Der Verein „Rheingeworfen“ engagiert sich für weniger Müll im Rhein. Gleichgesinnte tauchen im Rhein, um ihn für Schwimmer ein Stück weit sicherer zu machen.
Der Müll häuft sich am „Bläsi-Strand“ nahe der Dreirosenbrücke: Blechdosen, Sonnenbrillen, Glasflaschen, eine noch gut erhaltene Grillgabel, aber auch ein kleiner Tretroller ist unter dem Unrat, den Karin Brunner und Jeroen Dierssen aus dem Rhein holen. „Habt ihr das alles gefunden? Bekommt ihr überhaupt genug Luft beim Tauchen?“, will ein neugieriges Mädchen wissen. Das schaut ganz ungläubig auf das Sammelsurium, in dem sich sogar eine Krücke findet. „Eine Gehhilfe hatten wir noch nie“, schmunzelt Brunners Mitstreiter. „Und jede Menge geknackter Fahrradschlösser, die finden wir eigentlich immer“, ergänzt die 28-jährige Baslerin.
Blech und Glasscherben
Während sich an diesem Sommertag im August viele Sonnenhungrige am Ufer rekeln und sich die Basler entspannt „dr Bach ab“ treiben lassen, setzt Brunner zum nächsten Tauchgang an: Noch einmal tief Luft holen und ab zum Grund: Nur wenige Augenblicke verschwindet sie unter Wasser. Die Zeit reicht aber aus, um scharfkantige Blechfetzen und Glasscherben aufzulesen. Wenn im Sommer viel los ist, landet jede Menge Abfall im Fluss, moniert die 28-Jährige. Wie sie dazu gekommen ist, im Rhein nach Müll zu tauchen? Am Anfang, vor etwa zwei Jahren, stand eine Scherbe. „In die bin ich reingetreten, und dann entstand die Idee, den Rhein vom Abfall zu befreien.“
Ausgerüstet mit Neoprenanzug, Taucherbrille, Schutzhandschuhen und Schwimmschuhen steigt sie regelmäßig mit Bekannten und Freunden in den Fluss. Mal mehr, mal weniger Helfer – wer gerade Lust und Zeit habe, sei mit von der Partie. Mitmachen könne jeder. Die Gruppe hat sich auch in einem Verein namens „Rheingeworfen“ organisiert. An diesem Tag ist auch ein Magnetfischer dabei. Er steht am Ufer und wirft einen an einer langen Leine befestigten starken Magneten ins Wasser. Wurf um Wurf, bis mal eine Kleinigkeit hängen bleibt.
Dierssen teilt Brunners Negativerlebnis: Nach dem Tritt in eine Scherbe sei der Sommer für ihn gelaufen gewesen, ärgert er sich rückblickend. Ein besonderes Augenmerk legen die beiden Müllsammler daher auf die Ein- und Ausstiegsstellen am Rhein. Es gebe regelrechte „Hotspots“, wo sich immer wieder Müll ansammele. So gibt es unterhalb der Mittleren Brücke ein „Scherbenmeer“, berichtet Dierssen. Und an der Dreirosenbrücke, die wegen der Kriminalitätsproblematik regelmäßig Negativschlagzeilen macht, habe man bis vor einiger Zeit immer mal wieder Messer und Diebesgut aus dem Rhein geholt. „Das hat sich aber mittlerweile gebessert“, weiß der Basler.
Was mit den Waffen und Diebesgut geschieht? „Wir informieren die Polizei, die kommen dann und holen die Sachen ab.“ Kuriose Funde würden immer mal wieder im Netz landen: Ein halbes Gebiss war auch schon dabei, lacht der 38-Jährige. Auch habe mal jemand einen Schweizer Militärrevolver hier entsorgt. Der wurde schon seit 2017 vermisst, berichtet Brunner. „Es gibt nichts, was nicht einmal im Rhein landet. Man findet wirklich alles – auch Schmuck.“
Vom Jagdfieber gepackt
Die Liste sei lang, er könne noch viel mehr aufzählen, meint ihr Tauchpartner, den das Jagdfieber gepackt habe. „Neben der sportlichen Aktivität ist es auch ein lustiger Wettkampf, wer den interessanteren oder wertvolleren Fund macht“, erzählt er. Er sei immer sehr neugierig, was sich unter Wasser alles verbirgt. „Manchmal holen wir fünf Franken raus, das ist dann unser Tageslohn“, lacht Brunner.
Die Gegenstände, die Schwimmer und Wassersportler verloren haben, landen auf der Facebook- und Instagram-Seite des Vereins. „Mini airpods eventuell debi?“, will eine Internetnutzerin wissen. „Hend keini gfunde gester s“rry“, lautet die Antwort. Bisweilen würden sie gebeten, nach verlorenen Sachen Ausschau zu halten. „Die tauchen aber nicht mehr auf“, erzählt Dierssen.
Und dann gibt es auch noch Passanten und Internetnutzer, die sich bei den Mülltauchern für ihren Einsatz bedanken. „Über Anerkennung freuen wir uns immer“, so Brunner. Selten moniere mal jemand den Unrat, der sich im Laufe eines Tags am Ufer ansammelt. Den lassen die Mülltaucher in den großen Müllcontainern verschwinden, die der Kanton an den Hotspots aufgestellt hat. Das Anliegen der engagierten Müllsammler: Im eigenen Interesse sollte jeder schauen, dass der Rhein sauber bleibt, hierzu könne jeder einen Beitrag leisten, meinen die beiden Basler.