Die Brückenwiderlager auf beiden Seiten der Bahnstrecke im Neckartal werden derzeit gebaut – auf besondere Art. Foto: Otto

Während die Region den Bau der Hängebrücke in Rottweil verfolgt, entsteht unterhalb des Testturms eine weitere Brücke. Die Bautechnik dort ist außergewöhnlich. Wir waren vor Ort.

Von dieser Großbaustelle sieht man eigentlich zunächst nicht viel. Nur Autofahrer „spüren“ sie, denn die Direktverbindung zwischen Kriegsdamm in der Innenstadt und dem Berner Feld durchs Neckartal ist schon seit Herbst gekappt.

 

Die Duttenhoferbrücke aus dem Jahr 1936, die am Gewerbepark Neckartal über die Bahngleise führte, war dem Straßenverkehr nicht mehr gewachsen und wurde im Oktober abgerissen – in Rekordzeit übrigens, denn das Zeitfenster, in dem seitens der Bahn die Strecke gesperrt wurde, war knapp.

Inzwischen schreitet der Bau der neuen Brücke voran – nicht hoch oben, wie an der Hängebrücke auf der Felsnase, nur wenige hundert Meter entfernt, sondern unten am Bahndamm im Neckartal wird auf Hochtouren gearbeitet.

Aktuell werden die Brückenwiderlager erstellt – eins, zur Stadtseite hin, ist bereits fertig, das andere Richtung Berner Feld befindet sich gerade im Bau. Und es ist deutlich zu sehen, dass hier eine besondere Bauweise angewandt wird.

„Das ist in Baden-Württemberg ein ganz neues System, da kommen auch immer wieder andere, und schauen sich das hier in Rottweil an“, sagt Horst Bisinger vom Fachbereich Bauen und Stadtentwicklung auf Nachfrage unserer Redaktion.

Bewehrte Erde lautet die Zauberformel

Das Widerlager und Zulaufbauwerk wird ressourcenschonend aus „Bewehrter Erde“ hergestellt – bei dieser geotechnischen Bauweise wird Boden, beziehungsweise ein Erd-Schotter-Gemisch mit einem Metallgeflecht kombiniert, um die Stabilität zu verbessern. Dies ermöglicht den Einsatz von vorhandenem Erdmaterial und reduziert den Einsatz von Beton erheblich.

Ein weiterer Vorteil ist die mögliche Begrünung der Stützwände und Steilböschungen. Nur die obersten zwei Meter werden laut Bisinger in klassischer Betonbauweise ausgeführt.

Bei unserem Besuch vor Ort werden von der ausführenden Firma Peter Gross gerade große Betonelemente zum Bahndamm hin gesetzt – das so genannte „Betonfacing“, wie Bisinger erklärt. Die Elemente werden nach hinten verankert, das ist nötig, weil die vorbeifahrenden Züge eine enorme Sogwirkung haben.

Sperrungen der Deutschen Bahn

Insgesamt laufe die Maßnahme „richtig gut“, freut sich Horst Bisinger. Man liege voll im Zeitplan. Das ist auch gut so, denn ein Bauwerk über die Bahngleise hinweg unterliegt besonderen Zwängen. Die Deutsche Bahn richtet sich nicht etwa nach der Baumaßnahme – der Bau der Brücke im Neckartal sei vielmehr ein „Schattenbauwerk“, erklärt Bisinger die Rangordnung. Das heißt: Für die Arbeiten müssen feste Zeitfenster der Bahn, in denen die Strecke gesperrt wird, passgenau genutzt werden.

Blick auf die Landesgartenschau

Das heißt für den Neubau der Duttenhoferbrücke: Bei der nächsten Bahnsperrpause von 19. bis 22. September müssen die Fertigteile für die Brücke obendrübergelegt werden – dann geht es an die Brückenkappe. Auch die Straße bis hinüber zur bereits neu gebauten Brücke an der Spittelmühle wird erneuert, parallel ein Radweg erstellt.

All das geschieht mit Blick auf die Landesgartenschau 2028 – die Stadt kann da von günstigen Förderbedingungen profitieren, wie Oberbürgermeister Christian Ruf zu Beginn der Arbeiten betont hatte.

Fertig im Herbst 2026

Trotz des guten Fortschritts beim Brückenbau wird es noch etwas dauern, bis die Verbindung durchs Neckartal wieder freigegeben werden kann. Wie Horst Bisinger erklärt, wird nächstes Jahr eine weitere Bahnstreckensperrung ab dem 26. August 2026 genutzt, um die Schutzmaßnahmen direkt entlang der Gleise abzubauen. Mit der Fertigstellung wird dann im September 2026 gerechnet.

Bis dahin werden sich viele weitere Baustellen in der Stadt aufgetan haben – die Landesgartenschau rückt näher und näher.