Das Drill Team der US Air Force Honor Guard begeistert mit präziser Gewehr-Akrobatik. Foto: Michael Werndorff

Die Choreographie des Drill Teams der US Air Force Honor Guard bringt am Basel Tattoo Tausende Zuschauer zum Staunen.

Wenn mit Bajonetten bestückte Gewehre durch die Luft fliegen, ist das Drill Team der US Air Force Honor Guard nicht weit. Doch wer sind die „Botschafter in Blau“, die am diesjährigen Basel Tattoo für Staunen und Begeisterung sorgen? Staff Sergeant Marco Amaro und Senior Airman Zackery Easley geben unserer Redaktion Einblicke in die zeremonielle Elite-Einheit.

 
Marco Amaro und Zackery Easley Foto: Erich Krieg

Easley wurde bei seinem Eintritt in die US Air Force angeboten, Teil der Honor Guard zu werden. Diese ist dafür verantwortlich, die US Air Force bei Zeremonien zu vertreten, wie zum Beispiel bei Staatsbesuchen, Beerdigungen und Kranzniederlegungen. Mitglieder der Honor Guard können sich für das Drill Team, die zeremonielle Elite-Einheit, bewerben. Es gelten strikte Voraussetzungen für die Zulassung zum Training. „Viele scheitern im Training, weil es für den Körper sehr anstrengend ist“, erklärt der Senior Airman.

Professionalität ist gefragt

Im Gegensatz zu Easley, der direkt nach dem Bootcamp Mitglied der Formation wurde, bewarb sich Amaro nach vier Jahren als Command Post Controller für die Honor Guard. Der Bewerbungsprozess sei für ihn deshalb schwieriger gewesen, denn „du darfst nicht in Schwierigkeiten geraten sein, musst professionell sein und sich im Militär bewährt haben“, erläutert der Staff Sergeant. Schließlich sollen die erfahreneren Mitglieder der Air Force den jungen Neuankömmlingen aus dem Bootcamp ein gutes Vorbild sein. „Nach dem Bewerbungsprozess und in bei den gemeinsamen Auftritten sind alle Teammitglieder gleich“, erklärt Amaro.

Zwölf Stunden Training

Um Teil des Drill Teams zu werden, seien täglich zwölf Stunden Training über achteinhalb Wochen hinweg notwendig. „Das ist erst der Anfang, wenn du die Choreographie noch nicht kennst“, erklärt Easley. Von der Verleihung des Ascot, einem besonderen Halsband aus Seide für das erfolgreiche Bestehen des Trainings, bis zum ersten öffentlichen Auftreten könne es je nach Lerngeschwindigkeit zwei bis neuen Monate dauern, schätzt Amaro. „Die Mitglieder müssen einen sehr hohen Standard erfüllen.“

Frage der Sicherheit

Dies sei auch eine Frage der Sicherheit, denn die einzige wirkliche Sicherheitsvorkehrung sei es, so geübt in der Choreographie zu sein, dass nichts mehr schiefgehen könne. Natürlich gehe aber trotzdem früher oder später beim Werfen der Gewehre etwas schief.

Die Ehrenformationen hat viele Auftritte außerhalb der USA. Foto: Michael Werndorff

Als Beispiel einer Verletzung nannte Easley einen Fingerbruch, als er die Waffe für die Wellen-Formation der Choreographie fangen wollte. Amaro berichtet von einer Schnittverletzung durch das Bajonett, als in der Linien-Formation ein anderes Teammitglied ihm zu nahe stand. Ein weiteres Mitglied habe beinahe seinen Zeh verloren, weil eine Waffe nicht richtig gefangen wurde.

Publikum merkt es nicht

Doch das Publikum würde nicht bemerken, wenn etwas schiefgehe, weiß Amaro. Der Anspruch sei es, mögliche Schmerzen durchzustehen, um eine perfekte Show abzuliefern. „Dies macht es dir selbst schwer zu erkennen, ob du ernsthaft verletzt bist oder nicht“, erklärt der Staff Sergeant. Sein Herz schlägt für das Team: „Du bist ein Teil davon, weil du es liebst“, erläutert Amaro. Für ihn sei der schönste Teil das öffentliche Aufführen der Choreographie. „Je größer das Publikum, desto besser. Du bekommst einen Rausch von erfolgreichen Darbietungen.“

Um die Welt reisen

Dennoch stelle der straffe Reisezeitplan den verheirateten Vater von zwei Kindern vor Herausforderungen. „Es ist schwer, aber mit einer gesunden Kommunikation per Telefon und Facetime wird es einfacher, man muss sich die Zeit dafür nehmen.“ Die meisten Reisen seien kürzer, doch je länger die Reise, desto größer sei das Heimweh.

Für Easley machen die Reisen um die Welt die Mitgliedschaft im Drill-Team aus. „Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Es ist schön, andere Kulturen kennenzulernen, und es kann manchmal ernüchternd wirken“, erklärt der Senior Airman. Außerdem sei Teil des Drill-Teams zu sein, für ihn zutiefst sinnstiftend.