Es droht Lebensgefahr an der Schwarzenbach-Talsperre – trotzdem wandern Menschen durch die Mondlandschaft. Die Polizei kündigt an, Streife zu fahren. Das sind die Gründe.
Während der Leerung der Schwarzenbach-Talsperre gibt es Sicherheitsrisiken. Aus diesem Grund ist das Betreten des Seeufers und der Talsperre während der Arbeiten verboten. Trotzdem laufen immer wieder neugierige Spaziergänger unerlaubt auf das Gelände – was am vergangenen Wochenende sogar mit dem Einsatz eines Rettungshubschraubers endete. Mit Blick auf das sonnige Wochenende will die Polizei nun vermehrt Streife fahren.
Grund für die Ausnahmesituation bei Forbach sind unter anderem Arbeiten an der Staumauer. Es bietet sich ein ungewöhnlicher Anblick, der einer schlammbedeckten Wüste ähnelt. Der normalerweise mit rund 14 Millionen Kubikmetern Wasser befüllte Stausee ist nämlich leer.
Stausee wird zur Gefahrenzone
„Es ist menschlich nachvollziehbar, dass ein leerer Stausee neugierig macht“, erklärt Franziska Fahrbach, Pressesprecherin des Energieversorgers EnBW. Doch dieser ungewöhnliche Anblick birgt gleichzeitig auch große Gefahren.
Die Pressesprecherin warnt: „Der bislang vom Wasser bedeckte Seeboden ist nicht tragfähig und kann stellenweise plötzlich nachgeben. Zudem gibt es tiefe Sedimentschichten, Abrisskanten, ungesicherte Böschungen und bauliche Anlagen, die normalerweise nicht zugänglich sind. Auch schwankende Wasserstände und kurzfristige Abflussänderungen können gefährliche Situationen verursachen.“
In den vergangenen Wochen kam es gleich zu mehreren Rettungseinsätzen, um gefährdete Spaziergänger aus Gefahrenlagen zu befreien. Die Sprecherin erklärt diesen Umstand wie folgt: „Viele unterschätzen die Gefahren, weil der Boden auf den ersten Blick fest wirkt.
Genau diese trügerische Sicherheit macht die Situation so gefährlich.“ Unter anderem verletzte sich am Wochenende eine Frau, als sie im abschüssigen Uferbereich der Talsperre abrutschte. Die Einsatzkräfte übernahmen dabei die notfallmedizinische Erstversorgung.
Der Schlamm in der Schwarzenbach-Talsperre gleicht Treibsand
Mittlerweile hat die Feuerwehr nach eigenen Angaben drei Personen aus dem abgelassenen See retten müssen. „Bei dem Schlamm handelt es sich überwiegend um natürliche Sedimente, die sich über Jahrzehnte am Grund der Talsperre abgelagert haben – vor allem Feinsedimente wie Ton, Schluff und Sand, angereichert mit organischem Material wie Laub oder Pflanzenresten. Diese Sedimente sind sehr wasserhaltig und können sich wie Treibsand verhalten“, erklärt sie.
So kam es auch zu einem weiteren Vorfall am Wochenende. Dabei wurde ein Mann verletzt. Diese konnten sich aus dem matschigen Morast nicht mehr selbst befreien. Die Einsatzkräfte sanken bis zu den Knien ein und mussten schließlich für den Transport zum Rand des Stausees einen Rettungshubschrauber anfordern.
Um Besucher rechtzeitig auf Gefahrensituationen rund um die Schwarzenbach-Talsperre aufmerksam zu machen, hat die EnBW mehr als 100 Warntafeln sowie eindeutige Absperrungen und Bauzäune an den Treppen und einigen Zugängen angebracht. Dennoch konnte man in den vergangenen Tagen immer wieder eine Vielzahl von Menschen beobachten, die im Becken umherliefen, berichten Redakteure unserer Zeitung, die an verschiedenen Tagen vor Ort waren.Fotos zeigen, dass einige Menschen im Becken auf Wanderschaft gehen. Mit Blick auf die warmen Temperaturen am Wochenende plant die Polizei nun vermehrt Streife zufahren.
„Alle Maßnahmen erfolgen in enger Abstimmung mit den zuständigen Behörden und Ordnungsdiensten und werden durch regelmäßige Kontrollen besonders sensibler Bereiche begleitet. Leider bieten großflächige Anlagen im Gelände nie eine absolute Abschottung“, bedauert Fahrbach.
Betreten auf eigene Gefahr
Des Weiteren erfolgt das Betreten des gesperrten Bereichs auf eigene Gefahr. Bei Verstößen gegen die bestehenden Verbote, wie Warntafeln und Absperrungen, können im Schadensfall Haftungsansprüche ausgeschlossen werden.
Bis Oktober sollen laut EnBW Verschlussvorrichtungen an der Staumauer erneuert sowie Beton- und Metallteile instand gesetzt werden. Außerdem sollen im Uferbereich neue Strukturen für den Fischbestand geschaffen werden. Zusätzlich wird von EnBW im nahe gelegenen Berg ein Tunnelsystem für ein neues Pumpspeicherkraftwerk gebaut.
Die Sprecherin von EnBW appelliert: „Die gesperrten Bereiche dürfen nicht betreten werden – so lassen sich gefährliche Situationen von vornherein vermeiden.“ Das Verbot diene dem Schutz von Leben und Gesundheit.