Der BLHV-Kreisverband Wolfach wird nach den Demonstrationen jetzt in Gespräche mit politisch Verantwortlichen vor Ort gehen. Im April ist eine große Runde mit Bürgermeistern und Gemeinderäten geplant, die in Gutach stattfinden soll.
Im Rahmen der Hauptversammlung hielt Kreisvorsitzender Ulrich Müller zunächst Rückschau. Nach dem Ausbruch des Angriffskriegs gegen die Ukraine und der damit verbundenen Energiekrise habe es im vergangenen März eine Info-Veranstaltung zur Agrar-Photovoltaik gegeben, in deren Rahmen so manchem die Augen hinsichtlich der Rentabilität geöffnet wurden. „Es war gut, dass wir diese Einblicke hatten“, resümierte Müller. Der BLHV habe sich in der Abmilderung des Gebäude-Energie-Gesetzes engagiert und zusammen mit dem Landesverband den Volksantrag gegen Flächenfraß auf den Weg gebracht. „Wir müssen intelligenter bauen, damit weniger Fläche zu mehr Wohnraum und Gewerbe führt“, erklärte er.
Beim Thema „Bauen im Außenbereich“ müssten für die Mittelgebirge wie den Schwarzwald Lösungen gefunden werden, damit Höfe weiter bewirtschaftet werden. Der EU-Pflanzenschutz sei ein Thema ohne Ende, in dem sich der stellvertretende Bezirks-Geschäftsführer Lukas Schaudel und auch Patrik Heizmann stark gemacht hätten. Auch beim neuen Bundeswaldgesetz sei Schaudel mit Bernd Wöhrle (Gutach) sehr aktiv, um sich gegen die geplanten Vorgaben zu wehren. In Sachen Agrardiesel und grüne Nummer hätten die Proteste eigentlich erst nach Dreikönig beginnen sollen, wären Ende Dezember aber nicht mehr zu halten gewesen. Vor 14 Tagen hätten sich die Vertreter sämtlicher Gruppierungen getroffen und das weitere Vorgehen besprochen. „Jetzt ist Reden angesagt“, betonte Müller. Es gelte, Politik und Bevölkerung auf die Problematik aufmerksam zu machen. Wenn kein Ergebnis komme, müssten die nächsten Schritte geplant werden. Neben der Info-Veranstaltung mit regionalen Bürgermeistern und Gemeinderäten in Gutach sollen weitere Großveranstaltungen stattfinden. Bei den BLHV-Ortsverbänden werde es weitere Fusionen geben, um diese mit jungen Teams wieder auf Kurs zu bringen.
Die Vorstellung der Bio-Musterregion „Mittelbaden +“ oblag Laura Willer vom Naturpark Schwarzwald. Dabei gehe es um die Stärkung und das Voranbringen des ökologischen Landbaus, die Etablierung regionaler Wertschöpfungs-Ketten und das Vernetzen aller Akteure.
„Bio außer Haus“ als maßgebliches Projekt
Mit Landwirtschaftstreffen bei Bio-Veranstaltungen, der Sensibilisierung der Öffentlichkeit und „Bio außer Haus“ in Kantinen, Kitas und Schulen stellte sie drei maßgebliche Projekte in einem langfristigen Prozess vor.
Albrecht Löblein von der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Hohenlohe (BESH) oblag der Haupt-Vortrag über deren Vermarktungsstrategie. Im Gründungsjahr 1988 hatten sich acht Landwirte um Rudolf Bühler zusammengeschlossen, aus denen eine Gemeinschaft von derzeit 1498 Mitgliedern mit 165 Millionen Euro Jahresumsatz wurde. „Es geht um die regionale Entwicklung durch solidarisches Wirtschaften und den Transfer der Wertschöpfung an den Erzeuger“, erklärte Löblein. Über Kollektiv-Marken werde die Region Hohenlohe vermarktet, das sei eine relativ günstige Form und auf den Schwarzwald übertragbar. Am Ende des Vortrages monierte Löblein: „Bauern sind die letzten im Glied – und dann kommt auch noch die einprozentige Flächen-Stilllegung. Bio nicht mehr gut genug.“ Am 4. März wird es in der Oberwolfacher Festhalle mit Vertretern aus Politik und Naturschutz eine Veranstaltung zum Thema „Wolf“ geben. Am 16. April gibt es in Mühlenbach einen CDU-Bürgerdialog zum Thema Landwirtschaft, Mittelstand, Fachkräfte. Bürgermeisterin Helga Wössner lud dazu ein und erinnerte an den Ministerinnen-Besuch zum Thema Bauen im Außenbereich, der sehr erfolgreich gewesen sei.
Ehrungen
Mit Dank und sehr persönlichen Worten sind Heinrich Schnaitter (Steinach), Josef Moser (Biberach) und Oskar Moser (Prinzbach) die goldenen Ehrennadeln des BLHV-Keisverbandes verliehen worden. Welschensteinachs Ortsvorsteher Xaver Rockenstein würdigte die Verdienste von Heinrich Schnaitter und Georg Vollmer (Ehrung wird nachgereicht) seitens der Gemeinde Steinach. Bei der jüngsten Hauptversammlung seien die Weichen für die Fusion beider BLHV-Ortsvereine gestellt und der Generationswechsel damit vollzogen worden. „Es hat sich gezeigt, dass es wichtiger wird, die Interessen des Berufsstandes mit einer starken Stimme zu vertreten“, betonte Xaver Rockenstein. Heinrich Schnaitter war neben dem BLHV 20 Jahre lang Gemeinderat in Steinach und außerdem stellvertretender Bürgermeister. Ihm wurde das Glaswappen der Gemeinde Steinach überreicht.