Ziemlich laut ist es seit Wochen im Rottweiler Münsterort. Im Rahmen der Umgestaltung werden Pflastersteine entfernt, tiefe Gräben gebuddelt und Leitungen erneuert – für die Anwohner eine harte Zeit.
„Bei mir fallen Sachen aus den Regalen“, erzählt eine Anwohnerin. Eine andere trifft es besonders hart, sie arbeitet nämlich in der Helios-Klinik, und zwar in der Nachtschicht. Tagsüber schlafen sei da nicht mehr möglich. Und da sie kürzlich das Sprunggelenk gebrochen hatte und nicht mehr gut zu Fuß ist, macht ihr die Baustelle zusätzlich zu schaffen. „Das ist unerträglich!“, schimpft ihre Nachbarin. „Ich bin wie gerädert.“
Die Stadt Rottweil nimmt dazu Stellung. „Bei einer Baustelle ist Baulärm leider nicht zu vermeiden. Die Maßnahme ist aber dringend notwendig, weil hier auch die komplette Versorgungsstruktur der Häuser erneuert werden muss, also sämtliche Leitungen in der Erde. Letztlich geschehen die Arbeiten auch im Interesse der Anwohner, denn die Versorgung der Häuser mit Wasser, Strom und Gas beziehungsweise Fernwärme muss unbedingt dauerhaft funktionieren“, so Pressesprecher Tobias Hermann auf unsere Anfrage.
Schonende Baugeräte
Außerdem seien die Straßen hinterher fit für die nächsten Jahrzehnte, „weil wir alles auf einmal erledigen und eine ähnlich große Baumaßnahme für lange Zeit nicht mehr zu erwarten ist.“
Die Stadt Rottweil bemühe sich im Zuge der Arbeiten, die Belastung für die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Man habe die Anlieger bereits Anfang des Jahres über die Baumaßnahme informiert und um Verständnis gebeten. Zudem achte man darauf, dass möglichst schonende Baugeräte zum Einsatz kommen.
Hydraulikmeißel auf Minimum beschränkt
„So ist der Einsatz von größeren Verdichtungsgeräten beispielsweise nicht vorgesehen. Vielmehr wird mit der kleinsten handgeführten Rüttelplatte gearbeitet, welche die erforderlichen Werte für die Verdichtung erfüllen kann“, betont Hermann. „Auch der Einsatz des großen Hydraulikmeißels ist auf ein Minimum beschränkt, ist aber nötig, wo sehr sperrige Stahlbetonbauten zu entfernen sind. Mit kleineren Geräten würde es deutlich länger dauern und das wiederum die Lärmbelastung in die Länge ziehen.“
Gearbeitet werden dürfe nur von 7.30 bis 17 Uhr, am Freitag werde der Baubetrieb bereits um 13 Uhr eingestellt. Hermann beruhigt die Anwohner: Die großen Abbrucharbeiten in der Schul-, Pfarr- und Rathausgasse seien soweit abgeschlossen, „die größte Phase der Lärmbelastung ist in diesen Straßen damit bereits ausgestanden“. Man gehe davon aus, dass Ende Oktober in der Schul- und Pfarrgasse alles fertig sein wird, „in der Rathausgasse werden die Arbeiten wie angekündigt voraussichtlich bis Dezember andauern“.
Hoffen auf Entschädigung
Keineswegs sei es ruhiger geworden in der Rathausgasse, widerspricht eine der Anwohnerinnen: „Die haben gut reden!“ Das Mobiliar bebe, sie habe Schlaf- und Kreislaufprobleme, „ich bin nur noch ein Nervenbündel.“ Sie hofft nun, dass die Stadt sie und ihre Nachbarn irgendwie entschädigt. „Das ist echt kein Leben mehr.“ Seit Mitte März gehe es ab vor ihrem Küchen- und Wohnzimmerfenster, weswegen sie an manchen Tagen aus der Wohnung und damit vor dem Höllenlärm flüchte. „Der reinste Horror.“