Das erste Bauturbo-Projekt im Gestaltungsbeirat Horb ist hoch umstritten. Was die Architekten sagen und wie der Bauherr reagiert.
Als die Pläne im Jahr 2019 an die Öffentlichkeit kamen, waren die Nachbarn empört. Damals hieß sagten sie: „Das Gebäude ist viel zu massiv. Wenn man unten am Knieacker wohnt, sieht man im wahrsten Sinne des Wortes keine Sonne mehr.“
Jetzt sitzen viele der damaligen Nachbarn in der Sitzung des Gestaltungsbeirats der Stadt Horb. Denn: Der Bauturbo des Bundes macht den umstrittenen Wohnungsbau in Dettingen jetzt möglich. Stadtplaner Peter Klein: „Der Bauturbo erlaubt Befreiungen unter anderem bei der Geschossigkeit, den Dachformen und bei den gegliederten Bauten.“
Bauherr Dieter Kopp: „Die Terrassenwohnungen, die wir damals in Dettingen geplant hatten, sind vom Tisch. Die hätten schon viel massiver gewirkt. Ich habe den Unmut der Anwohner damals so verstanden, dass es auch darum ging, dass die Stadt für die Straße an den geplanten Bauten auch noch Erschließungsgebühren verlangen wollte.“
Kopp: „Wir wollen keine Panoramastraße wie in Horb“
Kopp weiter: „Das wird nicht kommen. Wir machen die Teilerschließung des Haldenwegs auf unsere Kosten, ohne dass die Nachbarn Beiträge zahlen müssen. Wir wollen hier keine Panoramastraße wie in Horb produzieren.“
Als die Stadt für die Panoramastraße in Horb Erschließungsgebühren verlangte, gab es einen jahrelangen, erbitterten Streit. Die Straße ist seit Oktober 2024 fertig – und die Anwohner haben bis heute keine Schlussabrechnung erhalten. Sie wollen dagegen klagen.
Wie massiv wirkt der neue, geplante Bau?
Kopp zeigt die 3-D-Animation der Bauten: „Die wurde gestern Nacht erst fertig.“ Es sind zwei versetzt nebeneinander stehende Häuser mit Treppenhaus in der Mitte geplant. Mit jeweils sechs Wohnungen und zwei Appartements. Kopp: „Man blickt von oben auf den Neckar – deshalb haben wir es Neckarblick genannt.“
Mira Schwind, kurz vorher zur neuen Vorsitzenden des Gestaltungsbeirats gewählt: „Wenn man die Gebäude noch näher an den Hang rückt und statt Mauer Terrassen baut, würde das den Raum vor dem Gebäude an der Straße deutlich verbessern. Dazu die Carports und Wirtschaftsräume ins Gebäude verlegen, ein bisschen Grün zwischendurch. Und die Dachform ist so auch zu unregelmäßig.“
Michael Schröder, neu im Gestaltungsbeirat: „Die 3-D-Ansicht wirkt verzerrt. Es wäre gut, Ansichten zu haben, wie Nachbarn oberhalb und unterhalb das Gebäude wahrnehmen.“
„Wir wollen keinen Westwall“
Bauherr Kopp: „Terrassen statt Stützmauer ist okay – wir wollen keinen Westwall. Die Gebäude mehr an den Hang heranrücken, das kostet ein paar Euro. Aber das kriegen wir hin. Wir sind flexibel und schnell.“
Er verspricht, die Änderungen sofort umzusetzen. Stadtplaner Peter Klein: „Die nächste Sitzung des Ortschaftsrats Dettingen ist am 13. April 2026.“
Kopp: „Bis dahin legen wir die geänderten Pläne und die geforderten Ansichten aus Sicht der Nachbarn vor. Die oberen und unteren Häuser werden keine Sichtbehinderungen haben.“
Ob er damit Dettingen überzeugen kann? Kopp: „Bei meinem Projekt in Bildechingen im Holunderweg gab es auch enorme Skepsis der Anwohner. Wir haben mit denen gesprochen, die Anregungen des Gestaltungsbeirats umgesetzt und Ängste nehmen können. Inzwischen ist es ein erfolgreiches Projekt geworden.“