Beim Ausbau werden Glasfaserkabel in den Boden verlegt, um Haushalte ans schnelle Internet anzuschließen. Foto: Sina Schuldt/dpa

Der Glasfaserausbau in Rotensol sorgt wegen des Zustands der Baustellen vor Ort für Kritik. Netze BW nimmt auf Anfrage Stellung.

In Rotensol wächst die Ungeduld. Zwar zeigen viele Bürger Verständnis für die Schwierigkeiten eines solchen Großprojekts.

 

Doch die Art und Weise der Umsetzung sorgte für Kritik.

Herumliegender Schotter kann zur Gefahr werden

Ortsvorsteher Sven Feuchter bringt es deutlich auf den Punkt: „Uns ist es nicht so wichtig, ob der Ausbau sechs Monate oder zwölf Monate braucht. Wichtiger wäre eigentlich, dass man ehrlich zu uns ist. Und dass ordentlich gearbeitet wird.“

Besonders die Situation auf den Straßen wird bemängelt. Offene Baustellen, herumliegender Schotter und beschädigte Fahrbahnen seien nicht nur ärgerlich, sondern könnten auch zur Gefahr werden. Feuchter verweist auf mögliche Probleme mit der Verkehrssicherungspflicht: „Die ganze Straße ist voll mit Schotter, die Autos tragen alles nur weiter, es reißt immer mehr auf und geht kaputt.“

Gemeinsam mit dem Ordnungsamt habe man sich bereits bei Netze BW beschwert. Die Forderung lautet: Baustellen sollen in einem ordentlichen Zustand hinterlassen werden.

Der Netzbetreiber Netze BW, der den Ausbau im Auftrag der Gemeinde Bad Herrenalb ausführt, räumt Verzögerungen ein und nennt mehrere Gründe.

Zum einen habe das Wetter im ersten Quartal 2026 die Arbeiten erschwert.

Darüber hinaus sei die Kombination aus Breitband- und Stromausbau komplexer gewesen als erwartet. Auch organisatorische Schwierigkeiten im Tiefbau hätten den Zeitplan beeinträchtigt.

Zusätzlich berichtet Sven Feuchter von praktischen Problemen vor Ort: Technische Ausfälle, etwa bei eingesetzten Maschinen, hätten die Arbeiten weiter verzögert.

Netze BW betont, man arbeite die Ursachen derzeit intensiv auf, um künftige Bauabschnitte „reibungsloser und transparenter“ zu gestalten.

So steht es aktuell um den Breitbandausbau

Trotz der Verzögerungen schreitet das Projekt voran. Ursprünglich war die Fertigstellung für das erste Quartal 2026 geplant – nun wird mit einem Abschluss bis Mitte 2026 gerechnet. In Rotensol laufen derzeit Arbeiten im Höhenweg und Heideweg. Ende April beginnt der Ausbau in der Gartenstraße – dieser nimmt etwa fünf Wochen in Anspruch. Bis Juli soll die Mönchstrasse erschlossen werden.

Parallel wird im Bereich Bernbach-Althof mit dem „Einblasen“ der Glasfaser begonnen. Bei diesem Verfahren werden Kabel per Druckluft durch Leerrohre geführt.

Nach Abschluss der Arbeiten in Rotensol folgen weitere Bauabschnitte, unter anderem im Ortsteil Neusatz. Der letzte Abschnitt in Bernbach ist abhängig von einer laufenden Kanalbaumaßnahme, deren Fertigstellung für September 2026 erwartet wird.

Hohe Nachfrage besteht nach Glasfaseranschlüssen

Trotz aller Schwierigkeiten ist das Interesse der Bürger am schnellen Internet hoch. Das gilt auch für Immobilien, an denen eine Glasfaserleitung in der Straße vorbeigeführt wurde, ohne dass ein direkter Hausanschluss erfolgt ist, die sogenannten „Homes Passed“-Adressen. Grundsätzlich gilt, dass solche Gebäude nicht förderfähig sind, die Kosten für den Hausanschluss also selbst zahlen müssten.

Durch Beschluss des Gemeinderates vom 26. März 2025 hat sich die Stadt Bad Herrenalb dazu entschieden, den flächendeckenden Breitbandausbau verstärkt zu unterstützen und in diesem Zuge auch die Kosten für einen nicht geförderten „Homes Passed“-Anschlusses voll zu tragen.

Laut Pressesprecher Christian Siebje von der Stadt Bad Herrenalb werden nun 71 Prozent der betroffenen Gebäude angeschlossen. Für diese Anschlüsse entstehen bei der Stadt Kosten in Höhe von rund 171.000 Euro.

Großprojekt für die Region soll bis Ende 2027 fertig sein

Der Ausbau ist Teil einer umfassenden Infrastrukturmaßnahme: Bis Ende 2027 werden in den Ortsteilen Rotensol, Neusatz, Bernbach und Althof sowohl Glasfaserleitungen als auch Stromleitungen neu verlegt.

Das Ziel des Ausbaus ist es, Synergien zu nutzen und gleichzeitig die digitale sowie energetische Infrastruktur zu modernisieren.

Netze BW verweist dabei auf die langfristige Bedeutung des Projekts: Es schaffe die Grundlage für eine „leistungsfähige digitale Infrastruktur und ein modernes Energienetz“.