Foto: Gentsch

"Wer ›A‹ sagt, muss auch ›B‹ sagen." So Oberbürgermeister Jürgen Großmann. Gemeint ist die regelmäßige CO2-Bilanzkontrolle für das Nagolder Stadtgebiet. Die hat der Gemeinderat jetzt auf seiner jüngsten Sitzung in der Stadthalle auf den Weg gebracht – bei einer Nein-Stimme.

Nagold - Denn nach Einrichtung eines Klimaschutz-Beirats und der Anstellung eines Klimaschutz-Managers möchte Nagold als nächstes am European Energy Award (EEA) teilnehmen – um sich dadurch und damit als besonders klimafreundliche Stadt zertifizieren zu lassen. Seit langem ein Herzens-Anliegen vieler Gemeinderäte. Und genau dafür braucht es eben auch eine regelmäßige, künftig für Nagold alle drei Jahre erstellte CO2-Bilanzkontrolle als zuverlässige Datenbasis.

Ob das eine Pflicht oder eine freiwillige Maßnahme sei, wollte Jürgen Gutekunst (FDP) zuvor noch wissen. Grundsätzlich freiwillig, so der OB in seiner Antwort. Aber eben eine, die im Zertifizierungsverfahren innerhalb des EEAs mehr oder weniger auch zwingend gebraucht werde.

Daher: "Wir müssen das machen", so Großmann, wenn man es als Stadt mit dem Klimaschutz künftig wirklich ernst nehmen wolle.

Denn: Das Ziel einer kommunalen Energie- und CO2-Bilanz (CO2 = Kohlendioxid) sei es, den Energieverbrauch und die daraus resultierenden CO2-Emissionen in einer Kommune komplett darzustellen – so der Wortlaut der zugehörigen Sitzungsunterlage. Dabei werde separat aufgezeigt, welche Verbrauchssektoren und Energieträger jeweils die größten Anteile (sprich: Verbräuche) hätten.

Auf diese Weise helfen CO2-Bilanzen, den zum Zeitpunkt der Erhebung aktuellen Stand in einer Kommune der CO2-Produktion zu beschreiben und so auf Verbrauchs-, beziehungsweise Emissionsschwerpunkte und den entsprechenden Handlungsbedarf aufmerksam zu machen.

Darauf aufbauend könnten dann auch die zur Verfügung stehenden "Minderungspotenziale berechnet, Klimaschutzziele quantifiziert und Schwerpunkte bei der Maßnahmenplanung gesetzt werden". Dies sei unter anderem beim EEA "eine große Hilfe und wird dort auch gefordert". Durch die regelmäßige Erstellung einer Bilanz könne zudem die Entwicklung der Energieverbräuche und Emissionen über längere Zeiträume abgebildet werden. Bilanzen seien damit ein zentraler Baustein des kommunalen Klimaschutzmonitorings und würden dabei helfen, das Erreichen der gesetzten Klimaschutzziele zu überprüfen und Potenziale zu identifizieren.

Das integrierte Klimaschutzkonzept (KSK) der Stadt Nagold wurde bereits im Jahr 2016 erstellt. Die darin enthaltenen Daten zur Nagolder CO2-Bilanz bezögen sich jedoch auf das Jahr 2013 - und sollten daher möglichst bald auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Im Rahmen des KSK wurde für Nagold zum ersten und bisher letzten Mal eine CO2-Bilanz erstellt. Die darin aufgelisteten CO2-Emissionen für Nagold wurden aus dem errechneten Energieverbrauch mit Hilfe von Emissionsfaktoren (Gewichtseinheit pro Kilowattstunde Endenergie) für die einzelnen Energieträger ermittelt.

Private Haushalte sind größte Produzenten von CO2

Nach "BICO2BW", einem weit verbreiteten Verfahren zur CO2-Bilanzierung, wurden so für das Jahr 2013 insgesamt 166 178 Tonnen an CO2-Emissionen in Nagold erhoben (Endenergieverbrauch entsprechend 458 431 Megawattstunden). Größte Emittenten waren die privaten Haushalte (Anteil: 32 Prozent) vor dem gewerblichen Bereich / Handel (24 Prozent), dem Verkehr (23 Prozent) und dem produzierenden Gewerbe (18 Prozent). Kommunale Einrichtungen trugen nur zwei Prozent zu den Emissionen bei. Wichtigster Energieträger war gemäß der Erhebung Strom vor Kraftstoffen (Verkehr), Heizöl und Gas. Kohle und erneuerbare Energiequellen spielten nur am Rande eine Rolle.

Für die künftige Berechnung der CO2-Bilanz solle allerdings die Art und Methodik sowie die genauen Bilanzgrenzen bewusst noch offengehalten werden. Laut Sitzungsvorlage, weil es dafür aktuell "viele verschiedene Berechnungsmethoden gibt, diese jedoch nicht immer miteinander verglichen werden können" – weshalb es hier noch "Klärungsbedarf" gebe. Ziel solle aber natürlich sein, die Daten sowie die Berechnungsmethode aus dem Nagolder KSK als Ausgangsbasis zu betrachten und weiter zu verfolgen, damit die Vergleichbarkeit gewährleistet sei. Nach Rücksprache mit der Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg (KEA) sowie dem (von der Stadt beauftragten) EEA-Berater empfehle die Verwaltung zudem, den Zyklus der CO2-Bilanzerstellung künftig auf drei Jahre festzulegen. Laut Aussage der KEA könne für die Erstellung einer CO2-Bilanz für eine Stadt mit der Größe Nagolds von einem Aufwand von etwa fünf Arbeitstagen ausgegangen werden. Bei einem Tagessatz von 700 Euro entspräche das künftigen Kosten in Höhe von 3500 bis 4000 Euro für drei Jahre.

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