Die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, IG Bau, zieht Bilanz zum Baujahr 2022.
Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis insgesamt 460 Wohnungen neu gebaut – darunter 198 in Ein- und Zweifamilienhäusern. Das sind 298 Wohnungen weniger als im Vorjahr – und das, während die Wohnungsnot in der Region groß ist.
Ein- und Zweifamilienhäuser, Reihen- und Mehrfamilienhäuser: Insgesamt investierten die Bauherren im vergangenen Jahr im Schwarzwald-Baar-Kreis rund 85,3 Millionen Euro für den Wohnungsneubau. Das teilt die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt mit. Sie beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Kaufpreise geraten aus den Fugen
Für das laufende Baujahr warnt die IG-Bau-Bezirksvorsitzende Ilse Bruttel vor einem weiteren Abwärtstrend: „Bauvorhaben werden auf Eis gelegt. Denn hohe Baukosten treffen auf hohe Zinsen und hohe Hürden beim Bauen durch staatliche Auflagen und Vorschriften. Das ist ein toxischer Mix für den Wohnungsbau.“
Die Kaufpreise beim Neubau seien längst „aus den Fugen geraten“ und die Mieten „klettern enorm nach oben“ – vor allem bei neu gebauten Wohnungen. Entscheidend sei jetzt, was gebaut werde: „Die Wohnungen müssen zur Lohntüte der Menschen passen. Es kommt darauf an, vor allem bezahlbare Wohnungen und Sozialwohnungen zu bauen“, sagt die Vorsitzende der IG Bau Südbaden, Ilse Bruttel. Gebraucht werde jetzt ein „Booster für den Neubau“ von sozialen und bezahlbaren Wohnungen. Bruttel appelliert an die heimischen Bundestagsabgeordneten, sich in Berlin für ein „massives Aufstocken der Fördergelder“ stark zu machen. Aber auch das Land Baden-Württemberg sei mehr gefordert.
Jetzt, nicht irgendwann
„Für mehr Sozialwohnungen und für mehr bezahlbare Wohnungen muss der Staat – müssen Bund und Länder – bis 2025 mindestens 72 Milliarden Euro in die Hand nehmen“, sagt Ilse Bruttel. Die Gewerkschafterin beruft sich dabei auf Berechnungen von zwei Wohnungsbau-Studien, die die IG beim Pestel-Institut (Hannover) und beim Bauforschungsinstitut ARGE (Kiel) mit in Auftrag gegeben hat. Konkret werde ein Sondervermögen von 50 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau benötigt. „Nur dann kann es noch klappen, bundesweit 100 000 Sozialwohnungen pro Jahr zu bauen“, so Bruttel. Zusätzlich seien 22 Milliarden Euro für den Neubau von 60 000 bezahlbaren Wohnungen dringend erforderlich. Davon profitiere schließlich auch der Schwarzwald-Baar-Kreis. Außerdem drängt die IG BAU auf ein „schlankeres Baugesetzbuch“: „Es geht um das Durchforsten von Gesetzen, Verordnungen und Normen, auf das die Branche seit Jahren wartet. Das muss jetzt passieren – und nicht irgendwann im nächsten Jahr“, fordert Bruttel.