Für den Landschaftsbau interessieren sich vor allem die Schülerinnen. Die Mädchen lassen im Übungssandkasten des Ausbildungszentrums Bau ihrer Kreativität freien Lauf. Foto: Anita Reichart

Der Infotag Bau in Donaueschingen erzählt von einer Erfolgsgeschichte. Die Baubetriebe suchen jetzt auch mehr Frauen.

„Bau dein Ding“ hieß es im Ausbildungszentrum Bau Donaueschingen an der Humboldtstraße. Angesetzt waren zwei Infotage rund um die Ausbildung auf dem Bau. Die Nachfrage war enorm. Am ersten Tag informierten sich 330 Schüler in Vorträgen oder legten in kleinen Workshops selbst Hand an. Für eine weitere eintägige Infoveranstaltung im November haben sich noch über 160 Realschüler angemeldet. Macht in der Summe um die 500 Besucher.

 

Mit großer Neugierde nutzten die Schüler den Infotag auch, um ihr handwerkliches Geschick in den verschiedenen Berufszweigen zu erproben. Für viele war es der erste Kontakt zu einer Berufswelt, die ein vielseitiges Tätigkeitsfeld bietet und von modernster Technik geprägt ist. Welche Bedeutung der Berufseinstieg hat, sagte Michael Kling: „Die Ausbildung gibt einem nur das Werkzeug. Was man daraus macht, bleibt dann jedem selbst überlassen“. Das gab der Leiter des Ausbildungszentrums den jungen Menschen mit auf den Weg.

Ausbildung als Basis für Kreativität

Er wies in seinem knapp halbstündigen Einführungsvortrag ebenso darauf hin, dass in Zukunft viele Fachkräfte benötigt würden. Das Durchschnittsalter der Belegschaft in den Unternehmen steige an, viele gingen in Rente. Und welche Voraussetzungen braucht man, um einen solchen Beruf zu erlernen? Ein zweiwöchiges Praktikum in einem Baubetrieb sei von Vorteil, man müsse Spaß am Handwerklichen mitbringen, technisches Verständnis und Teamfähigkeit haben sowie körperlich belastbar sein, zählte der Zentrumsleiter auf.

Viele gehen in Rente

Mindestens den Hauptschulabschluss sollte man haben, und der Notendurchschnitt sollte nicht unter einer 3 liegen. Ganz wichtig sei es, in Mathematik und Geometrie fit zu sein, fügte er an. Außerdem sei festzuhalten, dass die Bauberufe jungen, engagierten Menschen viel zu bieten habe. „Die Qualität der Ausbildung ist hoch“, betonte Kling. In den überbetrieblichen Bauausbildungszentren erhielten die Lehrlinge eine praktische Schulung in allen Fertigkeiten, die sie für die spätere Berufspraxis benötigen. Sehen lassen könnten sich auch die weit überdurchschnittlichen Ausbildungsvergütungen: Im ersten Lehrjahr sind das 1080 Euro pro Monat brutto, im zweiten 1300 Euro und im dritten 1550 Euro.

Mit dem zunehmenden Einsatz moderner Maschinen und Technologien werde das Know-how auf der Baustelle immer wichtiger. Reine Muskelkraft spiele dagegen heute eine geringere Rolle. Deshalb gebe es bei Bauberufen auch für Frauen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten.

Andere Brachen schwächeln

Während einige Industriezweige, darunter die für Baden-Württemberg wichtige Automobilbranche, schwächelten und demzufolge Arbeits- und Ausbildungsplätze abgebaut werden, sei die Beschäftigungs- und Ausbildungssituation in der Bauwirtschaft relativ stabil. Denn es gebe gewaltigen Baubedarf, beispielsweise im Wohnungsbau, bei der Sanierung des Gebäudebestandes und auch im Bereich Infrastruktur.

Insgesamt wurden in der baden-württembergischen Baubranche im Ausbildungsjahr 2024/2025 rund 5300 Nachwuchskräfte ausgebildet. „Damit bewegen sich die Ausbildungszahlen auf einem guten Niveau. Das spüren wir auch im Bildungszentrum Bau Donaueschingen, wo wir eine hohe Auslastung verzeichnen“, erklärte Kling.

5300 neue Nachwuchskräfte

Das bestätigt auch ein Blick auf die Zahlen in Baden-Württemberg: In der baden-württembergischen Bauwirtschaft wurden im Lehrjahr 2024/2025 mehr als 5300 Nachwuchskräfte ausgebildet. Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist weiterhin hoch. Laut einer Erhebung der Bauwirtschaft Baden-Württemberg im vergangenen Frühjahr haben 87 Prozent der befragten Firmen angegeben, die Zahl ihrer Auszubildenden halten oder erhöhen zu wollen.

„Die Baufirmen wissen, dass sie in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte benötigen. Die Fachkräftesicherung bleibt eine zentrale Aufgabe der Baubranche“, unterstreicht Markus Böll, Präsident der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, in einer Mitteilung des Verbands. Dabei habe sich die Bauwirtschaft das Ziel gesetzt, den Anteil der Frauen an den Beschäftigten deutlich zu erhöhen.

Nach der Ausbildung

Beim Informationstag
im Ausbildungszentrum Bau wird deutlich: Nach der Ausbildung stehen jungen Baufachleuten viele Wege offen. Sie können Vorarbeiter, Polier oder Meister werden, wenn sie sich entsprechend fortbilden. Wer die Voraussetzungen erfüllt, kann studieren und einen Abschluss als Bauingenieur erwerben. Eine weitere Perspektive für ausgebildete Nachwuchskräfte ist zudem der Schritt in die Selbstständigkeit.