Für den Wechsel Oscar da Silvas (am Korb) zu Alba Berlin soll ausschlaggebend gewesen sein, dass die Berliner in der Euroleague spielen. Foto: imago/Tilo Wiedensohler

Oscar da Silva – da war doch was? Der Basketballer von Alba Berlin freut sich auf ein Wiedersehen am Sonntag in Ludwigsburg – doch das dürfte nicht bei allen Beteiligten auf Gegenliebe stoßen.

Ludwigsburg - Wiedersehen macht Freude? Kommt ganz auf den Blickwinkel an. Es gibt ja Trennungen im Einvernehmen oder mit Rosenkrieg. Übertragen auf den sportlichen Bereich bietet das Topspiel der Basketball-Bundesliga am Sonntag (18 Uhr) zwischen dem vorjährigen Hauptrunden-Ersten MHP Riesen Ludwigsburg und Meister Alba Berlin das Drehbuch für jegliche Dokusoap. Schließlich kehrt ein gewisser Jaleen Smith in die MHP-Arena zurück, wo er die Fans (sofern sie kommen durften) zwei Jahre lang in Begeisterung versetzt und sich mit der MVP-Auszeichnung verabschiedet hat. „Er wird wohl sehr viel Applaus erhalten“, meint Ludwigsburgs Vorsitzender Alexander Reil, „das wird bei Oscar da Silva weniger der Fall sein.“

 

Und ziemlich sicher trügt den langjährigen Basketballfunktionär sein Bauchgefühl da nicht. Statt Publikumsliebling wurde da Silva zur Persona non grata, seit sich der 23-Jährige zum Saisonauftakt Hals über Kopf in Richtung Berlin abgesetzt hat. Ein Wechsel, der viel Wirbel machte. Derweil bemühen sich die Beteiligten, nicht zusätzlich Öl ins Feuer zu gießen. Schließlich gab schon da Silvas Manager Jan Rohdewald zu, dass der Zeitpunkt unglücklich war.

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Nachdem die Riesen zunächst einmal die Freigabe verweigert hatten, regelten es die Vereine schließlich auf dem kleinen Dienstweg. Sozusagen unter Schwaben: zwischen Reil und Albas Manager Marco Baldi, einem gebürtigem Schwenninger. Dass der zudem eine Ludwigsburger Vergangenheit besitzt (lang, lang ist’s her) dürfte ebenso wenig geschadet haben wie der gegenseitige Respekt. „Wir arbeiten ja seit Jahren gut zusammen“, betont Baldi und sagt: „Die Sache wurde unnötig aufgebauscht.“ Wobei Reil den Berlinern keine Vorwürfe macht. Eher schon dem Agenten, der Alba nach deren Personalproblemen den Spieler angeboten hat, weil er eine Ausstiegsklausel besaß. Über deren Ablauf gab es unterschiedliche Interpretationen, die nun gelöst und mit einer Ablöse – im Raum stehen 50 000 Euro – versüßt wurde.

Dass Alba bei der Offerte dankend zugeschlagen hat, spricht durchaus für die sportliche Wertschätzung für den gebürtigen Münchner mit brasilianischen Wurzeln. „Wir haben ihn schon länger auf dem Schirm“, sagt Baldi – weil er durchaus ins Berliner Beuteschema passt. Das da lautet: „Wir schauen nach talentierten Spielern, deren Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen ist.“ Unabhängig vom Alter, wie Baldi betont. Also kam auch Jaleen Smith mit immerhin schon 26. „Er hat noch Potenzial“, so Berlins Manager, „auch wenn die Entwicklungsschritte nicht mehr so schnell gehen werden wie zuletzt.“ Da wurde Smith, der von Zweitligist Heidelberg kam, bei den Riesen zum besten Bundesliga-Profi. Dennoch hat der erhoffte Sprung in die NBA nicht geklappt. Deren Transfergebaren ist Baldi sowieso ein Dorn im Auge, weil sie Talente aus Europa quasi frei Haus bekommen. Wenn man die maximale Ablöse von 750 000 Dollar betrachtet, sind das für NBA-Verhältnisse in der Tat Peanuts. Also fischen die Riesen sowie die mit einem gut doppelt so hohen Etat von etwa zehn Millionen Euro ausgestatteten Berliner oft im gleichen Teich, wenn auch mit anderen Waffen: Alba mit der Harpune, die Riesen mit der Angel.

Dass ein dicker Fisch anbeißt, ist in beiden Fällen möglich. Siehe einst Johannes Thiemann, der bei Ludwigsburg zum Nationalspieler wurde – und jetzt eben Smith oder da Silva. Der betont, dass der Wechsel zu einem Euroleague-Club für ihn den Ausschlag für den Dreijahresvertrag (sicher mit Klausel für die NBA) gab, auch wenn er sich finanziell ebenfalls verbessert haben dürfte.

Helfen da Silva seine Insiderkenntnisse?

„Es ist ein komisches Gefühl, dass er jetzt bei Alba spielt“, sagt Riesen-Coach John Patrick mit Blick auf Sonntag und fügt leise hinzu: „Das ist nicht schön.“ Wobei ihn weniger kränkt, dass der Spieler den Verein auf „seltsame Weise“ (Reil) verlassen hat, als dass er eben noch Insiderwissen besitzt. „Er kennt unsere Spielzüge, war in der Vorbereitung dabei.“ Und fühlt sich nun im Ligaalltag trotzdem zu Unrecht in die Ecke gestellt: „Dass ich für Alba spiele, zeigt ja, dass ich eine gültige Ausstiegsklausel hatte“, sagt er gegenüber unserer Zeitung – „den Zeitpunkt konnte ich mir leider nicht aussuchen.“ Und gegen Hamburg an besagtem 25. September noch zu spielen hätte ein zu großes Verletzungsrisiko beinhaltet. Dafür legt er Wert darauf, sich von Mannschaft und Trainer verabschiedet zu haben. „Und jetzt freue ich mich aufs Wiedersehen.“

Das wird kaum auf Gegenseitigkeit beruhen, zumindest bei den Fans, deren Ärger der Spieler durchaus nachvollziehen kann. „Aber ich habe keine verbrannte Erde hinterlassen.“ Ein Begriff aus der Soldatensprache. Das Kriegsbeil wird nun hoffentlich begraben. Spätestens Sonntag – nach dem Spiel.

Die Ausländer bei den Riesen

Neuzugang
Rechtzeitig vor dem Topspiel gegen Alba am Sonntag haben sich die MHP Riesen nochmals verstärkt und Rawle Alkins verpflichtet. Der 23-Jährige konnte die Gießen 46ers nach nur zwei Spielen (15 Punkte im Schnitt) wieder verlassen, weil er beim Ligarivalen eine Ausstiegsklausel mit Ablösesumme besaß – was gewisse Parallelen zum Fall von Oscar da Silva aufweist.

Wackelkandidat
Die Riesen haben damit neun US-Amerikaner unter Vertrag, wobei Jordan Woodard noch bis zum Jahresende verletzt ausfallen wird. Da in der Liga nur sechs Spieler pro Partie eingesetzt werden dürfen, gibt es dennoch einen Überhang. Als möglicher Streichkandidat gilt vor allem Jaylen Hands (22), der in den letzten zwei Spielen nicht zum Einsatz kam. ump