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Basketball Im Gespräch mit "Ich mache mir große Sorgen"

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Foto: Michael Kienzler Foto: Schwarzwälder Bote

Ein normales Saisonende bei den Basketballern in der ProA sieht natürlich ganz anders aus, als es in dieser Woche bei der Tagung der Klubs in Frankfurt beschlossen wurde (wir haben berichtet). Die wiha Panthers Schwenningen standen vier Spieltage vor dem Ende der Hauptrunde vor der Play-off-Teilnahme. Doch Coach Alen Velcic macht sich momentan ganz andere Gedanken. Mit großer Sorge blickt er auf die Coronavirus-Thematik – und was der Virus für die wirtschaftliche Zukunft der Vereine – nicht nur im Basketball – bedeuten könnte. Aus einer geplanten Saisonbilanz mit ihm wurde ein (fast) ganz anderes Gespräch.

Herr Velcic, die Entscheidung der 2. Basketball Bundesliga kam auch für Sie am Montag nicht mehr überraschend. Sie haben nun erst einmal für sich beschlossen, ein wenig auszuspannen.

Das stimmt. Ich möchte jetzt erst einmal herunterfahren. Unsere Saison – und nun auch diese Entwicklung – hat mich persönlich sehr viel Kraft gekostet. Ich mache mir sehr viele Gedanken, wohin diese Coronavirus-Thematik uns noch führen wird. Unser Sport ist völlig unwichtig geworden. Ich habe mir nie vorstellen können, dass Städte und Regionen unter Quarantäne stehen und dass unser Staat nun zu solch drastischen Maßnahmen im Alltag greifen muss. Helden sind für mich Menschen wie Ärzte, Pflegekräfte, Verkäuferinnen oder auch LKW-Fahrer, die alles dafür tun, dass unser Leben noch einigermaßen intakt bleibt.

Sie haben bereits vor sechs Wochen intern bei Ihrer Mannschaft einige Schutzmaßnahmen gegen den Virus ins Leben gerufen.

Die Jungs haben sicherlich damals gemeint, dass ihr Trainer nicht mehr ganz richtig tickt, als Desinfektionsmittel bei uns im Training und im Spiel schon zur Pflicht wurden. Auf Auswärtsreisen haben wir keine Raststätten mehr angefahren. Bei Übernachtungen gab es eine Ausgehsperre. Ich hatte immer die Sorge, dass einer von uns infiziert wird. Ich bin auch meiner Frau sehr dankbar, dass sie mich damals schon auf die mögliche Entwicklung hingewiesen hat.

Sie hatten mit Ihrem Team zuletzt aus 13 Spielen zehn Siege geholt, waren auf dem Sprung in die Play-offs. Die Panthers wären in der Doppelstadt sportlich immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Nun die Saison beenden zu müssen, ist sicherlich alles andere als einfach.

Ja, aber wie gesagt, alles was jetzt zählt, ist, dass wir alle dieses weltweite Problem in den Griff bekommen. Wir haben als Aufsteiger eine insgesamt tolle Saison gespielt. Wir hätten, da bin ich mir sicher, die Play-off-Teilnahme geschafft. Deshalb wird uns diese Runde insgesamt in sehr positiver Erinnerung bleiben.

Ihre Mannschaft tat sich in der Hinrunde erst einmal schwer, richtig in der ProA anzukommen und spielte dann bis zum Saisonabbruch eine hervorragende Rückrunde. Wie haben Sie das Jahr gesehen?

Wir hatten anfangs Anpassungsprobleme, weil wir vier Charaktere im Team hatten, die problembehaftet waren. Außerdem hat in dieser Phase auch die Mischung bei uns nicht gestimmt. Wir hatten zu viele Rookies und zu wenige Spieler, die genügend Erfahrung für diese anspruchsvolle Liga besaßen. David Dennis war einer der Neuzugänge, der zu großen negativen Einfluss auf die Mannschaft nahm. Also mussten wir personell im Spätherbst an einigen Stellschrauben drehen. Wir konnten dann mit unseren Neuzugängen Drew Brandon oder Ivan Mikulic ein homogenes Team formen, das viel Spielfreude und vor allem auch immer mehr Selbstbewusstsein entwickelte. Auch deshalb waren wir in der Rückrunde so erfolgreich.

Aber auch, weil Sie sich als Trainer weiterentwickelt haben?

Ich selbst werde als Trainer sehr viel an neuen, wertvollen Erfahrungen aus dieser Saison mitnehmen. Fehler werden dir in dieser sehr starken Liga nicht verziehen.

Auch zu so einem Zeitpunkt ist die Frage gestattet, ob Sie schon die Kaderplanungen für die kommende Saison im Kopf haben. Der Großteil der Mannschaft würde gerne bleiben.

Nein, die Planungen sind aktuell völlig hinten angestellt, weil wir alle nicht wissen, ob wir überhaupt im Sommer wirtschaftlich überleben und wenn, in welchem Rahmen es dann weitergehen kann. Ich nache mir auch große Sorgen, wohin uns – und das übertrage ich auf viele Sportarten – der Weg nach einer hoffentlich bald überstandenen schweren Krise führen wird.

Die wirtschaftlichen Strukturen im Fußball, Basketball, Eishockey und Handball werden sich Ihrer Ansicht nach verändern?

Ich hoffe es nicht, aber ich glaube es. Ich bin mir sicher, dass viele Vereine ihre bisherigen Etats so nicht mehr halten können, dass die Spieler auf Gehälter verzichten müssen und dass es einige Klubs geben wird, die absolut an ihr Existenzlimit kommen, weil ihre Sponsoren erst einmal selbst wirtschaftlich überleben müssen. Ja – ich denke, der Profisport wird eine Selbstreinigung erfahren.   Fragen von Michael Bundesmann

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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