Der Regine-Jolberg-Kindergarten liegt in der Nähe des Rathauses und der Musikhochschule. Er soll ab Juni saniert und erweitert werden. Foto: Hans-Jürgen Eisenmann

Der Regine-Jolberg-Kindergarten sollte in diesem Jahr ohnehin saniert werden, nun sattelt die Stadt noch einiges drauf und spart damit Energie.

Doch angesichts der damit verbundenen Baukostensteigerung gab es eine ernsthafte Debatte im Gemeinderat. Anstatt der veranschlagten 2,44 Millionen Euro sollte die Erweiterung und Sanierung nun rund eine Million Euro mehr kosten.

 

„3,5 Millionen Euro für eine Sanierung und Erweiterung, da kommt man schon in die Nähe eines Neubaus, das ist eine wahnsinnige Summe“, zeigte sich Jürgen Vosseler (CDU) unzufrieden. Auf den Hinweis, dass mit der energetischen Sanierung auch höhere Fördermittel winken, stellte Vosseler fest: „Das sind auch alles Steuergelder“.

Bürgermeisterin Susanne Irion rechnete den CDU-Fraktionschef vor, dass man für 3,5 Millionen Euro keinen neuen vier- oder fünfgruppigen Kindergarten erhält: „Sie müssen mit mindestens einer Million pro Gruppe rechnen, also fünf Millionen für einen Neubau.“ Geplant ist, den Kindergarten so gut zu dämmen, dass er einem Effizienzhausstandard KfW 40 entspricht. Das brachte auch Antje Spehn (FDP) auf die Palme: „Wir sanieren den Kindergarten nach einem Goldstandard, es hätte auch ein Effizienzhausstandard von 50 genügt.“ Dagegen meinte Gustav Betzler (Freie Wähler): „Wir können nicht einfach auf einen niedrigeren Level runtergehen.“

Mehrkosten haben verschiedene Gründe

Allerdings ergeben sich die Mehrkosten nicht nur wegen der energetischen Optimierung, sondern auch wegen der inzwischen eingetretenen Baukostensteigerung. Bei der energetischen Sanierung sind eine Heizungsoptimierung, der Einbau einer Lüftungsanlage für die Gruppenräume, die Dämmung der Kellerdecke, eine neue Beleuchtung im Keller, die Erhöhung des Dämmstandards und die statische Ertüchtigung des Daches für eine Photovoltaikanlage geplant. Zusätzlich müssen die Grundleitungen für Strom, Wasser und Abwasser erneuert werden, auch der Brandschutz an der Fassade, für die Haustechnik sowie die Brandmeldung wird verbessert.

Eigenmittel steigen auf 1,065 Millionen Euro

Für unerwartete Baukostensteigerungen sind fünf Prozent als Reserve eingeplant und auch die Nebenkosten für die Ausschreibung und Fachplanerhonorare steigen. Zusätzlich 40.000 Euro Mehrkosten gibt es auch bei der Ausstattung, unter anderem wird eine Küche neu installiert. Ein wesentlicher Teil der Mehrkosten wird jedoch durch die deutlich verbesserte Förderung ausgeglichen, sodass sich die zusätzliche Belastung für die Stadt im Rahmen hält. Gegenüber den bisher erforderlichen Eigenmitteln von 775.000 Euro müssen nun 1.065 Millionen Euro von der Stadt aufgebracht werden, was einer Erhöhung um 290.000 Euro entspricht.

„Wir erreichen durch die Sanierung einen Energieverbrauch von 51 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr, bisher sind es 133“, so die Bürgermeisterin, die Mehrkosten seien in 15 oder 16 Jahren amortisiert. Die Bauarbeiten sollen schon im Juni starten. Erst wird der Neubau errichtet, später wird die Wand zum Altbau durchbrochen und dort ist zunächst die Garderobe dran. Die Altbausanierung selbst dauert etwa ein Jahr. Am Ende fand sich eine große Mehrheit im Gemeinderat für die teurere Variante, die Energie spart. Nur ein Mitglied enthielt sich, alle anderen waren für den Vorschlag der Verwaltung. Bürgermeisterin Susanne Irion: „Das ist die erste Entscheidung für Mehrkosten, die wir auf Basis einer Wirtschaftlichkeitsberechnung treffen. Wir wollen nicht auf Teufel komm raus energisch sanieren, sondern dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist.“