach dem Rechten und tüftelt mit den ausführenden Handwerkern im konstruktiven Gespräch immer die bestmögliche Lösung aus.
Auch mit dem Denkmalschutz ist Matthias Kunz in gutem Kontakt, wie er sagt. Mit Ingrid Mager, der städtischen Sachbearbeiterin Denkmalschutz, geht er regelmäßig durch die Gebäude, bespricht und diskutiert kritische Punkte.
„Manchmal muss man eben auch Kompromisse finden, um, zum einen das Alte zu erhalten, aber zugleich eine moderne Nutzung zu ermöglichen“, sagt Kunz.
Eines der ältesten Gebäude der Stadt
Das Gebäude in der Präsenzgasse zählt zu einem der 50 ältesten Gebäuden in der historischen Innenstadt und stammt aus dem Jahr 1352. Das hat ein dendrochronologisches Gutachten ergeben. Hier heißt es, mit der Substanz besonders behutsam umzugehen. Schäden an Balken wurden bereits professionell ausgebessert, und einige durch vielerlei vorherige Umbaumaßnahmen, teils „freischwebenden“ Balken wieder stabilisiert und die Statik damit optimiert. Auch eine Malerei aus dem 18. Jahrhundert wurde bei den Arbeiten entdeckt, die erhalten, aber später wieder hinter einer eingezogenen Wand, verschwinden wird.
Das Haus in der Lorenzgasse hat ebenfalls ordentlich Potenzial. Zwei große Garagen, zwei Stellplätze, 150 Quadratmeter Terrassen, hervorragende Aussicht und himmlische Ruhe – all dies in Kombination findet man in der historischen Innenstadt nur selten. Und so haben Kristin und Mathias Kunz entschieden, sich hier eine neue Wohnung zu „bauen“.
Unten im Gebäude entsteht ein modern ausgestattetes Appartement, die oberen Stockwerke nutzen die Eigentümer künftig selbst. In den beiden oberen Geschossen wurde jeweils ein Kubus angebaut. „Das Neue hebt sich deutlich vom Alten ab“, sagt Matthias Kunz und zeigt auf die massiven Stahlträger und die Betondecke, die sie bewusst sichtbar lassen.
Herz für die Innenstadt
Und auch, wenn nahezu täglich wieder neue Fragen auftauchen, verlieren Kristin und Matthias Kunz nicht den Spaß am Bauen. „Im Gegenteil, das ist unser absolutes Hobby“, sagen sie. Und Kristin Kunz freut sich schon, wenn es endlich ans Einrichten geht, und sie sich hier ebenfalls kreativ einbringen kann. Die Innenstadt möchten die beiden jedenfalls nicht mehr missen.