Die 27-jährige Sulzerin Katharina Hofer ist nun stellvertretende Leiterin des Bauamts. Besonders Bergfelden habe sie in der Zeit ihrer Masterarbeit begleitet, verrät sie.
„Ich bin schon eigentlich immer praktisch unterwegs gewesen“, erklärt Katharina Hofer. Sie ist die neue stellvertretende Leiterin des Sulzer Bauamts. Und wenn Stadtbaumeister Reiner Wössner Ende 2026 in den Ruhestand geht, soll sie seinen Posten übernehmen.
Mit Sulz kennt sie sich aus. Die gebürtige Sulzerin war am Albeck-Gymnasium, dann entschloss sie sich zu einem Studium in Karlsruhe. „Ich habe klassisch Architektur studiert, war aber auch als Werkstudentin tätig“, blickt sie zurück.
Große Dimensionen in Sulz
Die ersten Jahre des Berufslebens arbeitete sie dann für ein mittelgroßes Architekturbüro. „Da hatte ich viel mit Bestand, Denkmälern und der Sanierung von Gebäuden zu tun“, erläutert die 27-Jährige.
Und nun ist sie zurück in Sulz. „Es sind die gleichen Themen, aber andere Dimensionen“, ordnet sie ihr neues Aufgabenspektrum ein. „In Karlsruhe ging es um einen Wasseranschluss am Gebäude – in Sulz geht es praktisch um das ganze Netz der Stadt“, veranschaulicht sie.
Neuer Blick für die Stadt
Aktuell bekomme sie da erst einen Überblick über die ganzen Themenfelder und könne überall reinschauen, was momentan anliege. Manches sei ihr neu, und vor allem angesichts der gebotenen Informationstiefe müsse sie sich erst noch hineinarbeiten.
„Der Blickwinkel verändert sich schon, wenn man auf der anderen Seite steht“, sagt sie lachend. So habe sie sich als Schülerin wenig Gedanken gemacht, um was sich die Stadt alles kümmere. Und auch nach ihrem Architektur-Studium gehe sie nun mit anderen Augen durch die Neckarstadt.
Alles unter einem Dach
„Da gibt es zum Beispiel die Einfirsthöfe“, sagt Hofer. Früher war dieser Gebäudetypus auch in der Kernstadt zu finden, doch vor allem in den Ortsteilen. „Da war die Scheune, der Stall und das Wohnen alles unter einem Dach“, erklärt sie.
„Früher hatte jeder seine zwei Kühe, Schäfchen und Ziegen“, kommt sie auf das Miteinander von Mensch und Tier zu sprechen. Wobei der Wohnbereich stets die kleinste Fläche im Gebäude ausmachte, den meisten Raum nahmen Scheune und Stall ein.
Mehrgenerationen-Haus statt Leerstand
Heutzutage sind moderne landwirtschaftliche Betriebe meist ausgelagert. In den alten Bauernhäusern selbst wohnte meist nur noch die Großeltern-Generation – oder vielleicht sogar schon in der zweiten Gernation Menschen, die mit der Landwirtschaft gar nichts mehr zu tun haben und Teilflächen modernisieren, ausbauen und als Wohnung nutzen. In Zeiten von Wohnungsnot stelle sich aber die Frage, wie man solche Gebäude wieder für mehr Personen zugänglich machen könne.
„In meiner Masterarbeit ging es um die Umnutzung eines Einfirsthofs in Bergfelden“, erklärt sie. Also, wie man das Gebäude umgestalten müsse, um ein Mehrgenerationenhaus für junge Leute, Familien und ältere Menschen zu etablieren. „Da die Gebäude alle gleich sind, kann das Konzept praktisch auf alle Höfe angewendet werden“, betont sie die Universalität ihres Ansatzes.
„Zukunftsfähiger Gedanke“
Werden also in allen Stadtteilen aus alten Höfen Orte des gemeinschaftlichen Wohnens? „Einfirsthöfe sind nicht die kleinsten Häuser“, formuliert sie es diplomatisch. Bei solch großen Fachwerkgebäuden könne man sich schon vorstellen, was da für Kosten auf die Besitzer zukomme.
Denn schließlich seien die Höfe meist in privater Hand, so dass sich die Besitzer für solch einen Umbau entscheiden müssten. Aber nichtsdestotrotz: „Es ist ein sehr zukunftsfähiger Gedanke, allerdings nicht ohne Hürden“, bilanziert Hofer.
An Aufgaben wachsen
Und wie blickt sie auf die kommende Zeit? „Es geht hoffentlich so interessant weiter, wie es angefangen hat“, sagt sie. Sie freue sich, die kommunalen Bau-Aufgaben in ihrer ganzen Tiefe kennenzulernen und so Sulz mitgestalten zu können.
„Es ist schön, an neuen Dingen zu wachsen – sei es im Studium oder jetzt im Beruf“, findet sie. Das Abwechslungsreiche und Neue wird sie begleiten, bis sie im Januar 2027 dann selbst die Chefin des Bauamts wird.