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Basketball Eine kleine Zeitreise mit dem Vater des Märchens

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Alen Velcic in seinem Element. Akribisch bereitet der Villinger die Schwenniger Basketballer auf jede Aufgabe vor. Und dies seit einem Vierteljahrhundert. Foto: Kienzler

Ein sonniger Sommertag in Villingen. "Cesar-Salat mit Parmesan?" Passt. Alen Velcic (49) hat also auch Lust auf einen leichten Snack in der Mittagspause. In die Färberstraße ist es nicht weit, ein nettes Plätzchen auf einer Außenterrasse schnell gefunden. Nun noch ein stilles Wasser. Die kleine Zeitreise mit dem Coach der wiha Panthers Schwenningen kann beginnen.

Und diese startet im Jahr 1994. Während Yordan Letchkov bei der Fußball-WM in den USA mit einem Flugkopfball-Treffer Titelverteidiger Deutschland im Viertelfinale schockt, kehrt Alen Velcic aus Trier in seine Heimatstadt zurück. Das Studium – European Business – ist beendet, die Profizeit beim TVG Trier Geschichte. Zeit für einen neuen Lebensabschnitt. Klar, dass seine große sportliche Liebe dabei nicht fehlen darf. Doch sein Jugendverein erwidert diese Zuneigung nicht. "Die damalige Basketball-Abteilung der DJK Villingen hatte kein Interesse", hört Velcic von einigen Basketball-Kids, die Novica Petrovic in Schwenningen unter dem Namen "KK Morava" – Basketballclub Morava (ein Fluss in Serbien, Anm. d. Red.) – versammelt. "Ich kannte Novica schon. Damals waren so sieben Kinder und Jugendliche dabei", verhandelt der damals 24-jährige Velcic aber erst einmal über die Vergütung, bevor er sich um die Entwicklung der Talente kümmert. "100 D-Mark im Monat sollten es schon sein", sagt der Basketball-Coach und lacht.

Schnell stellen sich die ersten Erfolge der Youngster ein. Meisterschaften wurden bejubelt, immer mehr Jugendliche wollen das Basketball-Einmaleins von Velcic erlernen. "Als die Spieler dann alt genug waren, haben wir erstmals eine Aktivenmannschaft angemeldet", schreiben die Schwenninger Korbjäger nun als KGJ Schwenningen (Klub Gradjana Jugoslawje) die Erfolgsgeschichte weiter. "In den Kreisligen B und A haben wir 51 Siege in Folge eingefahren", ist Velcic auf diese Serie immer noch mächtig stolz.

Das große Ziel, also die Etablierung des Profi-Basketballs in Villingen-Schwenningen, hat der Trainer schon damals vor Augen. "Ich habe zu Novica damals gesagt, dass es doch kein Hexenwerk sein kann, hier Zweitliga-Basketball zu installieren", ahnt Velcic damals aber nicht, dass ihm auf dem Weg in die ProA noch einige dicke Steine in den Weg gelegt werden. "Und natürlich habe auch ich in der Vergangenheit Fehler gemacht", weiß Velcic natürlich, dass er in seiner ersten Zeit bei der KGJ nicht nur großes Selbstbewusstsein ("Hier in der Region hat eben kein Mensch mehr Ahnung vom Basketball") demonstriert, sondern oft auch seinen Emotionen freien Lauf lässt. "Ich war jung, ehrgeizig und konnte mich eben nicht immer beherrschen. Aber der sportliche Erfolg sprach für sich", dauert es nur bis zum Jahr 2002, bis die Neckarstädter in der Oberliga ankommen.

Zwei Jahre später ist seine Truppe, die nun unter dem Namen KGJ WAHL Villingen-Schwenningen Dreier um Dreier wirft, in der Regionalliga angekommen. Es hatte also ganze sieben Jahre gedauert, die Korbjäger von der Kreisliga B in die Regionalliga zu führen. Die US-Boys Sean Hampton, Derrik Price und Gabriel Como sorgen zudem fast in jedem Heimspiel, die seit dem Umzug von der viel zu klein gewordenen Alleen- in der Deutenberghalle stattfinden ("Dies war für uns ein extrem wichtiger Schritt"), für ein echtes Spektakel unter den Körben.

Griechenland wird in Portugal Fußball-Europameister, Werder Bremen deutscher Meister und die Schwenninger Basketballer klopfen 2004 also erstmals an die Tür des Profitums. Die KGJ spielt gleich vorne mit, die Erzrivalen heißen TV Konstanz, MTV Stuttgart oder BC Weißenhorn. "Da waren heiße Duelle dabei", erinnert Velcic besonders an einige Scharmützel mit den Konstanzern.

Dies ist aber nichts, was dann am 17. März 2006 passiert. "Bombe. KGJ entlässt Trainer Velcic", heißt es in unserer Zeitung. "Auf einmal liegt da ein Zettel in meinem Briefkasten, auf dem mir die damals Verantwortlichen mein Aus mitteilten", kommen bei Velcic auch gut 13 Jahre später die Emotionen hoch, wenn er sich an die "unmögliche" Art und Weise der Entlassung erinnert. "Die KGJ Schwenningen ist mein Baby. Das lasse ich mir nicht so einfach wegnehmen", diktiert Velcic noch am gleichen Tag in unser Mikrofon.

Gesagt, gehalten. Nach Stationen in Freiburg und Lörrach ("Das waren tolle Spieler. Mit manchen habe ich heute noch guten Kontakt") ist "Mr. Basketball VS" bald wieder für die seit 2008 unter dem Namen "Panthers" spielenden Doppelstädter tätig. Nur im Hintergrund, aber eifrig. Schwenningen feiert unter Coach Oliver Narr 2010 den Aufstieg in die ProB. Nach dem Jubel folgt schnell der Frust, ja fast das Aus für den VS-Basketball. Narr hört auf, die Nachfolger Denis Zheltov auf Sova Taletovic können den Abstieg in die Regionalliga nicht verhindern.

Als dann ein Jahr später nur noch im Schnitt 150 Zuschauer die Panthers sehen wollen und der Absturz in die 2. Regionalliga droht, ruft Vereinsboss Frank Singer am 5. März 2012 – drei Tage später wird Bundespräsident Christian Wulff für seine rund 18-monatige Amtszeit mit einem großen Zapfenstreich geehrt – bei Alen Velcic an, überzeugt diesen von einer dauerhaften Rückkehr auf den Trainerstuhl. "Den Panthers drohte ja auch der finanzielle Kollaps, dies wäre der Super-GAU gewesen. Ich wollte also mein Baby unbedingt retten." Velcic kann zwar den sportlichen Abstieg nicht mehr verhindern ("Ich denke, dass ich mit meiner heutigen Herangehensweise den Klassenerhalt geschafft hätte"), doch mit seiner Rückkehr beginnt die Konsolidierung der Schwenninger Korbjäger. Unter dem Dach des neuen BV Villingen-Schwenningen, dem KGJ-Nachfolgeverein, zeigen die Panthers schnell wieder ihre Krallen. 2014 sind schon wieder 1000 Zuschauer in der Deutenberghalle, als Velcic sein Team mit einem Sieg gegen Ulm zurück in die 1. Regionalliga führt.

Sofort spielen die Panthers in der vierthöchsten Klasse Deutschlands um Titel und Aufstieg in die ProB mit. 2017 ist der Jubel groß: Schwenningen ist Meister. "Doch dann folgte die Geschichte mit der nicht erteilten Lizenz", muss Alen Velcic sich noch ein weiteres Jahr gedulden, bis sich sein Traum von der ProB endlich erfüllt. "Und was das Team dann in der vergangenen Runde gezeigt hat, war unglaublich", wird der Panthers-Dompteur den Halbfinal-Einzug und den Aufstieg in die ProA nie vergessen.

Es war also durchaus kein "Hexenwerk", aber ein sehr steiniger Weg für Velcic, um in Schwenningen Zweitliga-Basketball zu installieren. Doch auch die ProA soll nur eine Durchgangsstation. "Das ist noch lange nicht das Ende. Wir haben uns ja auch in Sachen Personal und Strukturen in den vergangenen Jahren enorm entwickelt", sieht der Basketball-Coach mittelfristig durchaus Chancen, dass die Panthers den Wild Wings ihren Rang als sportliche Nummer 1 in Villingen-Schwenningen ablaufen. "Aber für beide Klubs, und die ganzen anderen Vereine, ist hier Platz. Und das ist gut so."

Die Teller sind abgeräumt, doch für einen Espresso ist noch Zeit. Also noch kurz ein Kaffeesatz-Orakel. "Alen Velcic, wo spielen die Panthers im Jahr 2025?" Der Coach lacht, nimmt erst einmal einen Schluck des schwarzen Muntermachers. "In der Helios-Arena. Dies hoffe ich. Und natürlich, dass wir dann in der Bundesliga gegen Bayern München und Co. spielen. Andere ›kleine Vereine‹ wie Crailsheim oder Vechta haben dies ja auch geschafft. Und wenn ich solange Spaß habe, werde ich dann auch noch an der Bande stehen", verweist Velcic aber darauf, dass die Familie für ihn an erster Stelle steht. "Im Alter wird man in dieser Hinsicht – zum Glück – etwas schlauer", schmunzelt der Betreiber eines Handy-Shops, bevor er sich auf den Weg zu einem Marketing-Termin – der Panthers – macht. Fast alles dreht sich beim "Vater des Schwenninger Basketball-Märchens" eben um den orangenen Ball.

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